Deshalb braucht die Liga Wr. Neustadt und die Admira

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Es hätte alles schon entschieden sein können.

Hätte die Admira die Führung gegen Sturm Graz über die Runden gebracht. Hätte Steffen Hofmann den Elfmeter gegen Wiener Neustadt getroffen und Rapid so gegen das Schlusslicht gewonnen.

Hätte, hätte, hätte. Die Realität sieht aber anders aus. Die Admira musste sich Sturm geschlagen geben und Wr. Neustadt holte sensationell einen Punkt im Happel Stadion. Somit beträgt der Rückstand der Blau-Weißen vor der letzten Runde nur noch zwei Zähler.

Nun kommt es zum großen Abstiegsthriller. Wr. Neustadt muss gegen Altach drei Punkte einfahren und gleichzeitig auf fremde Schützenhilfe hoffen.

Für die Südstädter ist die Ausgangslage einfacher: Ein Punkt beim Auswärtsspiel in Grödig reicht aufgrund der besseren Tordifferenz, um die Klasse zu halten.

Überraschend kommt die Situation für keines der beiden Teams. Bereits vor der Saison war vorherzusehen, dass beide Mannschaften gegen den Abstieg kämpfen werden. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wen es erwischt.

Es gibt genügend Gründe, warum es beide Teams „verdient“ hätten, in die Erste Liga abzusteigen. Mangelndes Fan-Interesse und schlechte Infrastruktur sind nur zwei der vielen offensichtlichen Punkte. LAOLA1 dreht den Spieß jedoch um und nennt je drei Gründe, warum die Bundesliga die Admira bzw. Wr. Neustadt braucht:

AKADEMIE/AUSBILDUNGSVEREIN

Dass Spieler wie Didi Kühbauer, Andreas Herzog oder Gerhard Rodax bei der Admira ihre Ausbildung genossen, sollte jedem Fußball-Fan bekannt sein. Doch auch in den letzten Jahren schafften unzählige Spieler aus der Akademie der Südstädter den Sprung in den Profifußball. Marc Janko, Jimmy Hoffer, Christopher Dibon, Christopher Drazan und viele mehr wurden bei der Admira ausgebildet. Auch nach dieser Saison schaffen es mehrere Spieler von Maria Enzersdorf in die große weite Fußballer-Welt. Kapitän Richard Windbichler wird wie Stephan Auer im Sommer den Verein verlassen. Während Windbichler höchstwahrscheinlich zur Austria wechseln wird, ist Auer Wunschkandidat bei Rapid. Auch der Vertrag von Torhüter Andreas Leitner läuft aus, nach den turbulenten Wochen samt Ausbootung wurde auch er offiziell verabschiedet. Ein Wechsel zu Grödig scheint an der hohen Ausbildungsentschädigung zu scheitern, der LASK gilt als wahrscheinlichster Abnehmer. Alle drei sind perfekte Beispiele für den „Admira-Weg“: Junge Spieler ausbilden und dann gewinnbringend weiterverkaufen. Davon profitieren wiederum Großklubs wie Rapid, Austria und Sturm. Bei der U20-WM in Neuseeland stellt die Admira mit vier Spielern die zweitgrößte Abordnung aller Bundesliga-Vereine. 21 aktuelle Nachwuchs-Teamspieler tummeln sich in der Südstadt. Man kann bei der Admira vieles kritisieren, die Nachwuchsarbeit gehört aber nicht dazu.

Die Top 11 der Admira-Akademiker der letzten Jahre:

 

SPRUNGBRETT/AUFFANGBECKEN

Ob Stars wie Stefan Maierhofer, Jürgen Säumel oder Peter Hlinka, deren Karrieren ins Stocken geraten waren, Talente wie Daniel Offenbacher, Christoph Martschinko oder Kristijan Dobras, die ihre ersten Gehversuche in der höchsten Spielklasse wagen konnten, oder schlichtweg eine Heerschar an Durchschnitts-Kickern, die ansonsten weniger einfach vor den Vorhang der Bundesliga-Bühne hätten treten können: Wiener Neustadt bot in den vergangenen Jahren zahlreichen Akteuren die Gelegenheit, sich im Rampenlicht der Beletage präsentieren zu können. Zumindest wenn man bereit war, finanzielle Einbußen dafür in Kauf zu nehmen, um den Begriff „Bundesliga-Spieler“ auf die Visitenkarte schreiben zu dürfen. Manche nutzten diese Chance geschickt, andere weniger – mangels über viele Jahre aufgebauter und funktionierender Nachwuchsabteilung etablierte sich Wiener Neustadt dennoch als taugliches Auffangbecken bzw. Sprungbrett für Spieler diverser Karriere-Phasen. Denn diese Strategie schloss Routiniers durchaus nicht aus – wo sonst hätten etwa Herbert Rauter oder Mark Prettenthaler noch einmal Bundesliga spielen können? Gut, böse Zungen mögen nach einem Seitenblick zu so manch anderem Bundesligisten einwerfen, dass diese Positionierung kein Alleinstellungsmerkmal der Niederösterreicher ist. In einer Zeit, in der es weit mehr vernünftig ausgebildete Kicker als Arbeitsplätze in der Bundesliga gibt, würden die Profis der „zweiten Reihe“ Wiener Neustadt als potenzielle Anlaufstelle für die Fortsetzung der Bundesliga-Karriere aber definitiv vermissen.

