Sensations-Sieger verhindert Striedinger-Sieg

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Otmar Striedinger darf in Val d'Isere knapp 30 Minuten auf seinen ersten Weltcupsieg hoffen.

Der Kärntner sorgt mit Startnummer 26 für eine Überraschung und fängt den bis dahin ebenfalls sensationell führenden 26-jährigen Schweizer Urs Kryenbühl um 0,05 Sekunden ab.

Den Premieren-Sieg des 29-jährigen Kärntners wiederum verhindert aber der 27-Jährige Martin Cater, der ihn mit Nummer 41 bezwingt. Der Slowene lässt Striedinger um 0,22 Sekunden hinter sich. Kryenbühl komplettiert als Dritter das Podest.

Bester der Top-Favorit wird Aleksander Aamodt Kilde, der als Vierter das Podest um neun Hundertstel verpasst.

Matthias Mayer belegt als zweitbester Österreicher Rang acht. Der Kärntner vergibt einen möglichen Podestplatz mit kleinen Fehlern im Mittelteil. Max Franz reiht sich auf Rang 12 ein.

Vincent Kriechmayr vergibt seine Chancen mit einem schweren Fehler im Mittelteil und bleibt ohne Punkte.

Ergebnis der Abfahrt in Val d'Isere>>>

Überraschungs-Podest in erster Abfahrt

Nach dem Super-G und dem Schweizer Mauro Caviezel gab es zum Auftakt der Speedrennen also auch in der Abfahrt einen Debütsieg und zudem ein Überraschungs-Podest.

Die mit niedrigen Nummern gekommenen Elitefahrer waren an diesem Tag geschlagen, Gesamtweltcupsieger Aleksander Aamodt Kilde (NOR) hatte sich mit fehlerfreier Fahrt als Vierter noch am besten klassiert.

Matthias Mayer wurde Achter, Max Franz Zwölfter. Der im Training so starke Daniel Hemetsberger wurde nach einem Sturz vor ihm während seiner Fahrt abgewunken, durfte nochmals fahren und landete auf Platz 29.

"Kann es nicht glauben"

Nach den Schneefällen der vergangenen Tage präsentierte sich die Region Savoyen bei Traumwetter. Bald wurde klar, dass sich so rasch niemand als Sieger sicher fühlen durfte, denn die Piste ließ an diesem Tag alles zu. Cater war schlicht fassungslos, als er im Ziel abschwang.

"Ich kann es noch immer nicht glauben", sagte er in den ersten Interviews. Sein bisher bestes Ergebnis in einer Abfahrt war Platz acht 2019 in Wengen gewesen. Für Slowenien war es der erste Speedsieg seit Bostjan Kline im Februar 2017 in Kvtfjell.

"Kurz über Platz zwei geärgert"

Striedinger gestand, dass er nach Caters Fahrt etwas enttäuscht gewesen sei. "Es ist eine komische Situation, wenn man sich kurz über den zweiten Platz ärgert. Da hat man den Sieg vor Augen und ein Slowene schnappt ihn weg", sagte der Kärntner, dessen Zimmerkollege übrigens sein näherer Landsmann Christian Walder ist, der am Vortag als Dritter im Super-G erstmals in seiner Karriere auf das Podest gekommen war.

Striedingers Karriere ist ein Auf und Ab, es ist dies der vierte Podestrang für den 29-Jährigen.

Er hat auch bereits eine symptomlose Coronainfektion hinter sich. 14 Tage saß er in Quarantäne daheim. "Die Teamkollegen hatten derweil ein sehr gutes Training. Ich bin mit ein, zwei Tagen Abfahrtstraining nach Val d'Isere angereist, ich hatte da ein bisschen ein mulmiges Gefühl, ich dachte, das wird zu wenig sein. Ich habe mich vom Training aber sehr gut steigern können und bin zufrieden heute."

ÖSV-Cheftrainer zufrieden

Mayer hatte im Startabschnitt etwas Zeit liegen gelassen, danach war es ein starker Auftritt. "Die Fahrt war sehr gut, damit bin ich zufrieden. Darauf kann man aufbauen." Der Kärntner merkte an, dass es hintenraus etwas schneller geworden war, was auch ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher so sah.

"Wir wussten, es wird oben ein bisschen schneller, aber das soll die Leistung nicht schmälern. Hut ab vor Cater. Aber ich bin auch sehr zufrieden mit Otmar, Matthias und Max. Man sieht, wie eng es heute war." Franz hatte 0,79 Sekunden Rückstand. Das ist annähernd der Abstand, den im ersten Training Kilde und im zweiten Vincent Kriechmayr als Sieger auf den jeweils ersten Verfolger hatten.

