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Warum Hütter bei "Red Bull" Monaco perfekt aufgehoben ist

Im Fürstentum wird bereits seit längerem auf die "Red-Bull-Schule" gesetzt. Mit Adi Hütter präsentiert Monaco einen Trainer, der perfekt ins Beuteschema passt.

Warum Hütter bei Foto: © AS Monaco

Österreich hat erstmals seit langer, langer Zeit wieder einen Trainer-Legionär in der Ligue 1.

Mit Adi Hütter übernimmt der erste österreichische Coach seit Walter Presch, der in der Saison 1956/57 Angers SCO betreute, mit der AS Monaco ein Team in der höchsten französischen Spielklasse.

Dass die Klubwahl des Vorarlbergers nach einem Jahr Pause vom Trainerdasein auf den monegassischen Top-Verein fällt, ist allerdings keine Überraschung - im Gegenteil.

Hütter wurde angesichts seines Profils gezielt gescoutet. Als ehemaliger Coach des FC Red Bull Salzburg, der im Nachwuchs der "Bullen" seine ersten Schritte als Trainer machte, passt er perfekt zum Philosophie-Umschwung, den Monaco gerade vollzieht.

Strategie-Wandel soll AS Monaco nachhaltiger werden lassen 

Es ist ein Wandel, der vor wenigen Jahren eingeleitet wurde, aber bei weitem noch nicht am Ende angekommen ist. Um die Hintergründe besser verstehen zu können, muss aber etwas weiter ausgeholt werden.

 

Wir schreiben das Jahr 2011: Die AS Monaco stand kurz vor dem Abrutsch in die Bedeutungslosigkeit, ehe Oligarch Dmitri Rybolovlev den kriselnden Zweitligisten kaufte und mit kräftigen Finanzspritzen zurück in die Ligue 1 führte.

Die Monegassen etablierten sich schnell als einer der Top-Klubs der Liga, gewannen unter anderem 2017 die französische Meisterschaft. Eine mehr als schwierige Saison 2018/19, als man mit Ach und Krach den Abstieg verhindern konnte, brachte jedoch ein Umdenken innerhalb des Klubs.

Oleg Petrov wurde Vize-Präsident und CEO des Klubs und stellte die Weichen für den Strategie-Wandel. "Wir können behaupten, dass wir aus einem kleinen Land kommen. Wir haben nicht bei jedem Spiel zehntausende Fans, also müssen wir in allem, was wir tun, extrem effizient sein", erklärte der Russe, der sich im März von seinem Posten zurückzog, im Jahr 2021 gegenüber LAOLA1.

Für Monaco war klar: Will man sich nachhaltig als Spitzenklub in Frankreich etablieren, muss vermehrt auf die Jugendarbeit gesetzt werden. Dabei ließ sich sich der Klub aus dem Fürstentum vor allem von Red Bull inspirieren.

Red Bull als großes Vorbild

Mit der Bestellung von Paul Mitchell wurde der Grundstein für den Wandel gelegt. Der Engländer war zwischen 2018 und 2020 nicht nur als Leiter der Scouting-Abteilung von RB Leipzig tätig, sondern agierte auch als Technischer Direktor von den New York Red Bulls und RB Bragantino.

 

"Unser Shareholder und Oleg haben mich beauftragt, eine Langzeit-Strategie ähnlich zu jener, wie es Red Bull gemacht hat, aufzusetzen."

Monaco-Vorstandsmitglied Paul Mitchell

Der Engländer wurde beaufragt, "eine Langzeit-Strategie ähnlich zu jener, wie es Red Bull gemacht hat, aufzusetzen". Im Juni 2021 wurde unter anderem ein neues Trainingszentrum für die Akademie auf die Beine gestellt.

