Die "3M-Regel" der ÖSV-Damen

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Die ÖSV-Damen starten mit dem Weltcup-Auftakt in Sölden in das dritte Jahr unter Cheftrainer Christian Mitter.

Nach einer durchwachsenen Abbruch-Saison sowie einem durch Serienverletzungen und fortdauernde Pandemie schwierigen Winter 2020/21 sollen in der Olympia-Saison wieder mehr Spitzenergebnisse von den rot-weiß-roten Athletinnen eingefahren werden.

Zwar mauserte sich die ÖSV-Slalom-Mannschaft angeführt von Kugel-Gewinnerin Katharina Liensberger zum besten Team der Welt, abseits davon ging dafür eher wenig. Vielmehr musste man durch teils schwere Verletzungen fast schon ein ganzes Team vorgeben, fielen etwa die Siegläuferinnen Nicole Schmidhofer und Nina Ortlieb lange aus.

"Kaum dass es irgendwo ins Laufen gekommen ist, haben wir immer gleich wieder eine Watsch'n bekommen. Entweder in Form einer Verletzung oder einem schlechten Rennen. Wir sind nie wirklich in den Flow gekommen", sagt Mitter im Saison-Rückblick.

"Es waren wirklich zwei außergewöhnliche Saisonen. Aber so ist das eben in diesem Beruf. Ich bin trotzdem noch immer sehr gerne Damenchef in Österreich", sagt Mitter vor dem Auftakt in Sölden. "Bei sowas muss man halt durch und kämpfen."

"Dann geht es nicht mehr anders als dass du welche ganz vorne hast"

Der Cheftrainer, der davor sehr erfolgreich Norwegens Herren coachte, sieht durchaus einen Aufwärtstrend bei den ÖSV-Damen. Den Beleg liefert der 41-jährige Steirer mit Zahlen:

"Von uns sind zuletzt 26 oder 27 Damen regelmäßig Weltcup gefahren, 23 sind in den Top-20 aufgetaucht. Bei der Analyse im Frühjahr habe ich zuerst gedacht, ich habe mich verzählt", ist Mitter von der Statistik angetan. "Wir haben also eine massive Mannschaft, die Qualität ist da. Es sind halt nur drei von ihnen auch aufs Podium gekommen. Das heißt, wir müssen als Ganzes nach vorne rücken. Dann geht es eh fast nicht mehr anders als dass du irgendwann welche auch ganz vorne hast."

Das Training würde sich schön langsam niederschlagen. "Wenn man einen Plan oder eine Strategie durchzieht, wird sie irgendwann Früchte tragen, da bin ich sicher."

Mitters Strategie im Training beruht auf drei Punkten – eine "3M-Regel", wenn man so will:

  • Quantität: Die Umfänge im Training werden hochgehalten. Neben der konditionellen Vorbereitung, auf die in diesem Jahr besonders viel Wert gelegt wurde, wird "versucht, möglichst viel Skizufahren".
  • Qualität: "Das heißt, dass die Qualität nicht nur bei schönem Wetter und guter Piste da sein muss, sondern auch, wenn die Piste nicht ganz so gut ist", erklärt Mitter.
  • Variation: In den Trainingsläufen wird mehr in Punkto Kurssetzung und Tempo variiert.

In dieser Saison soll noch ein vierter Punkt dazu kommen: Das "Matching", wie es Mitter nennt. Ziel ist es, die einzelnen Trainingsgruppen öfter zusammenzubringen und gegeneinander antreten zu lassen. "Damit sie sich untereinander richtig pushen“, so Mitter.

Aus dieser Überlegung heraus wurden in der Vorbereitung auch Änderungen in der Zusammensetzung der Trainingsgruppen vorgenommen. So etwa trainiert Stephanie Brunner jetzt an der Seite von Katharina Liensberger. Das soll sich im Hinblick auf den Riesentorlauf positiv auswirken.

ÖSV-Sieg im RTL ist "nicht sehr realistisch"

Ob die Maßnahme fruchtet, wird sich erstmals am Samstag beim Saison-Auftakt in Sölden zeigen. Auf dem Rettenbachferner hat Mitters Team nach dem Vorjahres-Debakel einiges gutzumachen. Ein kollektiver Rückfall und nur Platz 15 für Katharina Truppe als Beste war gleichbedeutend mit dem historisch schlechtesten Abschneiden in Sölden.

Im Vergleich steht die ÖSV-RTL-Mannschaft laut dem Cheftrainer "absolut besser da" als zu Beginn der vergangenen Saison. "Wir sind stabiler geworden. Wir haben schon Ende der letzten Saison gezeigt, dass es im RTL auch geht und hoffen natürlich, das am Samstag auch zeigen zu können."

"Es ist in Sölden immer ein Riesen-Hype, so als ob es um Olympia-Medaillen ginge. Beim ersten Rennen schaut halt jeder besonders genau hin. Es wird dann aber oft auch was überproportional herausgelesen für die restliche Saison. Das ist oft übertrieben, im Guten wie im Schlechten."

Die bisherigen Trainingsleistungen stimmen den Coach zuversichtlich, dass in Sölden ein besseres Ergebnis als der 15. Platz vom letzten Jahr herausschaut: "Es sind schon super Schwünge dabei."

Dennoch weiß Mitter die Chancen der ÖSV-Damen im RTL einzuordnen. "Der Plan ist immer, dass man gewinnt, dafür sind wir ja schlussendlich da. Ob es heuer schon reichen wird, wird sich zeigen. Es ist aber nicht sehr realistisch."

Die Wahrheit liegt schlussendlich sowieso auf der Piste. Vom üblichen "Geplänkel" und dem gegenseitigen Zuschieben von Favoritenrollen vor dem ersten Saisonrennen hält Mitter wenig.

Sölden habe sowieso einen speziellen Stellenwert. "Es ist hier immer ein Riesen-Hype, so als ob es um Olympia-Medaillen ginge. Beim ersten Rennen schaut halt jeder besonders genau hin", meint Mitter. "Es wird dann aber oft auch was überproportional herausgelesen für die restliche Saison. Das ist oft übertrieben, im Guten wie im Schlechten."

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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