Hintergrund

Paul Huber: Der Rammbock aus Graz mit Export-Potenzial

Der 26-Jährige ist bei den Graz99ers schon seit Jahren eine Konstante. Ein Blick auf seine bisherige Karriere und die Qualitäten, die ihn auszeichnen:

Paul Huber: Der Rammbock aus Graz mit Export-Potenzial Foto: © GEPA

Nach ihrem Meistertitel sind die Graz99ers wechselhaft in die Saison gestartet.

Gewichtige Abgänge, Verletzungen und überschaubare Leistungen einiger Legionäre gehören hier zu den Hauptgründen.

Eine Konstante nicht nur heuer, sondern seit seinem Engagement vor drei Jahren: Winger Paul Huber. Ein Scouting Report von LAOLA1-Eishockey-Experte Bernd Freimüller:

test

Seine Klubkarriere

Der gebürtige Grazer übersiedelte schon früh in die Red Bull Academy, spielte sich dort über die U18 und U19 ins AlpsHL-Team. Die Saison 19/20 splittete er noch zwischen Farmteam und EBEL auf, die nächsten vier Saisonen spielte er dann nur mehr in der Ersten.

Eigentlich ein linearer Weg, allerdings: Trotz von Jahr zu Jahr ansteigender Leistungen musste er sich immer hinter etablierten Cracks anstellen, mehr als eine (bestenfalls) Drittlinienrolle und Versprechungen für eine bessere Zukunft schauten nicht heraus. Seine letzte Saison in Salzburg (23/24) war mit lediglich zwei Toren im Grunddurchgang allerdings auch seine schwächste. Erst in den Playoffs lief er wieder zur gewohnten Form auf.

Das Kapitel Salzburg sollte dann nach dieser Spielzeit geschlossen werden, noch dazu, wo Philipp Pinter als Sportmanager der ambitionierten Graz99ers um ihn buhlte. Hier gehörte er von Anfang an zu den Spielträgern, Top-6-Minuten und Special-Teams-Eiszeiten mussten hier nicht mehr verhandelt werden.

test
Paul Huber 2020 im Trikot der "Eisbullen".
Foto: ©GEPA

Bemerkenswert: Seit der Spielzeit 23/24, also seiner letzten in Salzburg, versäumte er kein einziges Spiel mehr, bewies sich also als "Iron Man". In Graz erwies er sich dann auch als verlässlicher Torjäger: 17, 18 und heuer bereits sieben Tore.

Ebenfalls beeindruckend: In den Playoffs kann der Linksschütze oft noch ein Schäuflein drauflegen: Im Grazer Meisterjahr steuerte er acht Treffer in zwölf Spielen bei und durfte sich über seinen vierten Titel in der EBEL/ICE freuen.

Seine Nationalteamkarriere

Lediglich jeweils ein U18- und U20-Turnier stehen für ihn zu Buche. An die U18-WM in Kiev erinnere ich mich noch heute: In den ersten beiden Spielen durfte er von der Bank aus zusehen, wie in seiner Spezialdisziplin als PP-Rammbock vor dem Tor Peter Paul Sivec zum Einsatz kam.

Dieser spielt heute in Velden, während Huber diese Rolle sowohl im Klub als auch im Nationalteam ausfüllt.

Nach der U20-WM 2019 mit acht Punkten in fünf Spielen startete auch seine internationale Karriere: In der Folgesaison debütierte er im Nationalteam, ein Jahr später folgte seine erste A-WM, bei der er in den vier folgenden Turnieren Fixstarter war. Neben seiner PP-Tätigkeit durfte er sich unter Roger Bader auch im PK beweisen, eine Rolle, um die er im Klubteam mitunter noch ringt.

Der Spielertyp

Ohne den inflationär gebrauchten Begriff des "Power Forwards" überzustrapazieren – aber welcher österreichische Forward kommt diesem Typus näher? Mit 194 Zentimetern und 102 Kilo bringt Huber NHL-Maße mit.

Diese machen ihn natürlich zu einer Waffe im PP, wo er aus dem Slot nur durch den Einsatz von schwerem Gerät wegzubringen ist. In einer Liga mit vielen kleinwüchsigen Defendern wirkt er zeitweise so riesenhaft, als ob sein Geburtsort nicht Graz, sondern Brobdingnag aus "Gullivers Reisen" wäre.

