Er hat meine Kindheit und meine jungen Erwachsenenjahre geprägt wie kaum ein anderer. Doch auch in Argentinien hat er etwas geschafft, woran so viele scheitern: In politisch und gesellschaftlich schwierigen Zeiten hat er ein ganzes Land hinter sich vereint.
Fußball hat die enorme Kraft, Menschen zusammenzubringen – und Messi hat genau das geschafft. Er hat einem ganzen Land Momente geschenkt, in denen Unterschiede für einen Augenblick keine Rolle spielten und der gemeinsame Stolz überwog.
Messi auf jedem zweiten Trikot
Das zeigt sich auch auf den Straßen: Gefühlt jedes zweite Fußballtrikot trägt Messis Namen.
Auf dem Weg zum WM-Titel 2022 hat mich Messi mindestens zwei Jahre altern lassen. Ich bin in Sportsbars nervös auf und ab gelaufen und hätte mich beim Elfmeterschießen gegen die Niederlande am liebsten im Boden vergraben.
Umso größer war die Freude, als Messi am 18. Dezember 2022 endlich den WM-Pokal in den Himmel von Doha heben durfte. Ohne Zweifel der Höhepunkt seiner Karriere.
Nach all den Final-Niederlagen, der Kritik, den Tränen und den Aussagen, er sei niemals so groß wie Maradona, hat Messi endlich auch den letzten großen Titel gewonnen, der ihm in seiner Karriere noch gefehlt hat.
Und das in einem Alter, in dem nicht wenige Fußballer schon die Schuhe an den Nagel hängen. 2018, als Messi im Alter von 31 Jahren mit Argentinien im WM-Achtelfinale an Frankreich scheiterte, meinte ein englischer Kommentator: "Es war sicherlich sein letztes WM-Spiel. Bei der nächsten WM wäre er bereits 35 Jahre alt."
Doch der Kommentator irrte sich - und zwar gewaltig. Während seiner Blütezeit, wenn man das überhaupt so sagen kann, hat er auf Klubebene alles abgeräumt. Und danach - ab dem Jahr 2020 - gewann ein 32+ Jahre alter Messi dann alles, was es auf Nationalteam-Ebene zu gewinnen gibt.
Wie ein Bekloppter auf und ab
Auch bei dieser WM hat er einmal mehr gezeigt, was für ein überragender Spieler er ist. Niemals hätte ich gedacht, dass Argentinien erneut das Finale erreicht. Und wieder war jedes K.o.-Spiel so eng.
Kein Spiel konnte man in Ruhe schauen. Jedes Match bedeutete Mitfiebern auf höchstem Niveau. Das Kap-Verde-Spiel habe ich mir am Handy auf dem Heimweg vom Donauinselfest angeschaut, das Achtelfinale gegen Ägypten daheim. In meiner 60-Quadratmeter-Wohnung bin ich beim 2:2-Ausgleichstreffer wie ein Bekloppter auf und ab gerannt.
Für das Schweiz-Spiel musste ich auf meiner eigenen Geburtstagsfeier rechtzeitig nach Hause kommen, um Leo zu sehen. Ich habe es nicht bereut. Das Halbfinale verfolgte ich bei meinen Eltern auf dem viel zu teuren Beamer meines Vaters.
Beim Finale war ich in Korsika im Urlaub und habe vor dem Spiel zu meinem Bruder gesagt: "Wir können eigentlich nur gewinnen." Die GOAT-Debatte war längst beendet und Spanien aufgrund meines Lieblingsteams Barcelona eine mehr als willkommene Alternative als Weltmeister.
Dennoch wollte ich, dass Argentinien gewinnt. Das ist nicht passiert – und das ist okay. Spanien ist ein mehr als verdienter neuer Weltmeister.
Es war ein wilder Ritt über all die Jahre. Ich bin froh, das alles miterlebt zu haben.
Teil der Reise ist das Ende. Und das ist jetzt gekommen.
Danke, Leo!