"Wir wollten mehr ins Trainer-Team investieren"

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Andreas Ogris wollte keine Fragen zu Thorsten Fink gestellt bekommen.

Vielleicht, weil noch nicht geklärt ist, was genau der interimistische Trainer der Wiener Austria kommende Saison machen wird, wenn der neue Chefcoach das Zepter übernommen hat.

„Andi wird weiter eine wichtige Rolle bei der Austria spielen, nicht nur im Trainer-Team, sondern überhaupt im Verein, weil man sich auf ihn verlassen kann“, erklärt Franz Wohlfahrt.

Der Sportdirektor hat mit seinem neuen Trainer auch nicht alles besprochen.

„Wir treffen uns heute Abend, am Samstag ist seine Vorstellung und wir werden in Kärnten und die Tage danach zusammen sein und alles intensiv besprechen. Auch was den Staff bis runter in die Akademie betrifft.“

„Wollten eine langfristige Lösung“

In den nächsten zwei Wochen soll dann alles klar sein. Das Wichtigste ist aber seit Donnerstag geklärt: Nach langer Suche soll Fink der Mann sein, der die Violetten in rosigere Zeiten führt.

„Wir haben zwei Monate genau selektiert, wir hatten eine lange Liste, die kürzer wurde. Mit diesen Personen haben wir Gespräche geführt. Das hat seine Zeit gebraucht. Wir haben eine großartige Lösung gefunden und gehen optimistisch in die Zukunft“, zeigt sich der 50-Jährige hoffnungsvoll.

Die Uhren sollen bei den Wienern ab sofort anders ticken. Der violette Trainerfriedhof soll der Vergangenheit angehören. Der fast schon traditionell halbjährliche Wechsel Geschichte sein.

„Wir wollten eine langfristige Lösung“, hält Wohlfahrt fest und gibt preis, dass es keinerlei Klauseln im Vertrag des 47-jährigen Deutschen, der über zwei Jahre (plus Option) geht, gibt.

Fink schon früh ein Thema

Am elften Mai beendete APOEL Nikosia die Zusammenarbeit mit Fink, weil dem Klubpräsidenten angeblich der Spielstil missfiel. Dieser darf sich trotzdem zypriotischer Meister-Trainer nennen.

Am 12. Mai tagte der Aufsichtsrat der Austria, der grünes Licht für Felix Magath gab. Der 61-Jährige sollte Tage später den Veilchen allerdings absagen. Fink soll da schon parallel Thema gewesen sein.

Soll neuer Athletik-Trainer werden: Nikola Vidovic

Fink, der die Austria definitiv weniger kosten wird, will Sebastian Hahn (Co) und Nikola Vidovic (Athletik) mitnehmen. Diesen Wünschen werden die Veilchen auch nachkommen.

„Es ist noch nichts unterschrieben, wir werden Gespräche führen. Aber man kann davon ausgehen, dass das passieren wird“, sagt Wohlfahrt über die jahrelangen Vertrauenspersonen von Fink.

Überhaupt sollen sich der neue Mann am Ruder sowie der frühere Tormann schnell auf einer Welle befunden haben, nicht nur, weil sich die beiden aus der deutschen Bundesliga bestens kennen.

„Wir haben schnell bemerkt, dass wir dieselben Ideen haben. Es geht um eine Mannschaft, gestützt von Erfahrung, mit einem Großteil an jungen Spielern, die entwickelt werden sollen. Das ist das große Ziel des Klubs und Thorsten zieht hier voll mit. Er hat auch Erfahrung und Erfolg damit, siehe Basel.“

In die bisherigen Spielerentscheidungen war Fink nicht involviert, aber Wohlfahrt habe bemerkt, dass „er zur mir vollstes Vertrauen hat“. Plus: „Wir haben ja auch noch das eine oder andere vor.“

Noch wird nicht über die Meisterschaft gesprochen

Über die genau Spielphilosophie werde auch noch gesprochen, die vom Klub gewünschte wurde zuletzt kommuniziert. Der technische und kombinationsstarke Fußball soll forciert werden.

„Wir haben damals einzelne Namen genannt, auch jener von Thorsten Fink war dabei“, bestätigt AG-Vorstand Markus Kraetschmer. Dessen Dank für die Verpflichtung gilt nun Wohlfahrt.

„Er hat extrem akribisch gearbeitet, viele Gespräche geführt, teilweise mit mir zusammen. Im Finale wurde es spannend, aber es war eine schnelle Entscheidung. Das Gespräch zwischen Franz und Thorsten war dann entscheidend, ihn zu verpflichten“, so Kraetschmer, der seinen Partner lobt.

„Dank an Franz“

„Thorsten Fink war ein sehr begehrter Mann, das ist kein Geheimnis. Das macht uns stolz, dass er sich für uns entschieden hat und wir einen Mann gewinnen konnten, der tolle Erfolge gefeiert hat.“

Vor einem Jahr begab sich die Wiener Austria auch auf Trainersuche und wurde mit Gerald Baumgartner fündig. Nachdem diese Zusammenarbeit während einer überaus enttäuschenden Saison beendet wurde, entschieden sich die Verantwortlichen einen anderen Weg zu gehen.

„Aufgrund der Entwicklung des letzten Jahres sind wir zur Überzeugung gekommen, mehr für das Trainer-Team zu investieren und haben uns da auch über den Finanzrahmen Gedanken gemacht“, so Kraetschmer. „Thorsten Fink ist ein Spitzenmann und das ist finanziell anders als vor einem Jahr.“

„Wir haben dieselben Ideen“

Für Magath sollen die Wiener bereit gewesen sein, 800.000 Euro pro Jahr (netto) auszugeben. Die von ihm gewünschten Betreuer hätten den Budgetrahmen gesprengt, deswegen wohl die Absage.

Über die Ziele für die neue Saison brauchen die Verantwortlichen nicht viele Worte verlieren: besser als diese Spielzeit (6. oder 7.) abzuschließen. „Wir müssen eine bessere Rolle spielen“, so Wohlfahrt, der „zu 100 Prozent überzeugt ist, dass das eine positive Geschichte wird“.

Kraetschmer: „Wir wollen wieder in die Erfolgsspur zurückkommen, Thorsten Fink ist eine Säule, ein Garant dafür, dass wir das schaffen.“

Über die Ziele für kommende Saison gibt man sich teilweise angriffslustig, teilweise zurückhaltend: „Ich habe immer die höchsten Ziele verfolgt, das lasse ich mir auch jetzt nicht nehmen. Die Austria hat Salzburg in einem nicht so tollen Jahr geschlagen, das gibt mir Hoffnung. Über den Gewinn der Meisterschaft zu reden, wäre aber jetzt verfrüht“, weiß auch Wohlfahrt, dass die Kirche im Dorf ist.

Ein internationaler Startplatz soll erreicht werden: Und jetzt? „Wollen wir uns einmal ordnen."

Nach dermaßen vielen Wechsel auf dem Trainer-Posten sicherlich kein unkluger Vorschlag.

 

Bernhard Kastler

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