So spielen Admira, WAC, Wacker und Wr. Neustadt

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Elf Runden sind in der österreichischen Bundesliga absolviert.

Mittlerweile haben sich die unterschiedlichen Spielweisen der Mannschaften herauskristallisiert. Jedes taktische Konzept hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen.

Der LAOLA1-Taktik-Corner will mit folgender, in drei Teilen gehaltener Serie einen Überblick verschaffen. Welche Systeme lassen die Trainer spielen? Wo sind die Teams am verwundbarsten? Wie schießen die Mannschaften ihre Tore?

In Teil I werden die Europacup-Vertreter Salzburg, Rapid und Austria vorgestellt.

Teil II beschäftigt sich mit Grödig, Sturm und Ried.

Teil III ist der Admira, dem WAC, Wr. Neustadt und Wacker Innsbruck gewidmet.

Alle dabei verwendeten statistischen Daten kommen von IMPIRE.

OFFENSIVE: Mit Didi Kühbauer hat in Wolfsberg der Erfolg Einzug gehalten. Seit der Ex-Admira-Coach in der achten Runde das Zepter übernommen hat, ist der WAC ungeschlagen. In der Offensive zeigen die Kärntner nun sogar recht ansehnlichen Fußball. Die Angriffe werden schnell und schnörkellos nach vorne gespielt. Dabei suchen die beiden Sechser sowie Spielmacher Michael Liendl immer wieder den Steilpass auf die Flügel. Mit Manuel Kerhe haben die Wolfsberger einen der besten Assistgeber der Bundesliga in ihren Reihen. Das Prunkstück auf der rechten Seite wird komplettiert von Joachim Standfest, der im Lavanttal seinen x-ten Frühling erlebt. Beide schlagen gefährliche Flanken, für die mit Mihret Topcagic und/oder Christian Falk kopfballstarke Mittelstürmer zur Verfügung stehen.

DEFENSIVE: Im Spiel gegen den Ball wird bei Wolfsberg aus dem 4-2-3-1 ein 4-4-2, weil Liendl auf die Höhe des Stürmers schiebt. Bei Ballgewinn ist der Wolfsberger Zehner die erste Anspielstation, um den Konter einzuleiten. Grundsätzlich versucht der WAC ab der Mittellinie mit zwei Viererketten die Räume eng zu machen. Schwächen weist die Kühbauer-Elf bei Flanken in den Rückraum der Abwehr auf. Sieben Tore bekam man in dieser Saison schon auf diese Weise.

OFFENSIVE: Seit der zweiten Runde konnte Wacker keinen Sieg mehr einfahren. Sieben Unentschieden und ein Sieg bedeuten aktuell den vorletzten Platz. Dabei versuchen die Innsbrucker eigentlich einen attraktiven Fußball zu spielen. Mit flachen Kombinationen über die Flanken will das Team von Roland Kirchler zum Erfolg kommen. Manchmal scheitern die ambitionierten Tiroler dabei allerdings an den eigenen, begrenzten Möglichkeiten. Zum Beispiel wenn es darum geht, das Fore-Checking des Gegners zu umspielen. Schlüsselspieler im 4-2-3-1-System, das auch hin und wieder zu einem 4-1-4-1 tendieren kann, ist Shootingstar Lukas Hinterseer. Auf der Zehnerposition hinter der Spitze sorgt er mit seiner Dynamik für viel Betrieb und Torgefahr.

DEFENSIVE: Kirchler lässt seine Mannen ein aggressives und hohes Pressing spielen. Auf diese Weise kommt Wacker im Optimalfall zu frühen Balleroberungen. Manchmal wirkt das Fore-Checking jedoch auch ein wenig unkoordiniert. Erschwerend hinzu kommt die Zweikampfschwäche der Innsbrucker. Kein Team in der Bundesliga verliert so viele Eins-gegen-Eins-Situationen wie Wacker.

OFFENSIVE: Mit durchschnittlich 43,02 Prozent hat Wr. Neustadt den wenigsten Ballbesitz aller Bundesligisten. Infolgedessen versucht das Team von Heimo Pfeifenberger vor allem durch schnell vorgetragene Angriffe zum Erfolg zu kommen. Die größte Torgefahr strahlen die Niederösterreicher in der Luft aus. Sieben Kopfballtore in dieser Saison bedeuten Liga-Höchstwert, obwohl Wr. Neustadt die wenigsten Flanken in den Strafraum schlägt. In dieser Hinsicht gäbe es also sogar noch Potenzial nach oben, um die Stärken des stämmigen Mittelstürmers Thomas Pichlmann noch effektiver auszunützen. Im Hinblick auf das System gibt sich Coach Pfeifenberger sehr flexibel. Zumeist setzt er auf ein 4-4-1-1 oder auf ein 4-1-4-1-System. Einflussreichster Mann im Kollektiv ist Peter Hlinka. Als Mann vor der Abwehr verteilt er die Bälle und bildet gemeinsam mit Mittelfeld-Partner Matthias Koch die tragende Säule des Teams.

DEFENSIVE: Mit einer relativ tief stehenden Abwehrkette sowie einem kompakten Zentrum versucht Wr. Neustadt die Räume in der eigenen Hälfte eng zu machen. Dass das nicht immer gelingt, beweisen hohe Niederlagen, wie das 1:8 in Salzburg oder das 0:5 bei der Austria. Nicht umsonst haben die Niederösterreicher die meisten Tore aller Klubs kassiert. Vor allem im Strafraum lassen sie zu viele Chancen zu. Andererseits wiederum können sich nicht ganz so spielstarke Teams auch die Zähne an der tief stehenden Defensive ausbeißen.

OFFENSIVE: Toni Polster versuchte bei der Admira ein 4-2-3-1 zu etablieren. Seit dem Abgang des ehemaligen Top-Stürmers setzen Oliver Lederer und Neo-Cheftrainer Wolfgang Knaller aber wieder auf das altbewährte 4-4-2 – ein System, das auf Konter bedachte Teams gerne anwenden. Insofern passt es zur Admira. Denn die „Südstädter“ wollen über schnelles Umschaltspiel zum Erfolg kommen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei Stefan Schwab ein. Egal, ob als hängende Spitze oder im zentralen Mittelfeld soll er mit seinen Steilpässen die schnellen Stürmer und Außenspieler einsetzen. Von den beiden Außenverteidigern agiert Markus Katzer zumeist offensiver, als sein rechter Gegenpart. Auch einer der beiden Innenverteidiger, zumeist der am Ball starke Richard Windbichler, wagt sich bei Angriffen hin und wieder mit nach vor. Im geordneten Spielaufbau hat die Admira ihre Schwächen. Das Mittelfeld wird deswegen gerne mit langen Bällen überbrückt.

DEFENSIVE: Keine andere Mannschaft in der Bundesliga provoziert so viele Abseitsstellungen wie die Admira. Das liegt an der hohen Defensivlinie, die die „Südstädter“ praktizieren. Auf diese Weise sollen die Räume eng gemacht werden, wenn die Stürmer vorne früh attackieren. So erarbeitet sich die Admira relativ viele Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte, die infolgedessen für schnelle Gegenangriffe genutzt werden. Die große Schwäche der Admira sind die ruhenden Bälle. Die Hälfte der 26 Gegentore kassierten sie nach Standardsituationen.

Jakob Faber

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