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ÖFB-Star Hickelsberger-Füller: Die künftige (Ski-)Lehrerin

Julia Hickelsberger-Füller ist zurück. Sie spricht über ein schwieriges Jahr, die Pleite gegen Deutschland, das Potenzial im ÖFB-Team und die Karriere danach.

ÖFB-Star Hickelsberger-Füller: Die künftige (Ski-)Lehrerin Foto: © GEPA

2022 wurde Julia Hickelsberger-Füller Österreichs Fußballerin des Jahres. Das vergangene Jahr lief verletzungsbedingt nicht nach Plan. Jetzt ist sie wieder zurück. 

"Das letzte Jahr war einfach scheiße. Jetzt bin ich wieder da und will mich wieder präsentieren", sagt sie. 

Mit dem ÖFB-Team erlebte die 24-jährige Niederösterreicherin zuletzt eine 2:3-Pleite gegen Deutschland nach 2:0 Führung, am Dienstag treten die ÖFB-Frauen auswärts in Polen an (18 Uhr im LIVE-Ticker). 

Mit LAOLA1 spricht sie unter anderem über den bitteren Ausgang des Duells gegen eine TSG-Kollegin, das große Potenzial der österreichischen Mannschaft und ihren Plan, Volksschullehrerin zu werden. 

LAOLA1: Lass uns kurz auf das Länderspiel gegen Deutschland zurückblicken. Nach einer 2:0-Führung habt ihr in Linz noch 2:3 verloren, du bist in der Schlussphase eingewechselt worden. Wie hast du das Ganze miterlebt?

Julia Hickelsberger-Füller: In der ersten Halbzeit haben wir sie fast dominiert. Wir haben verdient mit 2:0 geführt. Wir haben dann zu sehr unglücklichen Zeitpunkten die Gegentore kassiert. Wenn wir kurz vor der Pause nicht das 2:1 kassieren, kommen wir ganz anders aus den Kabinen. Die Deutschen haben wieder mehr daran geglaubt. Sie hatten davor nur einen Torschuss.

LAOLA1: Und dann?

Hickelsberger-Füller: Der Spielverlauf war für Deutschland optimal. Sie haben direkt nach der Halbzeit den Ausgleich gemacht und einen Elfmeter bekommen, der sehr strittig war. Wir haben die ganze Zeit daran geglaubt. Als es 2:0 gestanden ist, habe ich mir gedacht: "Heute sind sie fällig". Im Endeffekt stehen wir mit null Punkten da. Das ist sehr ärgerlich. Wir waren knapp dran.

Foto: © GEPA

LAOLA1: 7.500 Fans haben euch in Linz angepeitscht. Wie hast du das wahrgenommen?

Hickelsberger-Füller: Es war sehr cool. Das Stadion ist super. Die Akustik war sehr gut. Auch wenn es nicht ausverkauft war, es hat sich angefühlt, als wären mehr Leute da. Es hat richtig Spaß gemacht. Die Fans spürst du am Feld.

LAOLA1: In der 80. Minute bist du ins Spiel gekommen. Deine Gegenspielerin kennst du von der TSG Hoffenheim.

Hickelsberger-Füller: Ich wusste im Vorfeld, Sarai (Linder, Anm.) spielt und wenn ich rein komme, ist sie meine direkte Konkurrentin. Sie spielt links hinten und ich am rechten Flügel. Ich kenne sie aus jedem Training. Ich habe mich richtig gefreut. Es war sehr cool. Mellissa (Kössler, Anm.) ist dann auch noch ins Spiel gekommen. Wir kennen uns sehr gut, sind befreundet. Es ist schön, sie wiederzusehen, auch wenn am Feld ein anderes Klima herrscht. Da sind wir keine Freunde.

LAOLA1: Hast du mit ihnen nach dem Spiel gesprochen?

Hickelsberger-Füller: Wir haben kurz über das Spiel geredet. Sie haben zugegeben, dass es ein glücklicher Sieg war. Schlussendlich können wir uns davon nichts kaufen.

"Wir sind eine gute Mannschaft mit vielen jungen Talenten. Es kann echt noch sehr, sehr weit gehen. (...) Wir können in der Weltrangliste noch weiter nach oben klettern. Wir wollen die Großen nicht nur ärgern, sondern mit ihnen auch mitspielen."

