"Schneckerls" großer Abend

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Die Austria feierte ihre Helden

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Herbert Prohaska kämpfte mit den Tränen.

Die Austria-Legende war soeben von den Fans zum Jahrhundert-Spieler des FAK gewählt worden.

„Jetzt ist mir der Schmäh ausgegangen“, gestand er. „Du bist die Austria!“ rief ein Fan aus dem Publikum laut aus, was sich alle in der Wiener Stadthalle dachten.

„Es gibt viele noch größere Klub der Welt, aber es gibt für mich keinen größeren, als die Austria“, sagte „Schneckerl“ mit tränenerstickter Stimme.

„Seine Ansprache war ein Traum“, brachte es Franz Wohlfahrt auf den Punkt. Die Ehrung des 56-Jährigen war der emotionale Höhepunkt der 100-Jahr-Jubiläumsshow, die die Violetten am Sonntag ausrichteten.

Auf Gottschalks Spuren

Mehrere Stunden lang zelebrierten verdiente Spieler, Musiker und andere Prominente auf der Bühne den 100. Geburtstag der Favoritner. Etwas länger, als ursprünglich geplant, wie AG-Vorstand Markus Kraetschmer scherzte: „Wir haben länger überzogen, als Thomas Gottschalk. Das schafft man wahrscheinlich auch nur einmal in 100 Jahren.“

Die Jahrhundert-Elf

„Dabei zu sein, ist ein sehr schönes Gefühl. Ich habe dem Verein vieles zu verdanken“, freute sich Goalie Franz Wohlfahrt. Den anderen erging es nicht anders. Jahrhundert-Trainer wurde Hermann Stessl.

Das Jahrhundert-Tor

Doch damit der Wahlen noch nicht genug. Auch das schönste Tor der Klub-Geschichte durften die Fans bestimmen. Das Rennen machte Felix Gasselich mit seinem Treffer aus dem Jahr 1982, als er die halbe Galatasaray-Abwehr übergaberlte, um danach erfolgreich abzuschließen.

„Ich spiele mit ihm am Montag hin und wieder in einer Jux-Partie. Auch da kramt er immer in der Trickkiste“, erzählte Kraetschmer. Ob ihn der frühere Edeltechniker auch schon derart gedemütigt habe? „Er hat meistens das Glück, mit mir in einer Mannschaft zu spielen“, lachte der Manager.

Auf dem zweiten Platz landete Junuzovic mit seinem Fallrückzieher gegen Mattersburg. „Es war für mich schon ein Wahnsinn, dass ich überhaupt unter die ersten Fünf gekommen bin. Dass ich Zweiter geworden bin, ist eine große Ehre“, strahlte der Mittelfeldspieler. Rang drei ging an Andreas Ogris‘ Ferserl-Tor gegen den FC Barcelona.

Lobeshymnen auf "Schneckerl"

Die Tor-Wahl war übrigens die einzige, bei der Prohaska am Ende nicht in der engeren Auswahl stand. Doch warum verkörpert ausgerechnet er den Klub wie kein anderer? „Er hatte diesen Spielwitz, dieses Geniehafte und den Willen – das macht einen großen Fußballer aus. Bei ihm kommt seine soziale Kompetenz dazu. Er ist immer derselbe geblieben“, meinte Wohlfahrt.

Alfred Dorfer und „maschek“ rissen Witze, Wolfgang Ambros, Wiener Wahnsinn und Lucenzo sorgten für die musikalische Untermalung des Abends. „Die Mischung hat gepasst. Ich denke, dass jeder auf seinen Geschmack gekommen ist“, fand nicht nur Zlatko Junuzovic Gefallen daran.

Trainer Karl Daxbacher war in erster Linie von der Stimmung begeistert: „Dass die Fans so emotional mitmachen, war überraschend. In dieser Form habe ich mir das nicht erwartet.“

Die Jahrhundert-Elf

Zudem wurde die violette Jahrhundert-Elf, die die Fans gewählt haben, präsentiert.

Auch Daxbacher schwärmte von seinem Ex-Teamkollegen und Freund: „Seine Eleganz im Spiel muss man gesehen haben. Das war damals in Österreich einzigartig.“

„Er war sehr, sehr ehrgeizig. Das nimmt man von ihm gar nicht so an. Meistens sind Primgeiger und Supertechniker eher die Problemkinder, denen mangelnder Ehrgeiz vorgeworfen wird. Doch er hat Können und Willen vereint. Darum war er so ein guter Spieler. Außerdem war er ein Leader in der Mannschaft. Das macht ihn zum typischen Austria-Spieler.“

Und was sagt der Jahrhundert-Austrianer selbst? LAOLA1 hat nach der Gala mit ihm gesprochen.

LAOLA1: Sie waren einer der Hauptdarsteller der Gala. Wie fällt ihr Resümee aus?

Herbert Prohaska: Es war eine großartige Feier, die alles hatte, was man sich wünscht. Es waren sehr viele Menschen da, die Halle war voll. Mir war es am Schluss ein bisschen zu emotional, das mag ich an und für sich nicht. Was soll ich sagen: Ich bin zum Jahrhundertspieler der Austria gewählt worden. Als einzelner Spieler kann man nichts Höheres erreichen. Es wird nicht nur für mich, sondern für alle Austria-Anhänger, die hier waren, ein unvergesslicher Tag bleiben.

LAOLA1: Ist diese Auszeichnung schöner, als ein Meistertitel oder das Europacup-Finale?

Prohaska: Nein. Das wäre zu egoistisch. Das Europacupfinale, das wir gespielt haben, war vor dem Spiel das schönste Erlebnis, nach dem Spiel das schlimmste meiner Karriere. Diesen Titel hätte ich schon ganz gerne gegen die Auszeichnung eingetauscht. Ich wäre bei der Wahl lieber Dritter und dafür mit der Austria Europacup-Sieger geworden. Das hätte mir wesentlich mehr bedeutet.

LAOLA1: Haben Sie daheim überhaupt noch Platz für Trophäen?

Prohaska: Es ist in der Tat so, dass kaum mehr Platz ist. Für diese Trophäen wird aber natürlich Platz gemacht. Die bekommen einen Spezialplatz. Außerdem denke ich, dass es die allerletzten waren, die ich bekommen habe. Ich bin zufrieden, es waren in meiner langen Karriere doch sehr viele.

LAOLA1: Felix Gasselich wurde für das Jahrhundert-Tor ausgezeichnet. Sind Sie von ihm auch einmal übergaberlt worden?

Prohaska: Wahrscheinlich. Er war ein begnadeter Techniker. Dieses Tor ist zu Recht das Tor des Jahrhunderts. Das war keine Sternstunde von ihm, der kann das wirklich. Er hat viele außergewöhnliche Tore geschossen, weil er einfach technisch perfekt war. Es freut mich für ihn, dass er diese Wahl gewonnen hat.

LAOLA1: Mit wem auch immer man hier spricht, alle verlieren nur positive Worte über Sie. Haben Sie sich bei der Austria nie Feinde gemacht?

Prohaska: Naja. Meine Karriere bei der Austria war lang, da habe ich mir auch Feinde gemacht. Ich glaube aber, dass die Austria immer gewusst hat, dass ich ein Spieler war, der immer bereit war, für diesen Verein alles zu geben – auch, wenn ich einmal schlecht gespielt habe. Ich hatte auch meine schlechten Spiele, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber der Verein hat eben immer gespürt, dass ich bereit bin, alles für die Austria zu machen, dass er sich auf mich verlassen kann.

Harald Prantl

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