Auch internationale Talente sollten künftig ihren Weg nach Monaco finden. "Red Bull investiert auf dem Markt in Talent und kreiert eine Kultur und eine Umgebung, die dieses junge Talent wachsen und konstant erfolgreich sein lässt", beschrieb Mitchell das Vorbild Red Bull. 

Zwar holte Mitchell mit Mo Camara und Takumi Minamino auch Spieler, die mit dem System in Salzburg bestens vertraut sind, um einiges wichtiger waren jedoch die Verpflichtungen abseits des Rasens.

Know-How aus Red-Bull-Stall soll es richten

Um die Strategie-Neuausrichtung auch nachhaltig gestalten zu können, brauchte es das richtige Know-How in der Scouting-Abteilung und im Trainerstab. So nahm Mitchell beispielsweise Drissa Diallo von RB Leipzig mit und installierte den Mann aus Guinea als Chefscout der AS Monaco.

Mit Lawrence Stewart wurde der Leiter der Scouting-Abteilung von Salzburg abgeworben und als Sportdirektor ins Fürstentum geholt. Mittlerweile ist Stewart Sportdirektor des FC Chelsea

 

Paul Mitchell mit Vergangenheit bei Red Bull
Foto: © AS Monaco

Auch der erste Trainer der Mitchell-Ära hatte sofort einen kleinen Red-Bull-Anstrich. Niko Kovac, einst nicht nur Spieler in Salzburg, sondern auch als Coach der RB Juniors sowie als Co-Trainer in Salzburg tätig, wurde 2020 als Cheftrainer bestellt. 

Der Kroate sollte Mitchells vorgegebene Philosophie auf dem Platz in die Tat umsetzen. Nach nur eineinhalb Jahren trennten sich die Wege allerdings wieder. Mit Philippe Clement übernahm ein Trainer ohne Red-Bull-Vergangenheit. Nach einer enttäuschenden Saison 2022/23, die Clements Entlassung brachte, war jedoch klar, wohin die Reise künftig wieder gehen soll.

So kommt es nicht von ungefähr, dass mit Jesse Marsch und Matthias Jaissle zwei Trainer, die in Salzburg bestens bekannt sind, als heiße Kandidaten für den Trainer-Posten in Monaco galten. Eine Umschichtung in der Führungsetage verzögerte den Prozess der Trainer-Findung jedoch.

Mitchell dankt ab, Nachfolger kommt aus Brasilien

Mit Paul Mitchell muss die AS Monaco künftig nämlich auf den Mastermind der Klub-Neuausrichtung verzichten. Der Engländer gab Anfang des Jahres 2022 seinen Rückzug am Ende des Sommer-Transferfensters 2023 bekannt. Neben der Suche nach einem neuen Trainer stand also auch die Suche nach einem Nachfolger im Fokus.

Dieser wurde letztlich - wie soll es auch anders sein - im Hause Red Bull gefunden. Thiago Scuro heißt der Mann, der den eingeschlagenen Weg der AS Monaco fortführen soll.

"Ich kenne Thiago. Ich hatte das Vergnügen, mit ihm bei Red Bull zusammenzuarbeiten", erklärte Mitchell gegenüber "Monaco Tribune". Der 41-jährige Brasilianer war bereits zwischen 2013 und 2015 sowie 2017 und 2019 Sportdirektor bei RB Brasil. Zuletzt war er Geschäftsführer von Bragantino. Monaco wird Scuros erste Station in Europa sein.

Thiago Scuro "kennt den Stil und weiß, was der Klub braucht"

"Er hat großartige Manager-Skills, um den Klub aufs nächste Level zu heben. Er hat aber auch einen anderen Stil als ich. Nach drei Jahren ist es genau das, was die Organisation braucht", so Mitchell über seinen Nachfolger.

 

Adi Hütter bei der Vertragsunterzeichnung
Foto: © AS Monaco

"Er kann sich glücklich schätzen, weil er bereits dem westlichen Markt dank Red Bull bereits ausgesetzt war. Er kennt den Stil und weiß, was der Klub braucht. Dazu hat er ein unglaubliches Netzwerk in Südamerika", fügt der langjährige Monaco-Sportdirektor an.

