Abfahrt in Gefahr, Herr Bach?

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Abfahrt in Gefahr? Bach spricht ein Machtwort

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Thomas Bach ist ein gefragter Mann.

Kein Wunder, ist der Deutsche doch als Präsident des Internationalen Olympischen Comitees der mächtigste Sport-Funktionär der Welt.

Aktuell weilt der ehemalige Weltklasse-Fechter (Mannschafts-Olympiasieger 1976) in Lillehammer, wo die Youth Olympic Games über die Bühne gehen.

Zwischen Treffen mit Superstars wie Lindsey Vonn und dem Besuch einiger Wettkämpfe fand der 62-Jährige Zeit, einer kleinen österreichischen Medienrunde, der auch LAOLA1 angehörte, Rede und Antwort zu stehen.

Thomas Bach über …

… seine Eindrücke von den Youth Olympic Games in Lillehammer:

„Die ersten Eindrücke sind uneingeschränkt positiv - aus sportlicher, organisatorischer und inhaltlicher Hinsicht. Sportlich sind die Wettkampfstätten einwandfrei, die Athleten sind begeistert. Organisatorisch sind alle zufrieden mit dem (Olympischen) Dorf, manche müssen sich erst an das Umfeld gewöhnen, dass es Checks gibt. Aber das ist auch der Zweck der YOG. Inhaltlich wird das „Learn & Share Program“ sehr gut angenommen. Die Athleten kommen und fragen, das schafft eine gute Atmosphäre.“

… eine mögliche Bewerbung Österreichs für die Spiele 2026:

„Es wäre per se eine starke Bewerbung, mit erfolgreichen Athleten und organisatorischer Erfahrung. Dazu das hoch angesehene ÖOC. Die Erfolgsaussichten? Starke Bewerbungen haben immer gute, man muss aber das Bewerberfeld kennen. Ich hoffe aber, dass es nicht nur einen Bewerber gibt.“

… Gigantismus und die Winterspiele in Peking 2022:

Europa kann anderen Kontinenten nicht verwehren, was hier vor 50 Jahren passiert ist, dass versucht wird, Wintersport zu popularisieren. Wir sollten froh sein, wenn die Popularität steigt. Die Winterspiele 2022 eröffnen uns die Möglichkeit, Wintersport für eine Anzahl an Menschen zu erschließen, die Europa nicht hat. Das sind ein paar hundert Millionen Menschen. Außerdem hätte manche Station in Europa gerade gerne den Schnee, den sie haben.“

… ausufernde Kosten:

„Die Agenda 2020 gibt die Antwort, auch die Qualität der Bewerber für 2024. Wir haben mit allen vier eine Übereinkunft, zudem gab es Gespräche mit weiteren, wobei wir einigen gesagt haben, sie brauchen vielleicht noch Zeit. Frühere Bewerber haben sich bei neun Gelegenheiten präsentieren müssen, jetzt sind es nur noch zwei. Mit München (gescheiterte Bewerbung für Olympia 2018, Anm.) sind wir mit acht bis zehn Leuten nach Neukaledonien geflogen, um dort für 15 Minuten zu präsentieren, dabei war ein IOC-Ehrenmitglied anwesend.“

… die Frage, ob die Abfahrt gefährdet ist:

"Nein!"

… Auswirkungen des Leichtathletik-Skandals auf die Spiele in Rio:

"Es ist nicht zu erwarten, dass sich das auf die Spiele in Rio überträgt. Ich glaube nicht, dass es eine mangelnde Begeisterung für Usain Bolt oder andere Sportler gibt. Die IAAF (Weltverband, Anm.) muss ihre Angelegenheiten aber in Ordnung bringen, so wie das auch für andere Verbände gegolten hat oder gilt. Auf Dauer sind die Glaubwürdigkeit der Organisation und des von ihr verantworteten Sports nicht auseinander zu halten. Das dauert beim einen länger und geht beim anderen kürzer. Es ist wichtig, dass die IAAF weitere Schritte unternimmt und die getätigten verfolgt. Man muss sich deutlich distanzieren von der früheren Führung."

… den Umgang des IOC mit Menschenrechten:

"Den kann man nicht festmachen an einigen Ländern. Die Frage der Menschenrechte betrifft uns alle weltweit. Die Politik des IOC ist klar: Für alles, was mit Olympia zusammenhängt, muss die Olympische Charta Anwendung finden. Wir wollen keine Diskriminierung, wir wollen Toleranz und Respekt. Das IOC ist aber keine Weltregierung! Die Stärke der olympischen Bewegung ist, in einem Gastland - und darüber hinaus - eine Botschaft zu senden, wie eine freie Gesellschaft aussehen kann. Die Hautfarbe und der Glaube spielen keine Rolle. Wer diese Botschaft nicht erträgt und will, braucht sich nicht um Olympische Spiele bewerben."

… ein Olympia-Team aus Flüchtlingen:

"Unter den 60 Millionen „deplaced people“ sowie den 20 Millionen Flüchtlingen müssen auch Athleten dabei sein. Wir wollen diesen Athleten helfen, weiter Sport ausüben zu können. Wenn hochqualifizierte Leute dabei sind, die die Olympia-Qualifikation erfüllen, dann werden sie eingeladen, denn ansonsten hätten sie ja kein Startrecht. Sie werden auch betreut, es wird etwa einen Chef de Mission geben. Im Dorf werden sie mit einer Zeremonie willkommen geheißen, für sie wird die olympische Hymne gespielt."

… über Abschreckungsgefahr für Touristen durch das Zika-Virus:

"Ich sehe die Gefahr nicht. Wir stehen in engem Kontakt mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In sechs Monaten ist Winter in Brasilien, da sind die Brutzeiten nicht so virulent wie jetzt. Brasilien unternimmt enorme Anstrengungen, um dem Herr zu werden. Am Wochenende gingen 200.000 Armeeleute von Haus zu Haus, um zu helfen und zu informieren."

… verbotenes Athletensponsoring während der Spiele:

"Die Athleten profitieren in hohem Maße vom System der Finanzierung Olympischer Spiele, weil das IOC 90 Prozent der Einnahmen sofort wieder in den Sport investiert. Die Olympischen Spiele in Rio könnten nicht stattfinden ohne die 1,5 Milliarden Dollar, die wir investieren. Die Jugendspiele in Lillehammer könnten nicht stattfinden, wenn wir nicht das Athletendorf gebaut hätten. Das kommt alles von unseren Sponsorgeldern. In den weiteren Bereichen geben wir die Einnahmen weiter an die internationalen Verbände und die Nationalen Olympischen Komitees. Die haben dann unterschiedliche Formen, die Athleten zu fördern. In Deutschland und Österreich sind das dann Stiftungen, die das machen und Prämien ausschütten. In anderen sind es NOKs selbst, die Athleten fördern. Das IOC überlässt es den jeweiligen Olympia-Teams, damit umzugehen. Die Frage des Sponsorings ist ein Solidarprogramm innerhalb der NOKs. Das heißt, die größeren NOKs helfen den kleinen und den Entwicklungsländern. Somit gibt es auch Solidarität unter den Athleten, damit nicht eine Handvoll Stars mithilfe einiger Sponsoren die Olympischen Spiele als Bühne nutzen, um sich zu präsentieren, und alle anderen Athleten gehen dann leer aus."

Aus Lillehammer berichtet Christoph Nister

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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