Julia Hickelsberger-Füller

LAOLA1: Jetzt heißt es, Deutschland abhaken. Ihr habt das Wochenende noch in Windischgarsten verbracht. Am Sonntag ging es weiter nach Polen.

Hickelsberger-Füller: Wir mussten Deutschland am nächsten Tag abhaken. Der Fokus muss jetzt auf Polen liegen. Unser Anspruch ist es, die drei Punkte zu holen. Das soll nicht respektlos klingen. Wir wissen, wie stark Polen ist. Sie haben individuelle Qualität. Wir hatten noch gute Einheiten in Windischgarsten. Die Bedingungen waren top. Wir hatten am Montag schon unser Abschlusstraining hier in Polen.

LAOLA1: Das ÖFB-Frauen-Nationalteam befindet sich aktuell in Top-Form. Viele Spielerinnen sind bei Top-Klubs unter Vertrag. Wie weit kann es gehen?

Hickelsberger-Füller: Die Breite wird immer besser. Wir stellen einen immer besseren Kader. Wir haben immer mehr Legionärinnen, die bei ihren Klubs regelmäßig spielen. Und das auch bei Top-Klubs. Wir sind eine gute Mannschaft mit vielen jungen Talenten. Es kann echt noch sehr, sehr weit gehen. Es steckt noch mehr in diesem Team. Wir können in der Weltrangliste noch weiter nach oben klettern. Wir wollen die Großen nicht nur ärgern, sondern mit ihnen auch mitspielen. Die Qualität dazu haben wir.

LAOLA1: Der Respekt dürfte mittlerweile in Deutschland auch gestiegen sein.

Hickelsberger-Füller: Unser Nationalteam hat auf jeden Fall den Respekt von den Deutschen bekommen. Seit der EM haben wir uns das erarbeitet. Das Spiel war knapp. Die Deutschen haben sicher mit einem einfacheren Spiel gerechnet. Jetzt haben wir bewiesen, das war keine einmalige Sache. Es unterschätzt uns international keiner mehr.

2022 krönte sich Hickelsberger-Füller zur Fußballerin des Jahres
Foto: © GEPA

LAOLA1: 2022 warst du Fußballerin des Jahres in Österreich. Nach einer erfolgreichen EURO bist du von St. Pölten zur TSG Hoffenheim gewechselt. Wie war der Schritt für dich?

Hickelsberger-Füller: Das war ein Top-Verlauf. Ich bin sehr gut aus meiner schweren Knieverletzung zurückgekommen. Bei St. Pölten habe ich Spielzeit gesammelt, war fit für die EURO. Dann kam der Wechsel zu Hoffenheim. Es war der richtige Schritt, ich habe fast jedes Spiel gemacht.

LAOLA1: Das Jahr 2023 lief dann weniger nach Plan. Verletzungen haben dich immer wieder zurückgeworfen.

Hickelsberger-Füller: Das war deutlich schlechter. Ich hatte eine Verletzung nach der anderen. Ich war kaum fit. Ich blicke auf ein schwieriges Jahr zurück. Es waren immer kleine Verletzungen, die sich hinausgezögert haben, und zu größeren Verletzungen wurden. Das letzte Jahr war einfach scheiße. Jetzt bin ich wieder da und will mich wieder präsentieren.

"Ich muss auch gestehen: Die Spielerinnen, die jetzt da waren, haben es gut gemacht. Das weiß ich. Dementsprechend muss ich mir den Arsch aufreißen. Das nehme ich an."

Julia Hickelsber-Füller über ihre Rolle im ÖFB-Team

LAOLA1: Du wurdest immer wieder von Verletzungen heimgesucht. Wie gehst du mit der Situation mental um?

Hickelsberger-Füller: Du musst dich einfach wieder zurückkämpfen, brauchst eine gewisse mentale Stärke. Du bist von der Mannschaft entfernt, schaust die Spiele im Fernsehen und außerhalb des Platzes an. Es macht einfach keinen Spaß, die Zeit in der Kraftkammer zu vergeuden, anstatt auf dem Platz zu stehen. Man arbeitet sich den Arsch ab, um das wieder zu haben. Es ist keine leichte Zeit. Verletzungen gehören aber zum Sport dazu. Du bist immer das, was du daraus machst.

