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ÖSV-Damen dank Venier zurück am Abfahrts-Podest

Tirolerin schafft ersten Podestplatz seit Dezember. Schweizerinnen feiern Doppelsieg in Crans Montana:

ÖSV-Damen dank Venier zurück am Abfahrts-Podest Foto: © GEPA

Österreichs Abfahrts-Damen sind zurück am Podest! Stephanie Venier sorgt als Dritte in der 1. Abfahrt in Crans Montana für den ersten ÖSV-Podestplatz in einer Abfahrt seit Lake Louise Anfang Dezember.

Den Sieg sichert sich überraschend Lara Gut, die nach einer bisher verpatzten Abfahrtssaison eine Top-Fahrt hinlegt und sich klar vor ihrer Teamkollegin Corinne Suter (+0,80 Sek.) durchsetzt. Es ist ihr erster Weltcupsieg seit Jänner 2018. In dieser Saison hatte die 28-Jährige bisher zwei 10. Ränge als bestes Abfahrtsergebnisse stehen.

Venier unterlaufen im oberen Teil und im Zielhang kleine Fehler, mit 0,92 Sekunden Rückstand verpasst sie Platz 2 nur um 12 Hundertstel.

Nina Ortlieb, Schnellste im einzigen Training, belegt mit 1,32 Sekunden Rückstand Rang sechs.

 

Petra Vlhova (SVK) überrascht als Vierte, verpasst den Podestplatz nur um 16 Hundertstel. Federica Brignone (ITA) bleibt mit 1,35 Sekunden Rückstand und Rang 7 doch hinter den Erwartungen.

Nicole Schmidhofer, im Vorjahr auf dieser Abfahrt Zweite, muss sich mit 1,64 Sekunden Rückstand und Rang 15 zufrieden geben. Tamara Tippler belegt Rang 18.

Elisabeth Reisinger stürzt und wird mit Verdacht auf Knie-Verletzung ins Krankenhaus gebracht>>>

Ergebnis der Abfahrt in Crans Montana>>>

Mit Gebläsen gegen weiche Piste

Das Rennen in Crans war wie so oft geprägt von einer wegen starker Sonneneinstrahlung aufweichenden Piste. Immer wieder rutschten Soldaten auf Ski mit ihren skurrilen Brezelsalz-Gebläsen über die Strecke.

Trotzdem musste die Abfahrt nach einem Sturz der Österreicherin Elisabeth Reisinger lange unterbrochen werden. Die Europacup-Gesamtsiegerin aus Oberösterreich, zuletzt in Garmisch und Bansko jeweils beste ÖSV-Abfahrerin, wurde mit Schmerzen im linken Knie vom Notarzt-Hubschrauber zur Untersuchung nach Sion geflogen. Nach Christine Scheyer ist sofort der nächste Ausfall zu befürchten.

Gut mit Lockerheit wieder schnell

Auf dem Sonnenhang im Wallis sind vordere Startnummern grundsätzlich ein Vorteil. Trotzdem schaffte es Gut-Behrami mit der 18 ganz nach vorne, mit acht Zehnteln vor Suter fiel der erste Abfahrtssieg seit über drei Jahren der nach ihrer Heirat mit dem Fußballer Valon Behrami (2018) mancherorts schon abgeschriebenen Gesamt-Weltcupsiegerin von 2015/16 sogar deutlich aus.

"Wenn die Lockerheit wieder da ist und sich das Skifahren leicht anfühlt, ist man gleich wieder schnell", meinte die 28-jährige Tessinerin. "Ich spüre schon seit Wochen, dass vieles wieder zusammenkommt. Jetzt bin ich im Rennen nicht mehr am Überlegen, sondern am Skifahren."

Suter am Weg zur Abfahrtskugel

Dass ausgerechnet beim Heimrennen eine Schweizerin einer anderen Eidgenossin den Sieg wegschnappte konnte nicht verhindern, dass Suter nun am Samstag erstmals und vorzeitig die Abfahrts-Weltcupkugel gewinnen kann.

Bei 120 Punkten Vorsprung auf Ester Ledecka kann die Zauchensee-Siegerin Suter nach fünf Podestplätzen schon vor dem Finale alles klar machen. Suter wäre die erste Abfahrts-Weltcupsiegerin aus der Schweiz seit Chantal Bournissen 1991.

ÖSV-Damen ohne Kugel-Chance

Für die mit Nicole Schmidhofer die Titelverteidigerin stellenden ÖSV-Damen ist diese Möglichkeit dahin.

