Svindals letztes Rennen: "Ich muss Rennfahren"

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Am Samstag geht bei der Ski-WM in Aare eine große Karriere zu Ende. Aksel Lund Svindal wird bei der Abfahrt (12:30 Uhr im LIVE-Ticker) zum letzten Mal im Starthaus stehen.

"Das ist ein sehr schöner Platz, um aufzuhören", sagt Svindal am Donnerstagabend in Aare, wo er sich 2007 zum Doppel-Weltmeister in Abfahrt und RTL kürte. "Jedes große Rennen in den Alpen wäre auch ein großartiger Platz gewesen, oder Norwegen. Aber das Timing jetzt ist das Richtige, ich fühle es."

Vor zwei Wochen in Kitzbühel verkündete Svindal im Smoking sein Karriereende nach der WM. "Es war sehr hart, die Worte auszusprechen. Das ist der Moment, in dem es jeder weiß und du kannst es nicht mehr zurücknehmen", schildert der Norweger.

Kitzbühel ist jener Ort, wo das Ende seinen Anfang nahm. Bei dem verhängnisvollen Sturz in der Abfahrt auf der Streif 2016 riss sich der mittlerweile 36-Jährige Kreuzband und Meniskus im rechten Knie. Seither macht das Knie immer wieder Probleme, vor allem auf eisigen und ruppigen Pisten.

Seine Ärzte hatten ihm schon länger geraten, die Ski ins Eck zu stellen, aber Svindal kämpfte sich auch nach dem x-ten Rückschlag wieder zurück - und wurde so 2018 Olympiasieger in der Abfahrt. Die Krönung einer herausragenden Karriere, in der er zwei Mal Olympia-Gold, fünf Mal WM-Gold sowie zwei Mal den Gesamtweltcup gewann. Nun geht sie zu Ende.

Svindal will kein Goodbye-Rennen

Das letzte Rennen seiner Karriere soll ein besonderes werden, in dem er noch einmal alles in die Waagschale werfen wird. "Ich möchte es genießen. Ich möchte aber auch eine Medaille", stellt Svindal klar. "Ich weiß, dass es speziell wird, aber ich hoffe, dass es eine gute Sache wird."

Ein Farewell im Kostüm, wie es viele andere Athleten schon gemacht haben, ist nicht seine Art. Auch wenn er sich gerne auf dem Weg ins Ziel bei seinen Betreuern bedanken würde.

"Ich kann verstehen, dass andere Leute einen Goodbye-Run machen. Aber ich muss Rennfahren. Ich will ein richtiges Rennen machen.“

Svindal über sein letztes Rennen

"Man ist hin- und hergerissen. Es wäre perfekt, im Starthaus zu stehen und sich bei allen zu verabschieden. Deshalb kann ich schon verstehen, dass andere Leute einen Goodbye-Run machen. Aber ich muss Rennfahren. Ich will ein richtiges Rennen machen", sagt Svindal. 

Deshalb werde er auch wie bei jedem anderen Rennen etwas nervös sein, noch dazu, weil es eine WM ist. "Das werden wenigstens fünfzig Prozent der Gefühle sein. Über die anderen fünfzig Prozent bin ich nicht sicher, ich war noch nie in der Situation", weiß er nicht, was ihn am Samstag wirklich erwartet. 

Tränen? "Das wäre ein starkes Signal"

Er lässt sich auch davon überraschen, ob Tränen fließen werden: "Wenn sie kommen, wäre das ein sehr starkes Signal. Ich weiß nicht, ob die Tränendrüsen bei mir verschlossen sind, denn sie kommen nicht so oft. Wenn es so sein sollte, lasse ich sie fließen", erklärt Svindal. 

Diese Authentizität ist es, die Svindal so sympathisch macht. In den insgesamt 16 Jahren im Weltcup ist er trotz seiner vielen Erfolge immer am Boden geblieben, von Star-Allüren keine Spur. 

"Ich denke, wenn du einfach du selbst bist, ist es viel leichter. Es ist hart, wenn du versuchst jemand anderer zu sein oder vor den Medien ein anderes Gesicht aufzusetzen. Ich war immer ich selbst und bin damit gut gefahren. Wenn du glücklich bist, ist es leicht, ein 'nice guy' zu sein", sagt Svindal. 

Zukunft ist ein großes Wort

Der "nice guy" wird dem Ski-Zirkus in vielerlei Hinsicht fehlen. Ob er in Zukunft irgendwann in einer anderen Funktion in den Weltcup zurückkehren wird, weiß Svindal nicht. "Zukunft ist ein großes Wort. Ich glaube nicht, dass ich in der näheren Zukunft in den Weltcup zurückkomme. Ich denke, es ist besser, erst einmal etwas Abstand zu bekommen."

Deshalb werde er sich nach dem Rennen am Samstag, zu dem seine Familie und viele Freunde kommen, viel Zeit nehmen, um sich von allen zu verabschieden. 

"Es wird unmöglich sein, mit allen zu reden, aber ich hoffe mit vielen. Vielleicht bleibe ich auch noch ein paar Tage in Aare, da habe ich Zeit, Leute zu treffen", sagt Svindal. "Und dann gehe ich langsam in die Pension. Alles in allem bin ich glücklich."

Textquelle: © LAOLA1.at

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