Verpatzte Tournee war Kuttins Saison-Höhepunkt

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Heinz Kuttin zieht nach seiner dritten und gleichzeitig erfolgreichsten Saison als Cheftrainer der ÖSV-Skispringer eine mehr als zufriedene Bilanz.

Der emotionalste Höhepunkt der Saison sei aber nicht etwa Doppel-WM-Gold, Team-Bronze oder der Skiflug-Weltrekord von Stefan Kraft gewesen. Es war kurioserweise die durch einen Virus verpatzte Vierschanzen-Tournee, und der Turnaround, der dem Team danach gelungen ist.

"Wir waren perfekt vorbereitet und sind mannschaftlich super reingestartet. Und dann haut dich der Virus so aus den Socken", erinnert sich Kuttin "Wir sind in Bischofshofen untengestanden und haben gesagt, wir haben alles richtig gemacht, aber haben den fünften, sechsten Platz."

Genau das habe das Team wieder gestärkt. "Weil wir gewusst haben, wir sind gut drauf. Ich muss ganz ehrlich sagen, das war für mich einer der Höhepunkte in dem Jahr - diese Erfahrung zu machen. Wobei sie negativ behaftet ist. Wie das gesamte Team und die Athleten mit der Situation umgegangen sind, ohne nervös zu werden und geduldig zu bleiben."

"Brauchen noch Zeit, um ganz vorne mitzumischen"

Nach der Ablöse von Erfolgs-Coach Alexander Pointner vor drei Jahren hatte es der Kärntner auch in der öffentlichen Wahrnehmung nicht immer leicht gehabt. Zudem beendeten Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl ihre Karrieren und Gregor Schlierenzauer nahm nach einer Formkrise eine Auszeit. Nun hat Kuttin die Truppe auch im Nationencup nach Rang vier im Vorjahr vorerst wieder auf Platz zwei zurückgeführt.

"Ich habe vor der Saison gesagt: wir brauchen noch ein, zwei Jahre, dass wir ganz vorne mitmischen. Das sage ich auch jetzt. Wir waren bei der Tournee vorne, und dann haben wir durch den Virus extrem viele Punkte verloren. So sind wir noch Zweiter geworden, das stimmt uns für die Zukunft sehr positiv."

Auch sonst sieht Kuttin viel Positives. "Natürlich. Ich bin ja der, der das Ganze leitet, der den Weg vorgibt und die Schwerpunkte setzt. Und der auch geradestehen muss, wenn es nicht so gut geht", erklärte Kuttin im Gespräch mit der APA.

Arbeit trägt auch im Nachwuchs Früchte

Besonders froh ist der 46-jährige, zweifache Familienvater über die offenbar richtig gesetzten Weichenstellungen. "Die Schwerpunkte, die wir im Sommer gesetzt haben, waren gut. Man sieht wie das bis zum FIS-Cup hinunter richtig Früchte trägt. Das macht dich stolz. Der Weg, wie wir ihn gegangen sind, war sehr gut und die Burschen haben das alles aufs Papier gebracht."

Einer dieser Schwerpunkte war auch "Energiehaushalt und Ernährung", ein Hauptfaktor nicht zuletzt auch für die schier endlosen Kraft-Reserven des Stefan Kraft. "Wir sind auch mit unserem System eher so, dass wir mit dem Gewicht nicht ans Limit gehen wie viele andere Nationen. Ich habe schon gewusst, dass wenn, dann alle müde werden. Wenn du einen Lauf hast wie der Stefan, dann kriegst Extra-Kräfte", erklärte Kuttin.

Während der "Raw Air" habe es kurzfristig nicht so gut ausgeschaut. "Da waren auch einige Fehler dabei, aber er hat das souverän weggesteckt." Gerade dort habe Kraft auch das Glück des Tüchtigen gehabt.

Neuer Trainer für Schlierenzauer?

In Zakopane hatte Kraft nach dem Virus pausieren müssen, nach Zakopane hatte Kamil Stoch schon 293 Zähler Vorsprung auf den damals viertplatzierten Kraft. Ob Kuttin da noch an den Gesamtsieg geglaubt hätte? "Nein, eigentlich sagt man, wenn so ein Riesenunterschied ist, der wird durchmarschieren. Man hat halt gesehen, dass er (Stoch) dann unkonstant geworden ist, da bin ich wieder beim Punkt Energie. Stefan ist dann eineinhalb Monate Vollgas durchmarschiert und hat im Prinzip kein schlechtes Ergebnis gemacht."

Mit Michael Hayböck (7.) und Manuel Fettner (10.) haben zwei weitere seiner Schützlinge die Saison in den Top Ten beendet. "Michi hat eine schwierige Saison gehabt. Am Anfang der Saison hat er mit dem Rücken schwere Probleme gehabt, dann hat ihn der Virus umgehaut. Es war eine verkorkste Saison für ihn", meinte Kuttin, ergänzte aber, "nichtsdestotrotz hat er einen Weltcup gewonnen, die Konstanz hat er halt nicht gehabt. Das zeigt, dass du das ganze Jahr topfit sein musst, damit du ganz vorne mitmischen kannst."

Nach der WM-Saison ist vor der Olympia-Saison. "Der Weg soll sicher so weitergehen, aber ich habe mir noch null Gedanken gemacht", erklärte Kuttin, der sich während der Saison Notizen gemacht hat, und nun in aller Ruhe im April analysieren will. Dann werde man u.a. auch über die Zusammensetzung der Trainingsgruppen reden, auch mit wem zum Beispiel Gregor Schlierenzauer arbeiten wird.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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