Platz drei für Venier war für die im Vorjahr so erfolgsverwöhnte Speed-Damen aber ein absoluter Lichtblick, war es doch der erst vierte Podestplatz dieses Winters und der erste in der Abfahrt seit dem Jahreswechsel überhaupt.

Venier: "Fehler haben mich schneller gemacht"

Für Venier war es der erste Podestplatz seit Platz drei Anfang Dezember in Lake Louise. "Ich hatte zwar wieder Fehler, die haben mich aber schneller gemacht", meinte die Tirolerin über ihren Befreiungsschlag.

"Mit Platz drei muss man zufrieden sein. Morgen muss ich oben sauberer fahren und vor dem Ziel etwas direkter. Dann schaut es gut aus", glaubt die Vizeweltmeisterin von 2017.

Ortlieb ärgert sich über verpasste Chance

Podesthoffnungen hatte sich auch Nina Ortlieb nach ihrer überlegenen Trainingsbestzeit gemacht. Platz sechs bedeutet zwar das zweitbeste Saison- und Karriere-Ergebnis für die Aufsteigerin, Ortlieb war dennoch nur bedingt happy.

"Nach so einer Trainingsleistung weiß man, dass man Chancen hat. Deshalb ärgere ich mich schon über meine Fehler", sagte die Oberlecherin. "Wenn man ganz vorne mitspielen will, darf man sich das nicht erlauben."

Die Crans-Originalabfahrt am Samstag beginnt um 10.30 und damit eine halbe Stunde später. Trotz der Höhenlage ist beim WM-Kontrahenten von Saalbach-Hinterglemm daher erneut mit schwierigen Pistenverhältnissen zu rechnen.

Die wegen ihrer Familien-Tragödie weiterhin fehlende Mikaela Shiffrin hat in der Gesamtwertung nur noch 77 Punkte Vorsprung auf die Tages-Siebente Federica Brignone (ITA) und 104 auf die slowakische Technik-Spezialistin Petra Vlhova, die am Freitag als Abfahrts-Vierte überraschte. Shiffrin trainiert zwar in den USA, ihre Rückkehr ist nach dem unerwarteten Ableben ihres Vaters aber weiter offen.

 

 

Stephanie Venier: Ich habe den einen oder anderen Fehler gehabt, aber ich glaube, das hat mich nur schneller gemacht. Den Zielhang habe ich extrem gut erwischt, oben verloren. Das ärgert mich schon, weil ich das im Training auch nicht hinbekommen habe.

Lara Gut: Ich habe mich während der Fahrt gut gefühlt. Im Skisport ist es so, dass man oft lange rätselt, warum man zwei Sekunden hinten ist. Und dann fühlt man sich plötzlich wieder gut und ist richtig schnell. Das ist mir in meiner Karriere schon öfter so gegangen. Es sind in den letzten Wochen viele Sachen positiv zusammengekommen. Ich hatte wieder ein besseres Gefühl, war viel weniger am Denken. Ich muss auch meinem Servicemann und dem ganzen Team ein großes Danke aussprechen. Wenn es nicht geht, dann sucht man oft und rätselt. Wenn es dann wieder läuft sagt man: Es war ja nicht so schwierig. Und man vergisst zum Glück schnell wieder die schwierigen Zeiten. Das geht vielen Athletinnen so. Man lernt viel aus schwierigen Zeiten.

Corinne Suter: Ich habe schon gewusst, dass es bei mir nicht die perfekte Fahrt war. Lara hat sicher von oben bis unten alles perfekt getroffen und durchgezogen. Ich habe unten ein wenig Zeit verloren, war tief im letzten Hang. Es ist gut, dass morgen schon wieder die nächste Abfahrt ist - da kann man sich gleich wieder verbessern. 

Nina Ortlieb: Leider bin ich gleich im oberen Teil von der Spur abgekommen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht nervös war. Nach so einer Leistung gestern weiß man, dass man große Chancen hat. Aber das konnte ich nicht umsetzen. Ein sechster Platz ist schon ein tolles Ergebnis, aber wenn man weiß, dass man mehr draufhat, dann will man das Ergebnis auch ins Ziel bringen.

Nicole Schmidhofer: Ich bin heute total auf Linie gefahren, schön gefahren. So kannst du nicht vorne dabei sein. Jeder kleine Fehler da runter summiert sich. Bei dem einen Übergang war ich am Inninger, da kann man das Tempo nicht mit nehmen. Ich war vom Kopf her einfach zu sehr auf Linie - und habe den Ski zu wenig ausgelassen.

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