Dass er im Gegensatz zu Mitchell nie Profi-Fußballer war, sei kein Hinderniss, so Stéphane Darmani, Korrespondent von "Canal+": "Er ist kein ehemaliger Spieler und weiß daher, wie er sich umgibt. Er verlässt sich auf seine Späher und lässt sich bei der Rekrutierung von allen beraten. Er ist niemand, der alleine arbeitet."

Einer dieser Leute wird nun auch Adi Hütter sein. Der Österreicher soll den auf vorgegebenen Weg auf der Trainerbank fortführen. Mit Trainer-Erfahrung bei den RB Juniors sowie 2014/15 in Salzburg ist der Vorarlberger bestens gerüstet für das Engagement im Fürstentum.

Partnerverein Cercle Brügge: Was Hütter mit Muslic gemeinsam hat

Hütter war jedoch schon deutlich vor diesem Sommer am Radar der Monaco-Verantwortlichen. Mitchell wies 2021 im Interview mit LAOLA1 bereits auf den großen Talente-Pool an österreichischen Trainern hin und verwies dabei unter anderem auf Hütter.

Österreichische Trainer zu verpflichten, ist jedoch bei weitem keine Neuheit für Paul Mitchell. Neben der AS Monaco betreute der Engländer bis zuletzt auch Partnerklub Cercle Brügge. So war es auch Mitchell zuzuschreiben, dass 2021 Dominik Thalhammer als Cheftrainer eingestellt wurde.

 

Miron Muslic und Dominik Thalhammer
Foto: © GEPA

Auch die Verpflichtung von Miron Muslic (damals als Co-Trainer) ging auf seine Kappe. Nach Thalhammers Entlassung übernahm Muslic als Cheftrainer und führte Cercle Brügge in der vergangenen Saison auf den starken sechsten Platz in der Jupiler Pro League.

"Wir wollen innerhalb unserer Organisation eine echte Coaching-Philosophie mit festen Spielprinzipien entwickeln", weiß Mitchell auch, wie wichtig die Arbeit bei Cercle Brügge für das Aushängeschild Monaco ist, dient der belgische Klub doch auch als wichtige Entwicklungsstation für einige Talente.

Europacup als klare Zielvorgabe

Künftig wird der Sportdirektor-Posten bei Cercle Brügge auch in den Aufgabenbereich von Thiago Scuro fallen, der damit also gleich mit zwei österreichischen Trainern eng zusammenarbeiten darf. 

Was Cercle Brügge und die AS Monaco noch gemeinsam haben, ist, dass beide Klubs in der vergangenen Saison die Europacup-Startplätze verpassten. Während man in Brügge mit Platz sechs aber durchaus zufrieden sein durfte, galt Platz sechs in Monaco als große Enttäuschung.

Nun liegt es an Adi Hütter, gemeinsam mit seinen Co-Trainern Klaus Schmidt und Christian Peintinger, das Schiff wieder in die Bahn zu bringen. Denn die Zielvorlage der Monaco-Boss ist klar: Der Klub soll künftig wieder regelmäßig im Europacup vertreten sein.

Monaco will PSG künftig wieder gefährlich werden

Die AS Monaco ist ambitioniert. PSG im Kampf um die Meisterschaft zu fordern, werde zwar schwer, aber nicht unmöglich.

"Wir müssen mit Intelligenz, einem Langzeitplan und einer Strategie operieren. Wir wollen der Rivale Nummer eins sein. Wir wollen mit moderner Arbeitsweise die Lücke von Jahr zu Jahr verkleinern", gibt der bald scheidende Mitchell den Plan vor.

Mit Adi Hütter und Thiago Scuro hat er seine Vision jedoch in die richtigen Hände gelegt.


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