Kranke Shiffrin schreibt Geschichte

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Drei Rennen - drei Siege. Mikaela Shiffrin verzauberte am Zauberberg in Semmering alle.

Binnen 57 Stunden triumphierte die 21-Jährige zweimal im RTL sowie beim Nachtslalom und schrieb damit Geschichte. Für Shiffrin war es der zwölfte Slalom-Sieg in Folge, eine solche Serie in einer Disziplin ist noch keiner anderen Läuferin zuvor gelungen.

Zudem ist sie die erste Dame seit 1989 (Vreni Schneider), die drei Technik-Rennen an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf einem Hang für sich entscheiden kann.

Gesundheitliche Probleme

Mit dem ersten Hattrick in der 21-jährigen Geschichte des Weltcups am Semmering wandelt die US-Amerikanerin auch auf den Spuren ihrer Landsfrau Lindsey Vonn, die 2015 in Lake Louise als bisher letzte Läuferin drei Rennen an drei aufeinanderfolgenden Tagen gewinnen konnte.

„Ich bin total fertig, aber natürlich sehr glücklich“, sagte Shiffrin, die in den vergangenen Tagen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. „Ich hatte Probleme mit dem Magen, habe mich krank gefühlt. Ich weiß nicht, ob es die Gruppe ist, oder ob es wegen den Nerven ist.“

Umso bemerkenswerter sind die Leistungen, die sie auf dem Zauberberg ablieferte. Die 21-Jährige überzeugte sowohl bei den schwierigen Neuschnee-Bedingungen am Mittwoch als auch im Finale des Nachtslaloms, wo sie nach einer furiosen Fahrt von Veronika Velez-Zuzulova noch einen draufsetzte. „Ich habe Veronika von oben gesehen und mir gedacht, dass ich dieses Tempo auch fahren muss. Dann hatte ich den Fehler und habe mir nur gedacht: Weiter, weiter, weiter“, schilderte Shiffrin ihren Husarenritt.

„Man könnte fast glauben, die Zeitrechnung traut sich gar nicht auf Rot zu schalten“, schmunzelte ÖSV-Spordirektor Hans Pum ob der Dominanz der US-Amerikanerin in Niederösterreich.

Rekorde von Schneider und Kostelic wackeln

Nach ihrem Sieg am Dienstag hatte Shiffrin noch gemeint, dass ihr Schwerpunkt derzeit auf dem Riesentorlauf-Training liege. "Ich sorge dafür, dass ich hin und wieder einen Slalom fahre, aber ich habe in letzter Zeit eine Menge Riesentorlauf trainiert. Hoffentlich zahlt sich das aus und schadet meinem Slalom nicht allzu sehr", meinte sie.

Die RTL-Siege Nummer zwei und drei und der vierte Slalom-Sieg in dieser Saison bestätigen den eingeschlagenen Weg der Technik-Spezialistin.

Nach ihrem Triumph im Nachtslalom in Semmering ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Shiffrin zwei absolute Ikonen des Skisports einholt. Die 21-Jährige konnte die vergangenen zwölf Slaloms, bei denen sie am Start stand, für sich entscheiden. Saisonübergreifend hält sie nun bei sieben Siegen in Serie, womit nur mehr einer auf die Bestmarke von acht in dieser Disziplin fehlt. Aufgestellt haben diese Rekordserie die Schweizerin Vreni Schneider (in den Jahren 1988/1989) und die Kroatin Janica Kostelic (2000/2001).

"Ich schaue nicht auf Rekorde", meinte Shiffrin. "Das ist etwas, das ich normalerweise nur in Interviews zu hören bekomme, dann finde ich es meist ziemlich cool."

"Bereicherung für den Skisport"

Ziemlich cool findet Shiffrin sicher auch ihren Vorsprung im Gesamtweltcup auf Lara Gut, den sie in den vergangenen drei Tagen auf 215 Punkte ausbaute. „Unglaublich, was sie für ein Pensum absolviert. Sie steckt die Strapazen der vielen Rennen ganz gut weg und bekommt die unterschiedlichen Disziplinen - auch den Super-G - immer besser unter einen Hut. Sie fährt eine sensationelle Technik und ist mental irrsinnig stark“, merkte Hans Pum an.

„Was sie in diesem Alter schon alles erreicht hat, muss man einfach anerkennen. Sie ist eine Bereicherung für den Skisport“, zollte der ÖSV-Sportdirektor der 21-jährigen Ausnahme-Könnerin Respekt und sah Parallelen zu Marcel Hirscher. „Es gibt viele Gute, aber von den Guten setzen sich immer noch ein paar ab, die sehr gut sind. Die sind extrem in jeder Hinsicht und das ergibt schließlich den Erfolg.“

In Zeiten des Erfolgs denkt die US-Amerikanerin aber auch an die schwierigen Zeiten ihrer Karriere zurück. Erst im vergangenen Dezember stoppte Shiffrin eine Knieverletzung, eine zweimonatige Pause war die Folge. „Das Jahr war verrückt, auch wegen der Verletzung. Aber es war dennoch eines meiner besten Jahre“, sagte Shiffrin.

Sollte es in dieser Tonart weitergehen, könnte 2017 für Shiffrin eines der erfolgreichsten ihrer bisherigen Karriere werden. Der nächste Hattrick in Semmering muss allerdings warten, der Weltcup ist erst wieder 2018 in Niederösterreich zu Gast.

Vom Semmering berichtet Daniela Kulovits

Textquelle: © LAOLA1.at

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