Max Franz hatte in den Trainings noch zu kämpfen, sah mit Platz 14 im Super-G und 12 in der Abfahrt aber eine deutliche Steigerung. "Heute hab ich die Linie gut getroffen, einmal habe ich kurz den Ski ein bissl verloren, der Sprung war zu weit rechts, aber es ist schon wieder was da. Jetzt muss ich nur noch die Bausteine zusammensetzen."

Kriechmayr mit schwerem Fehler

Einen schweren Fehler machte Kriechmayr, der damit chancenlos war und im Klassement unmittelbar hinter Hannes Reichelt (40.), der sich mutmaßlich beim Material vergriffen hatte, auf Rang 41 durchgereicht wurde.

"Für mich war es die Ideallinie, leider war da zu viel Neuschnee. Die Piste war besser als bei der Besichtigung erwartet, nur die eine Stelle war nicht ganz ideal rausgerutscht", sagte der Oberösterreicher Kriechmayr.

Nach fast zwei vollen Fahrten im Renntempo und vorangegangener Krankheit war Hemetsberger im Ziel "völlig fertig". Mit der Gondel ging es nach seiner abgewunkenen Fahrt wieder hoch an den Start, nur kurz hatte er Zeit, sich vorzubereiten, denn er musste aus Sicherheitsgründen (Pistenarbeiter) vor dem Letzten auf der Startliste nochmals ins Rennen gehen.

"Er war im Training stark, die Piste war tipptop, da hätte man einiges erwarten können. Leider wurde er abgewunken, aber vielleicht hat er das nächste Mal Glück", sagte Puelacher.

Stimmen zur Abfahrt:

Otmar Striedinger: "Ich bin in einer komischer Situation, habe mich kurzfristig schon über den 2. Platz geärgert. Wenn der erste Sieg in Griffweite ist und dann schnappt dir ein Slowene den Sieg weg... Aber ich darf mich nicht ärgern, ein 2. Platz ist auch gut. Ich freue mich sehr über meine Leistung die ich gebracht habe, für mich ist es ein schöner Tag. Auch wenn es nicht mein erster Sieg ist. Aber ich werde weiterkämpfen, damit der dann auch irgendwann kommt."

Martin Cater: "Als ich den Einser gesehen habe, konnte ich es nicht glauben. Ich habe schon gespürt, dass es eine gute Fahrt war - aber dass es zum Sieg reicht, ist unglaublich. Ich habe gehofft, dass ich oben schneller sein kann. Das war mein Ziel - wenn ich oben schnell bin, dann kann ich die Kurven im Mittelteil gut fahren. Ich konnte das bisher noch nicht im Rennen zeigen, aber heute hat es geklappt. Ich brauche immer, bis ich alles erwische. Ich brauche das Vertrauen - es war auch im Training nicht so gut."

Matthias Mayer: "Ich hab 23 Hundertstel oben verloren - was genau war, weiß ich nicht. Aber Kilde ist ein schneller Starter, das weiß man. In der Netzkurve bin ich etwas weit geworden, da hab ich die entscheidenden Hundertstel auf Feuz verloren. Wenn die Piste jetzt schneller wird, wonach es ausschaut, dann werden noch ein paar vorne reinfahren. Das ist mit den Nummern immer so eine Sache - man weiß es am Vortag halt nicht, wie es sich entwickelt."

Max Franz: "Es war schwierig - nach den Trainings und allem. Ich hatte mit mir zu kämpfen, weil es nicht so funktioniert hat, wie ich das wollte. Gestern war es schon ein gutes Rennen, nur zwei Mal leicht den Ski verloren. Auch heute war es gut, nur zwei kleine Sachen. Jetzt geht es nach Gröden und darauf freue ich mich sehr. Letztes Jahr hatte ich zuerst mit dem Kreuz Probleme, dann bin ich mir selbst im Weg gestanden, weil die Ergebnisse nicht da waren."

Vincent Kriechmayr: "Für mich war es die Ideallinie, ich bin dort auch im Training so gefahren - aber leider war dort ein bisschen zu viel Neuschnee. Schade... Ich glaube schon, dass es vorne nicht ganz ideal war. Aber meine Nummer war gut. Ich habe gute Verhältnisse vorgefunden, bis auf die eine Stelle. Hätte ich halt enger fahren müssen. Der Grundspeed war aber da."

Textquelle: © LAOLA1/APA

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