Durch diese Größen- und Reichweitenvorteile klaubt er natürlich viel um das Tor herumliegendes Kleingeld ein, scort mit Rebounds und Loose Pucks. Auch Abfälscher gehören dazu, aber in dieser Disziplin besteht durchaus noch Luft nach oben. Thomas Raffl – ein sehr artverwandter Spieler – eignete sich diese Stärke auch erst über Jahre an.

Doch nach und nach taten sich mehr und mehr Varianten in Hubers Spiel auf: Er trifft jetzt auch häufig on the rush, mit genauen und kontrollierten Schüssen aus dem Handgelenk.

test
Paul Huber im April 2025 im ÖEHV-Testspiel gegen Deutschland.
Foto: ©GEPA

Wichtig auch: Trotz seiner Größe und Masse bewegt er sich gut, kann mit langen Schritten im Forecheck auch die Distanz zu Defendern schnell verringern und so für Turnovers sorgen. Natürlich gibt es noch schnellere und beweglichere, kleinere Spieler als ihn, was sich auch bei WMs zeigt. Aber die Kombination von Größe und Beinarbeit ist trotzdem eine sehr gute.

Huber spielt wie gesagt jetzt in allen Situationen, beweist um das Tor keine Angst und begibt sich kopfüber in den Verkehr. Mit ihm und Kapitän Marcus Vela verfügen die 99ers über zwei Rammböcke um das gegnerische Tor herum.

Hubers Hockeysense ist gut ausgeprägt, er weiß am Eis, wo er hingehört und gibt auch keineswegs Defensive für Offensive her. Mit seinen langen Armen nimmt er auch ohne Scheibe viel Platz weg, schneidet so Pass- und Schussweg ab.

Ich zögere, Spieler wie ihn als "Gentle Giants" zu bezeichnen, zu oft wird dieser Begriff pejorativ verwendet. Doch einen großen “Mean Streak” weist er sicher nicht auf, was auch seine geringen Strafminuten (Höchstwert im Jahr 24/25: 24) beweisen.

Doch im heutigen Eishockey, vor allem in der ICE, wo zuletzt Torhüter in und um den Torraum unter Artenschutz gestellt wurden, wohl auch besser so. Mit seiner Masse würde er bei einer aggressiven Spielweise schnell in Strafprobleme kommen. Passiv schirmt er die Scheibe aber sehr gut ab und kann sich in Zweikämpfen aus der Ecke lösen.

Huber ist vor allem ein Goalgetter, das beweisen auch seine Cy-Young-Zahlen in Graz: 17, 18 und heuer sieben Toren stehen 12, 12 und fünf Assists gegenüber. Huber agiert keinesfalls eigensinnig, kann Scheiben im Verkehr weiterleiten und machte die Pässe, die man von ihm erwarten kann, aber Playmaker ist er sicher keiner.

Wie geht es für ihn weiter?

Spieler mit seinen Maßen und Abschlussqualitäten sind überall gesucht, es wäre wirklich interessant, ihn in einer Liga mit durchwegs größeren Gegenspielern zu sehen. Mit 26 Jahren ist er vielleicht in der ICE noch ein Jungspund, international befindet er sich aber in einem Alter, wo ein Auslandsengagement doch eher früher als später erfolgen sollte.

test
Was bringt die Zukunft für Paul Huber?
Foto: ©GEPA

Was ihm hier vielleicht für interessante Angebote fehlt: Eine herausragende WM. Leistungen in der ICE werden in anderen Ligen nur mit Vorbehalt registriert und bei seinen insgesamt 35 A-WM-Spielen stehen nur drei Tore zu Buche. Lediglich in Zürich bei der letzten WM gelangen ihm überhaupt zwei Punkte.

Ein herausragendes Turnier bzw. schon ein oder zwei Spiele könnten ihn mehr ins Rampenlicht von Pro Scouts rücken. National hätte er natürlich noch knapp zehn gute Jahre vor sich.

Wieviel herausragende österreichische Skater gibt es heute noch in der ICE? Nach dem Wechsel von Lukas Haudum noch Peter Schneider, Benjamin Nissner, Thimo Nickl, Michi Raffl und Namensvetter Mario Huber, viel mehr fallen einem da nicht ein.

Paul Huber gehört hier sicher mindestens zu den Top-5, ohne dass große Lobeshymnen über ihn zu hören wären. All diese Cracks spielten irgendwann im Ausland, wenn auch teilweise nur im Junioren- oder Allsvenskanbereich. Tut sich das auch noch für Paul Huber auf oder bleibt er der Liga als Attraktion erhalten?

Kommentare