"Der beste Trainer Österreichs"

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Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Heißt es so schön.

Aber sie sind ja auch besonders. So kann Adi Hütter am Samstag in seiner Heimat Altach mit Red Bull Salzburg seine erste Meisterschaft als Trainer einfahren.

Der 45-Jährige kommt von dort und war auch drei Saisonen Trainer beim SCR. Doch im Kampf um den Aufstieg wurde der Vorarlberger acht Runden vor Schluss beurlaubt. Der Rest ist Geschichte.

Mit Grödig eine Saison später (und vor Altach) aufgestiegen, als Liga-Newcomer mit dem Dorfklub in den Europacup eingezogen und nach Salzburg gewechselt, als Roger Schmidt zu Bayer Leverkusen ging.

"Es wäre vielleicht eine Genugtuung"

Nun kehrt Hütter zurück, um seinen größten Titel bislang einzufahren.

„Das wäre zusätzlich etwas Besonderes, weil ich dort aufgewachsen bin. Ich bin dort als Trainer im dritten Jahr entlassen worden, acht Runden vor Schluss auf Rang zwei. Das wäre vielleicht noch eine Genugtuung, aber mir ist es einfach wichtig, die Meisterschaft wieder nach Salzburg zu holen.“

LAOLA1 zeichnet den Weg des Trainers Adi Hütter mit früheren und aktuellen Spielern sowie Wegbegleitern nach.

RED BULL JUNIORS (2008-2009)

"Ich wollte das Trainer-Handwerk erlernen und ich bin noch nicht ganz zufrieden. Wenn man hart zu sich selbst ist, kann man immer dazulernen", sagte Hütter unlängst. Nach Ende seiner aktiven und erfolgreichen Karriere (drei Mal Meister mit Salzburg, UEFA-Cup-Finale 1994, CL-Teilnahme 1994/95), die er bei den Juniors beendete, wurde Hütter zur Saison 2007/08 als 37-Jähriger Co-Trainer von Michael Streiter. Dieser wurde wiederum im Winter Co-Trainer von Giovanni Trapattoni bei Salzburg und Lars Söndergaard folgte Streiter, ehe Hütter zur neuen Saison zum Cheftrainer der RB Juniors bestellt wurde. Seine Premieren-Spielzeit in Liga zwei beendete der Neuling als Siebenter. Sein Vertrag wurde nicht verlängert, auch weil er einen internen Machtkampf verloren hatte. Damit war der Weg allerdings frei für die Rückkehr nach Altach.

Das sagt sein Ex-Spieler und Nun-Mitarbeiter Richard Kitzbichler:

"Wir haben in Salzburg zuvor schon lange zusammengespielt, er war auch Kapitän und es hat sich abzeichnet, dass er eine Trainer-Karriere einschlagen würde. Er war schon immer ein sehr umgänglicher Mensch. Es war eine gute Zeit damals, wir wollten als Team die Klasse halten und das hat funktioniert. Er hat sich gut weiterentwickelt, de facto durchgehend gearbeitet und hat einen schönen Werdegang. Er legt viel Wert auf Disziplin im Umgang miteinander, im Trainingsablauf. Er hat seine Spielidee in Grödig adaptiert und setzt sie hier weiter um. Er hat über die Jahre viel an Erfahrung gewonnen, die als Trainer viel wert ist. Es war keine einfache Situation, nach so einem erfolgreichen Jahr hier anzutreten. Wenn wir die Saison gut zu Ende bringen, hat er schon einen guten Job gemacht."

Saison Liga Rang Sp S U N Tore Punkte Schnitt
08/09 Erste Liga 7 33 12 7 14 41:56 43 1,30

SCR ALTACH (2009-2012)

Nicht ganz drei Saisonen war Hütter in seiner Heimat Trainer. Nach einem dritten Platz in der ersten Saison folgte der zweite eine Spielzeit später. Nur ein Punkt fehlte am Ende auf die Admira. In der dritten Saison waren die Vorarlberger Favorit auf den Aufstieg, dieser wäre nach Platz drei und zwei zuvor auch die logische Folge gewesen. Doch am Karfreitag 2012 beendete Altach die Zusammenarbeit. "Wir mussten diese Korrektur einfach vornehmen. Es war eine wirklich sehr harte Entscheidung", sagte damals Altach-Aufsichtsratschef Karl-Heinz Kopf, als man den Trainer acht Runden vor Schluss nach einem 0:2 bei Abstiegskandidat Vienna und drei Punkte hinter Leader WAC/St. Andrä gehen ließ. Edmund Stöhr vermochte als Nachfolger auch nicht die Kärntner zu überholen. Hütter tut es hörbar heute noch weh, dass er in seiner Heimat diese Mission nicht beenden durfte. Für ihn persönlich sollte es aber danach steil nach oben gehen.

