About Schmidt

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Als letzter Bundesligist darf am Sonntag Red Bull Salzburg ins Frühjahr eingreifen.

Weil der Auftakt gegen den WAC dem Schnee zum Opfer fiel, startet der Double-Sieger der vergangenen Saison am Sonntag mit dem Hit gegen Rapid die Aufholjagd auf Tabellenführer Austria.

„Ich glaube an meine Mannschaft. Sie hat schon im Herbst bewiesen, wozu sie fähig ist. Wir wollen unsere Spielweise noch kompromissloser auf den Platz bringen“, ließ Trainer Roger Schmidt bereits in der Vorbereitung wissen, was möglicherweise auf die Konkurrenz zukommen könnte.

Rapid veränderte Salzburg

Bei zwei Spielen weniger hat der erste „Veilchen“-Verfolger bereits 13 Punkte Rückstand, mit einem Heimsieg soll der Abstand wieder ein wenig verringert. Und das ausgerechnet gegen Rapid.

Das 2:0 der Wiener in der Mozartstadt in Runde vier zwang die Salzburger Verantwortlichen zum Handeln. „Diese Niederlage gegen Rapid, wo ich lustlose Spieler gesehen habe, ärgerte mich viel mehr als Düdelingen“, rechtfertigte Sportchef Ralf Rangnick damals die sommerliche Transferwut.

Auch wenn die Tabelle (aktuell) anderes aussagt, das Umgestalten des Kaders scheint sich ausgezahlt zu haben. „Ich glaube, dieser Stil passt zu Red Bull“, sagt etwa Christian Schwegler über den schnellen, dynamischen und somit auch attraktiven Fußball, den Salzburg im Herbst mit Erfolg bot.

Schmidt als Vaterfigur

Dafür zuständig ist freilich auch Trainer Schmidt. Der Deutsche, der im Sommer mit Ralf Rangnick an die Salzach kam und für den umgebauten Kader mitverantwortlich zeichnet, weiß offensichtlich nur zu gut, wie er mit seinen Spielern umgehen muss.

Wer die Schützlinge zu seiner Person befragt, hört ausschließlich Positives. „Er ist ein wirklich guter Trainer. Er redet immer mit uns und erklärt, was wir besser machen können. Er kann gut mit den Spielern, auch mit Menschen generell“, schildert etwa der 19-jährige Kreativgeist Valon Berisha.

Der Coach selbst sieht im Umgang mit seinen Spielern einen wichtigen Faktor für den Erfolg: „Eine sehr gute Atmosphäre wird sich im Laufe der Zeit auch auszahlen“, hält der Maschinenbauingenieur im Gespräch mit LAOLA1 fest.

Kommunikation ist für Schmidt essentiell, das merken die Spieler und zumindest in dieser Hinsicht scheint die Mannschaft, die dafür auch verjüngt wurde (Rangnick: „Was soll zum Beispiel ein 29-Jähriger mit einem 19-Jährigen abseits des Rasens anfangen?“), am Ziel.

Schmidt: „Es macht mir einfach unglaublich viel Spaß mit der Mannschaft zu trainieren, die Spieler haben unglaublich viel Freude. Der Fußball ist positiv, die Qualität ist gut, aber auch der Charakter der Mannschaft ist hervorragend. Von da her ist alles angerichtet, eine gute Zeit zu haben.“

Von Interessensgemeinschaft zur Spaßtruppe

Sein Vorgesetzter Rangnick, der den Trainer aus Paderborn loseiste, zeigt sich mit der Atmosphäre zufrieden. Im Trainingslager in Belek, wo sich seine beiden Teams Salzburg und Leipzig auf das Frühjahr vorbereiteten, tätigte der Sportdirektor die fast schon legendäre Aussage: „Früher war das in Salzburg mehr eine Interessensgemeinschaft, die sich zum Spielen getroffen hat.“

Der 20-jährige Sadio Mane geht sogar noch weiter: „Er ist ein bisschen wie unser Vater, ein guter Mensch und ein guter Trainer, der versucht, jeden von uns individuell weiter zu bringen.“

Schwegler bringt es im Vergleich mit den Vorgängern des 45-Jährigen auf den Punkt: „Er ist auf menschlicher Basis auf sehr hohem Niveau, er hat große Kompetenz. Er weiß, wie man die Spieler anpacken muss. Das zeichnet ihn sicher aus. Außerdem ist er ein Fußball-Fachmann, der alles sieht. Aber was in den letzten Jahren gefehlt hat, war ein bisschen die menschliche Kompetenz.“

Gute Atmosphäre zahlt sich aus

Das kann auch Alan bestätigen. Der Brasilianer war eineinhalb Jahre wegen eines Kreuzbandrisses außer Gefecht. Obwohl nicht am Platz, wurde der Stürmer nicht außer Acht gelassen.

„Er kümmert sich immer wieder um die Belange der Spieler außerhalb des Platzes, das gefällt mir sehr gut“, ließ Alan während der Vorbereitung in einem LAOLA1-Interview wissen.

Nun gestaltet sich das anders, auch dank Schmidt, wie Rangnick kundtut: „Roger setzt auf das Wir-Gefühl, das hat es früher so nicht gegeben. Das haben mir auch Fränky Schiemer und Alex Walke bestätigt, dass die Spieler früher nicht viel miteinander gemacht haben. Früher wurde auch mehr auf ältere Spieler gesetzt, wir sind jetzt homogener zusammengesetzt.“

Kompromisslos, aber kein Diktator

Bei aller „Friede, Freude, Eierkuchen“-Mentalität soll freilich das Wesentliche nicht vergessen werden. Das, was sich am Platz abspielt und in Resultaten widerspiegelt. Frühere Weggefährten des aktuellen Salzburg-Trainers machen sich ob der Autorität von Schmidt aber überhaupt keine Sorgen.

Sein ehemaliger Manager beim SC Paderborn, Michael Born, hielt das einmal wie folgt fest: „Roger Schmidt verfolgt eine klare Linie, ohne als Diktator aufzutreten.“ Und der Trainer selbst?

„Die Spieler können mit mir über alles reden. Ich habe für alles Verständnis. Und wir werden für alles Lösungen finden“, meinte Schmidt damals als Paderborn-Trainer. „Aber für mein Engagement will ich etwas zurückhaben, nämlich den hundertprozentigen Willen, sich weiter zu entwickeln und die hundertprozentige Bereitschaft, alles für den Erfolg zu tun. Da mache ich auch keine Kompromisse.“

Klingt fair. Für alle Seiten.

 

Bernhard Kastler

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