LAOLA1: Im ÖFB-Frauen-Nationalteam hattest du bereits einen Stammplatz inne. Ich nehme an, in diese Rolle willst du zurück.

Hickelsberger-Füller: Ich will dort anknüpfen, wo ich davor war. Es fängt mit guten Leistungen im Verein an. Ich muss auch gestehen: Die Spielerinnen, die jetzt da waren, haben es gut gemacht. Das weiß ich. Dementsprechend muss ich mir den Arsch aufreißen. Das nehme ich an. Ich will die jungen Spielerinnen, die jetzt spielen, aber auch unterstützen. Wir sind ein Team. Mein Anspruch ist es aber, zu spielen.

LAOLA1: Dann geht der Blick noch in Richtung TSG Hoffenheim, aktuell Dritter in der Deutschen Bundesliga.

Hickelsberger-Füller: Wir wollen den dritten Platz holen und damit Champions-League-Quali spielen. Uns steht noch das direkte Duell mit Frankfurt bevor. Wir müssen unsere Hausaufgaben erfüllen und gegen Frankfurt performen.

LAOLA1: Was nimmst du dir persönlich vor?

Hickelsberger-Füller: Ich möchte möglichst viel spielen. Es gilt, Leistung zu bringen, auch in Form von Toren und Assists. Im Hinblick auf den nächsten ÖFB-Lehrgang ist es wichtig, auch in den Rhythmus zu kommen.  

Bis 2022 spielte Hickelsberger-Füller noch in Österreich.
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LAOLA1: Es ist gar nicht so lange her, dass du in der heimischen Bundesliga aktiv warst. Was sagst du zur Entwicklung?

Hickelsberger-Füller: Ich informiere mich nach wie vor darüber. Ich sehe einen Aufschwung. Wir sind aber noch weit weg von Deutschland oder England. Klar sind wir kleiner. Es geht meiner Meinung nach ein bisschen zu wenig weiter. Es ist sehr langsam und träge. Von der Zuschauerzahl her ist es ein Riesenunterschied, das Interesse ist ganz anders. Die Tendenz geht aber nach oben. LASK hat aktuell gute Aufstiegschancen. Der Klub hat was für Frauenfußball über. Du holst dir ein Team in die Liga, das etwas mehr investiert. Die Liga wird attraktiver. Rapid und Salzburg gehen auch erste Schritte. Mannschaften mit einem gewissen Namen sind für Fans einfach interessanter.

LAOLA1: Was sind die gravierenden Unterschiede, wenn du unsere Liga mit Deutschland vergleichst?

Hickelsberger-Füller: Es gibt einfach mehr Breite. Kein Spiel ist einfach. Hier kann jeder jeden schlagen. In Österreich ist das anders. Die Möglichkeiten sind in Deutschland einfach besser. Der Fußball ist schneller, die Spiele sind auf einem höheren Niveau. Der SKN ist zwar sehr gut, hat aber nicht wöchentlich gute Spiele.

LAOLA1: Wie wird die österreichische Liga in Deutschland wahrgenommen?

Hickelsberger-Füller: Da wissen die Deutschen eher weniger Bescheid. Das geht ein bisschen mit dem Nationalteam einher. Man sagt, so schlecht kann es dann nicht sein.

LAOLA1: Du bist mit 24 Jahren noch relativ jung. Was sind deine weiteren Ziele auf Klubebene?

Hickelsberger-Füller: Ich fühle mich in Hoffenheim sehr wohl. Es passt alles sehr gut. Dadurch dass mein letztes Jahr schwierig war, muss ich jetzt einmal kontinuierlich spielen und abliefern. Dann ergibt es sich von alleine. Dann siehst du, wo es hingeht oder was sich ergibt. Jetzt will ich aber einmal spielen, Spaß haben am Fußball und Leistung bringen.

LAOLA1: Ich habe gehört, nach deiner Karriere möchtest du Volksschullehrerin werden. Ist das noch aktuell?

Hickelsberger-Füller: Ich bin mit dem Bachelor eigentlich fertig. Mir fehlt nur mehr der Ski-Lehrer. Das will ich in naher Zukunft erledigen. Es fehlt nur mehr diese Kleinigkeit. Ich sehe mich in diesem Job. Du kannst aber nie sagen, was sich ergibt.


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