"Werden unseren Stil weiterverfolgen"

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"Ich bin der Meinung, dass es keine Geheimnisse gibt.“ 

Altach-Trainer Damir Canadi hat nichts zu verbergen. Der gebürtige Wiener ist ehrlich, direkt und nimmt sich selten ein Blatt vor dem Mund.

Auch dann nicht, wenn es um taktische Kniffe und seine Spielphilosophie geht. "Ich lege gerne alle meine Unterlagen offen", ist der 43-Jährige bereit, Wissen, Erkenntnisse und Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Erst kürzlich erläuterte er diese bei einem Vortrag im Rahmen der Trainer-Fortbildung seinen Kollegen. "Ich bin ein Mensch der gerne gibt."

Wenn der beste Kondi-Trainer nicht hilft

Wie lässt Canadi spielen? "Die Anordnung auf dem Feld ist immer sekundär“, schiebt er System-Diskussionen schnell den Riegel vor. Taktik hänge demnach nicht vom Spiel-System ab. Vielmehr sei es entscheidend, wie flexibel eben jenes sei.

Organisation ist für den ehrgeizigen Trainer dennoch das Um und Auf. "Je organisierter eine Mannschaft ist, desto weniger Laufarbeit hat sie zu absolvieren." Die Defensive sei demnach Erholungs-, nicht Belastungs-Phase. Dies mache sich mit Fortdauer des Spiels bemerkbar.

"Man ist ökonomischer und hat bis zum Schluss mehr Kraft", weiß Canadi, der gleichzeitig hohes Verteidigen predigt. "Ich kann den besten Konditions-Trainer der Welt haben, wenn ich ständig 70 Meter zum gegnerischen Tor habe, bin ich irgendwann platt."

Die Spieler haben Canadis Philosophie längst behirnt. Belohnung: Bundesliga

"Ihr könnt nie ich sein"

Dass hohes Anpressen auch bei der WM zum Standard mutiert, schließt Canadi nicht aus.

Auch hier gehe es aber in Richtung Vielfalt und Flexibilität. "Es gibt heute Systeme wie ein 4-1-2-2-1, 4-2-2-2, Juve findet aktuell zum 3-5-2 zurück, Guardiola spielt eine Dreier-Kette mit Mittelfeld-Raute und drei Stürmern", zählt der Coach Variationen auf.

"Es wird nie Grenzen geben." Weder für die Top-Teams, noch für Altach und vor allem auch nicht für Canadi selbst. Der gebürtige Wiener wird das Spiel seiner Mannschaft und seine Philosophie spätestens in der nächsten Saison erneut weiterentwickeln. Und auch diese Erkenntnisse wird er bei Vorträgen mit seinen Kollegen teilen.

Angst, kopiert zu werden, hat Canadi bei aller Offenheit keine. "Ich gebe euch all meine Unterlagen, aber eines könnt ihr nie sein. Ihr könnt nie ich sein."

 

Kevin Bell/Harald Prantl

Doch das musste der Altach-Coach im Laufe seiner Trainer-Karriere erst noch lernen. Mit Fortuna 05 errang der junge Canadi den Meistertitel der Wiener Liga dank eines defensiven Konzepts.

"Kreiert haben wir nichts", schmunzelt der nunmehrige Pro-Lizenz-Inhaber.

Einstellung wichtiger als Talent

Heute, in Altach, ist das anders. Die Vorarlberger erzielten 79 Tore, die meisten aller Erste-Liga-Klubs. "Ich habe mich weiterentwickelt", erklärt Canadi.

Musste er auch. Denn als er seine ersten Trainer-Schritte tat, war die Manndeckung vielerorts noch mehr als en vogue. "Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um die Vierer-Kette zu erlernen", erinnert sich der Coach, der dann schnell merkte, "dass Abwehr und Angriff stark zusammenhängen". 

Neben Organisation sind auch Individualität - "jeder darf seine Kreativität ausleben" - vor allem aber Motivation und Einstellung wichtige Eckpunkte der canadi‘schen Philosophie.

Es brauche in erster Linie lernwillige und zielstrebige Spieler, die bereit seien, an ihren Schwächen zu arbeiten, Siegeswillen zeigen und selbstbewusst auftreten. "In dem Moment, an dem du bei einem Bundesliga-Verein unterkommst, zählt das Talent nicht mehr, sondern Einstellung und Disziplin", sagte der Trainer kürzlich im großen LAOLA1-Interview.

Wollen das Spiel bestimmen

Die Altacher haben die Prinzipien ihres Übungsleiters verinnerlicht. Ob ab Juli der nächste Aufsteiger die Bundesliga aufmischt, wird sich zeigen. 

"Wir werden versuchen, unseren Stil auch in der Bundesliga weiterzuverfolgen", versichert Canadi und analysiert nüchtern: "Red Bull Salzburg ist ein Team, das aufgrund der Voraussetzungen über uns zu stellen ist".

Das aggressive Pressing des Meisters taugt dem 43-Jährigen. Das Salzburger Spiel sei erfrischend, modern und mittlerweile auch erfolgreich. Und es liege im Trend. "Ich bin einer, der Trends annimmt", schließt Canadi einige Adaptionen für das Altacher Spiel nicht aus.

Nur einer "Mode-Erscheinung" folgt er nicht. "Ich war nie jemand der viel auf Laktat-Test gegeben hat. Wenn ein Spieler platt ist und rot anläuft, kann er mir das eh nicht verschweigen.

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