Das sagt sein Ex-Spieler Martin Kobras:

"Er ist ein sehr ehrgeiziger, kommunikativer Trainer, der immer Fußball spielen lassen wollte. Er hat auf Teamgeist gesetzt, wollte auch sich selbst immer weiterentwickeln. Er war sehr selbstkritisch, hat sich stets hinterfragt und deswegen ist er jetzt dort, wo er ist. Er hat Wert auf Disziplin gelegt, auf gutes Benehmen, auch etwa auf das Trainingsgewand. Aber es war nicht übertrieben. Ob wir mit ihm bis zum Schluss den Aufstieg geschafft hätten, ist hypothetisch. Fakt ist, wir haben dann keinen guten Fußball mehr gespielt und das war die Entscheidung der Verantwortlichen."

Saison Liga Rang Sp S U N Tore Punkte Schnitt
09/10 Erste Liga 3 33 20 6 7 60:27 66 2,00
10/11 Erste Liga 2 36 22 8 6 76:37 74 2,05
11/12 Erste Liga 2 28 14 7 7 51:29 49 1,75

SV GRÖDIG (2012-2014)

So schmerzlich dieser Abschied aus Altach war, so leitete er eine wahre Erfolgsstory ein. Nur vier Tage nach seiner Entlassung verpflichtete Grödig-Macher Christian Haas Hütter zur neuen Saison als Nachfolger von Heimo Pfeifenberger. Der Coach konnte sich mit dem Manager im restlichen Frühjahr ein Bild machen, dementsprechend Schlüsse ziehen und legte den Grundstein für den Mega-Coup. Zur Winterpause neun Punkte zurück nutzte der Dorfklub den Einbruch von Winterkönig Austria Lustenau und schaffte am Ende mit zehn Punkten Vorsprung sensationell den Aufstieg in die Bundesliga. Als "Village People" setzte Hütter mit seinem offensiven Pressing-Stil eine Saison später noch einen drauf und führte Grödig in den Europacup. Trotz Wettskandal und riesigen Lazaretts, das sogar zu einem Einsatz von Platzwart Thomas Pfeilstöcker führte. Hütter verlängerte seinen Vertrag nicht, wohlwissend, dass der nächste Schritt folgen würde. Diesen macht er am Ende nicht nach Ried, wo es bereits einen fertigen Vertrag gab. Weil Red Bull ihn wollte.

Das sagt sein Ex-Spieler Philipp Huspek:

"Er hat einen richtigen Plan, weiß, wie er Fußball spielen lassen möchte. Das impft er jedem ein. Egal, ob du der erste oder 25. Mann im Kader bist. Jeder hat seinen Auftrag. Er ist zielstrebig, ehrgeizig. Disziplin wird bei ihm groß geschrieben. Er konnte härter sein, aber man konnte auch immer zu ihm kommen. Die Mischung aus Sportlichem und Menschlichem passt. Das zeichnet ihn aus. Er hat mir in dem einen Jahr sehr viel gelernt, fußballerisch wie menschlich. Er war der beste Trainer, den ich bislang gehabt habe. Für mich ist er der beste Trainer in Österreich."

Saison Liga Rang Sp S U N Tore Punkte Schnitt
12/13 Erste Liga 1 36 23 6 7 71:30 75 2,08
13/14 Bundesliga 3 36 15 9 12 68:71 54 1,50

RED BULL SALZBURG (2014-?)