TRADITION

110 Jahre gibt es die Admira nun schon. Zunächst als „Sportklub Admira“ 1905 in Floridsdorf gegründet, kam es 1971 zur Fusion mit dem „SC Wacker“. Auch die „moderne“ Admira besteht also schon seit über 40 Jahren. Die Vita kann sich aufgrund der Erfolge in der Vergangenheit sehen lassen: Neun Mal Österreichischer Meister, zwölf Mal Vizemeister, sechs Mal Cupsieger und 1989 Supercupsieger. Die Admira ist in der Tat einer der wenigen verbliebenen Traditionsklubs in Österreich und nicht aus der Bundesliga wegzudenken. Viel zu lange wird in der Südstadt schon dem Ball hinterhergejagt. Tradition alleine reicht natürlich nicht, es muss auch professionell gearbeitet werden. In Zeiten, in denen sich Fans über Klubs wie Grödig, Mattersburg, Wolfsberg oder Altach beschweren, sollten wir froh sein, einen „Dinosaurier“ wie die Admira in der Bundesliga zu haben.

MANAGER GÜNTER KREISSL

Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele objektive Beobachter den SCWN nach einem Abstieg nicht unbedingt vermissen würden. Die Relevanz fehlt, die Infrastruktur ist mies, das Produkt wird auch in der Region nicht wie erhofft angenommen. An einer Schlüsselfigur scheitert dies jedoch bestimmt nicht. Günter Kreissl wird auch über die Vereinsgrenzen hinaus mehrheitlich positiv besprochen, seine Arbeit gewürdigt. Viele hätten das dem ehemaligen Tormanntrainer nach seinem Aufstieg zum Sportdirektor nicht zugetraut, aber seine Arbeit im sportlichen (siehe oben) und PR-Bereich (siehe unten) spricht für sich. Die Mannschaft betreffend holte er aus wenigen Möglichkeiten vergleichsweise viel heraus, und man kann Wiener Neustadt viel vorwerfen, aber zu einer Skandalnudel wurde dieser Verein nie. Man bemühte sich vielmehr um einen seriösen und sympathischen Auftritt, auch dies trägt Kreissls Handschrift. Für den SC wäre es freilich kein Trost, aber ohne Vereinsbrille könnte man es im Abstiegsfall positiv sehen: In einem Fußball-Land, in dem man dem Job des Sportdirektors nicht überall eine allzu hohe Bedeutung beimisst bzw. es nicht immer einfach ist, taugliches Personal zu rekrutieren, wäre plötzlich eine herzeigbare Alternative auf dem Markt. Kreissl wurde nicht umsonst immer wieder mit der Nachfolge von Thomas Parits bei seinem Stammverein Austria Wien in Verbindung gebracht. Dort entschied man sich jedoch für einen anderen Ex-Torhüter.

FAN-POTENZIAL

Es mag zwar komisch klingen, aber die Admira hat einen harten Fan-Kern. Aufgrund der Nähe zu Wien verlieren die Maria Enzersdorfer viele Zuseher an die Austria und Rapid. Zudem ist die Südstadt alles andere als ein Schmuckkästchen. Bei schlechtem Wetter bietet zumeist nicht einmal die überdachte Tribüne Schutz vor Niederschlag. Dennoch verirren sich mehr Fans zu Admira-Heimspielen als nach Grödig oder Wr. Neustadt. Eine Verbesserung auf um die 5.000 Zuseher im Schnitt wäre wünschenswert und ist kein Ding der Unmöglichkeit. In der Aufstiegssaison 2011/12 waren es etwa 4.500 Fans pro Spiel, bei freiem Eintritt gegen Wr. Neustadt strömten sogar über 8.000 Anhänger in die Südstadt. Die Verantwortlichen geben sich große Mühe, in Sachen Pressearbeit und Social-Media-Auftritt können sich einige Vereine eine Scheibe abschneiden. Auch Fan-Initiativen wie „Gebt 8 auf die Admira“ oder jene des Vereins (#dranglauben) scheinen zu fruchten. Sollte sich in naher Zukunft der Erfolg einstellen, könnte sich die Admira auf – für Bundeliga-Verhältnisse – durchschnittlichen Zuseher-Werten einpendeln. Was bei Wr. Neustadt oder auch Grödig eher unwahrscheinlich scheint…

ORIGINELLES AUFTRETEN

#TrotzAllemSC. Der Neustädter Hashtag dieser Saison verdeutlicht, dass man sich der Schwächen des eigenen Produkts durchaus bewusst ist, und davon gibt es natürlich einige. Und sagen wir so: Es gibt im Weltfußball den einen oder anderen Verein, dessen Vermarktung eher ein Selbstläufer ist als jene der „Grauen Maus“ aus dem Süden Niederösterreichs. Aber zumindest das Bemühen kann man dem Team um Kreissl nicht absprechen. Der Social-Media-Auftritt ist vorbildlich, das jeweilige Motto für die Heimspiele bisweilen durchaus originell. Es soll Vereine geben, die ihr Produkt mit weniger Leidenschaft an den Fan bringen. Dieses Engagement verdient eine positive Würdigung.

Ein Beispiel:

Helgi Kolvidsson und all seine starken Männer werden sich mit Begeisterung in die „Schlacht“ gegen die SV Ried werfen,...

Posted by SC Wiener Neustadt on Freitag, 10. April 2015

 

Matthias Nemetz/Peter Altmann

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