Soll Rapid Beric für fünf Mio. Euro ziehen lassen?

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Die Gerüchteküche brodelt.

Immer wieder tauchen neue Gerüchte zu Robert Beric auf. Deutsche Bundesligisten wie Schalke, Hertha, Bremen oder Hannover werden schon länger mit dem Slowenen in Verbindung gebracht.

Nun soll mit Reading auch ein englischer Zweitligist ins Wettbieten eingestiegen sein. Wie der "Kurier" berichtet, wollen die Engländer 5,4 Mio. Euro für den 24-Jährigen zahlen (Infos). Letztlich stellt sich bei diesem Transfer auch die Frage, wie viel 27 Saisontore in Österreich auf dem internationalen Markt überhaupt wert sind.

Unter den Rapid-Fans gehen die Meinungen dazu auseinander. Klar, die meisten Anhänger würden sich einen Verbleib von Beric wünschen. Ab einer gewissen Summe müssen sich aber alle Fans eingestehen, dass ein Wechsel Sinn macht.

Doch wo liegt diese Schmerzgrenze? Soll Rapid den Torjäger für die nun angeblich von Reading gebotene Ablöse von 5,4 Mio. Euro ziehen lassen? Darüber haben auch wir in der LAOLA1-Redaktion diskutiert. Herausgekommen ist dieses Pro & Contra:

Ja, fünf Millionen Euro sind mehr als genug Ablöse für Beric

Ein Kommentar von Jakob Faber

„Das Angebot müsste unverschämt sein. Man müsste uns mit Geld erschlagen.“

Andreas Müller ist ein schlauer Fuchs. Mit solchen Aussagen will er den Preis für Robert Beric in die Höhe treiben. Insgeheim wird jedoch auch der Sportdirektor wissen, dass ein Verkauf des Stürmers unvermeidlich ist.

Mit 27 Saisontoren hat der Slowene bewiesen, dass er reif für eine Top-Liga ist. Nach den jüngsten Transfers von Mane, Kampl, Damari und Alan hat zudem die österreichische Bundesliga insgesamt an Marktwert hinzugewonnen. Müller tut also gut daran, um einen möglichst hohen Preis zu feilschen. Gleichzeitig muss er jedoch aufpassen, sich nicht zu verpokern.

Denn im Gegensatz zu den vorher genannten Spielern fehlt es Beric an internationaler Erfahrung. Im Nationalteam kommt er nicht am 36-jährigen Milivoje Novakovic vorbei. Seit seiner Zeit bei Maribor war er im Europacup in keiner Gruppenphase vertreten. Mit 24 Jahren geht Beric auch nicht mehr als Talent durch. All das drückt seinen Marktwert nach unten.

Müller muss sich auch die Frage stellen, was passiert, wenn Beric doch in Wien bleibt. Gut möglich, dass er – leicht angesäuert, weil ihm Rapid eine Chance verbaut hat – in seiner Entwicklung stecken bleibt. Der Angreifer ist in Österreich am Zenit angelangt. 27 Tore sind nur schwer zu übertreffen. Nun wäre der perfekte Zeitpunkt für einen Verkauf. Ansonsten droht die Stagnation. Bestes Beispiel dafür ist Philipp Hosiner.

Hoffenheim bot der Austria 2013 drei Mio. Euro für den Torschützenkönig, doch die „Veilchen“ waren gierig und wollten fünf Millionen. Am Ende zerschlug sich der Transfer, Hosiner stagnierte in seinen Leistungen und wurde ein Jahr später um 1,1 Mio. Euro unter dem Hoffenheim-Angebot nach Rennes verkauft. Eine Lose-Lose-Situation.

Dass Rapid möglichst viel Geld für Beric bekommen will, ist klar. Falls Mitte August jedoch nicht mehr als drei oder vier Millionen Euro am Tisch liegen, sollte man das Angebot annehmen und in den verbleibenden zwei Wochen einen geeigneten Ersatz verpflichten. Sonst droht Beric das Hosiner-Schicksal.

 

Nein, Rapid muss für Beric mehr Geld verlangen

Ein Kommentar von Martin Wechtl

Qualität hat ihren Preis. Und Robert Beric hat beides.

27 von 68 Rapid-Toren gingen in der abgelaufenen Saison auf das Konto des Slowenen. Dazu lieferte der 24-Jährige sechs Assists, eine Vorlage steuerte er im ÖFB-Cup bei. Doch nicht nur die nackten Zahlen machen den Angreifer für die Hütteldorfer so wertvoll, sondern auch seine Art Fußball zu spielen:

Der Blondschopf ist ein echter Stoßstürmer, ein Vollstrecker. Setzen die Grün-Weißen zum Angriff an, ist Beric schon längst an vorderster Front, weil er sich unangenehm für jede Abwehr an der Abseitslinie bewegt und im richtigen Moment anspielbar ist. Darüberhinaus ist seine Präsenz im Fünfer einzigartig.

Es ist daher schwer, seinen aktuellen Wert für Rapid mit einer Geldsumme zu beziffern. Und es ist noch viel schwerer, sich vom Goalgetter zu trennen. Ab einem Angebot von fünf Millionen Euro kann einmal angefangen werden, darüber nachzudenken - mehr nicht. Zur Erinnerung: Nikica Jelavic verließ die Wiener 2010 für kolportierte 4,9 Millionen Euro in Richtung Glasgow Rangers. Beric schoss in einer Saison genauso viele Bundesliga-Tore wie der Kroate in seiner gesamten Rapid-Zeit. Warum den Zweiten der Torschützenliste also für weniger ziehen lassen?

Vor fünf Jahren benötigte Rapid den Erlös aus dem Transfer, doch mittlerweile ist der Traditionsverein auch aufgrund eines neuen Sponsor-Deals nicht zwingend auf Transfereinnahmen – selbst in dieser Höhe – angewiesen.

Natürlich wäre eine hohe Millionen-Ablöse wirtschaftlich verlockend, doch sportlich gesehen liegt die Summe, die die Verantwortlichen schwach werden lässt, wohl über der Grenze von fünf Mio. Euro. Rapid darf sich nach einem hervorragenden Frühjahr berichtigte Hoffnungen auf einen offenen Titelkampf machen. Dazu die Euphorie rund um die Errichtung des Allianz Stadions. Es könnte also eine grün-weiße Saison werden. Vorausgesetzt Beric bleibt erhalten.

Denn auch Erfolg hat seinen Preis.

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