Nachdem sich Roger Schmidt für einen Wechsel zu Bayer Leverkusen entschieden hatte, suchte Ralf Rangnick einen Nachfolger und wurde 15 Autominuten entfernt in Grödig fündig. Auch Hütters praktizierte Spielphilosophie war für Rangnick im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend für diese Entscheidung. Der Deutsche sorgte dafür, dass Red Bull einen ehemaligen Mitarbeiter wieder einstellte. Eigentlich unüblich. Nach sechs Siegen zum Auftakt der Meisterschaft, kam das Drama von Malmö, als das große Ziel Champions League wieder verpasst wurde. Beim 0:3 im Rückspiel versuchte es Hütter mit einer ungewohnten Aufstellung (u.a. Martin Hinteregger als Linksverteidiger), die nicht aufging. Aus der folgenden Krise hievte der Coach das Team aber mit einer Systemumstellung heraus und spielte mit Salzburg eine tolle Europa-League-Gruppenphase (5-1-0). Trotz hochkarätigen Abgängen von Sadio Mane (schon im August), Kevin Kampl und Alan (im Winter) gab es nur selten Zweifel hinsichtlich der Meisterschaft. Sollte am 3. Juni die Austria besiegt werden, wäre das die erste Double-Titelverteidigung in der Salzburger Red-Bull-Ära.

Das sagt sein Spieler Stefan Ilsanker:

"Ihn zeichnet sein Feuer aus, dass er schon als Spieler gehabt hat. Wenn wir nur ein bisschen nachlassen und du schaust hinaus an die Linie, dann sieht man schon, wie er brennt, das Spiel heimbringen will und nach vorne peitscht. Ich hatte ja auch noch die Ehre, mit ihm zusammenzuspielen zu dürfen. Zu so einem Spieler schaut man auf. Ich habe viel von ihm lernen können, etwa seine Führungsqualitäten."

Saison Liga Rang Sp S U N Tore Punkte Schnitt
14/15 Bundesliga 1 32 21 4 7 93:39 67 2,09

Das sagt LAOLA1:

Hütter steht unmittelbar vor seiner ersten Meisterschaft. Nicht jeder schafft das nach sieben Jahren im Trainer-Geschäft, seinem zweiten im Oberhaus, auch wenn sein aktueller Klub freilich stets haushoher Favorit ist und ihm den besten Kader der Liga zur Verfügung stellt. Doch Red Bull wurde bekanntlich nicht jedes Jahr Erster. Seine früheren Spieler, die ihm Ehrgeiz sowie sportliches und menschlisches Fachwissen attestieren, überrascht der Erfolg nicht. Der 45-Jährige, der in vier Spielzeiten einen Punkteschnitt über 2,0 aufweist, verfolgt einen Plan, und will diesen auch mit Disziplin umgesetzt wissen. Auf der anderen Seite achtet Hütter ganz bewusst auf seine Außendarstellung, ging etwa den Weg des Mediencoachings und will auf diesem Terrain merklich keinen Fehler begehen. Trotzdem scheint sein Standing nicht das beste zu sein. Sportchef Ralf Rangnick etwa half ihm mit der Gegentor-Kritik vor dem Cup-Halbfinale ganz und gar nicht, stärkte nie seine Position und in der Leipziger "Bild"-Ausgabe wurde sogar schon Uli Forte (YB Bern) als möglicher Nachfolge-Kandidat für Salzburg ins Spiel gebracht. In der Welt von Red Bull kann auch ein Double-Gewinn zu wenig sein - aus nicht-sportlichen Gründen versteht sich. Hütter (Vertrag bis 2016) muss sich ob seiner sportlichen Leistung in dieser Saison keine Sorgen machen, egal, wo die Zukunft liegt. „Ich habe noch Vertrag, ich bin hier sehr glücklich. Ich kann nicht voraussagen, was im Sommer ist, was ein Jahr später ist", sagte Hütter vor einer Woche und gab sich damit selbst überraschend kryptisch. Seine Ziele bleiben unverändert hoch: "Ich bin hungrig und da muss man solche Ziele haben, wie etwa dem Weg von Roger Schmidt zu folgen." Ausgerechnet in seiner Heimat Altach könnte er dem Deutschen als Meister-Trainer Salzburgs folgen. Es wäre eine schöne Geschichte, die der Fußball für ihn schreiben würde.

 

Bernhard Kastler

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