Die wichtigsten Fragen vor dem Weltcup-Endspurt

Die wichtigsten Fragen vor dem Weltcup-Endspurt Foto: © GEPA
 

Der Ski-Weltcup steuert auf den Zielhang zu! Eine aufgrund der Corona-Pandemie besondere Saison rüstet für die letzten Rennen, nur mehr zwei Weltcup-Wochen stehen für Damen und Herren auf dem Programm.

So kurz vor dem Finale drängen sich einige Fragen auf: Wer gewinnt den Gesamtweltcup? Welche Kristallkugeln sind noch zu vergeben und wo dürfen sich die ÖSV-Stars noch Chancen ausrechnen? Entgehen die Österreicherinnen einer sieglosen Saison? Und nicht zu vergessen: Wer gewinnt den prestigeträchtigen Nationencup?

LAOLA1 versucht, Antworten auf die wichtigsten Fragen vor dem Saison-Endspurt zu finden. Auch deine Meinung ist gefragt, stimme ab!

Wie viele Rennen sind noch zu fahren?

Insgesamt sind in den verbleibenden zwei Weltcup-Wochen noch 13 Rennen geplant, je sechs bei Damen und Herren sowie ein Parallel-Event. Die Damen bestreiten am Wochenende ein Slalom-Doppel im schwedischen Aare, für die Herren geht es im slowenischen Kranjska Gora nahe der Kärntner Grenze im Slalom und Riesentorlauf um wichtige Punkte.

In der nächsten Woche folgt bereits das Weltcup-Finale in Lenzerheide (17. bis 21. März). Im Schweizer Kanton Graubünden stehen für die Damen und Herren jeweils noch eine Abfahrt, ein Super-G, ein Riesentorlauf und Slalom auf dem Programm, dazu kommt ein Team-Event (19.3.).

Wer gewinnt den Gesamtweltcup?

Der Kampf um den "depperten Glasbecher" - wie Marcel Hirscher die große Kristallkugel einst bezeichnete - verspricht sowohl bei Damen als auch Herren Spannung pur. Am vergangenen Wochenende konnten auf beiden Seiten die Jägerinnen und Jäger einiges an Boden gutmachen.

Bei den Damen führt Doppel-Weltmeisterin Lara Gut-Behrami, der Vorsprung der Schweizerin auf Petra Vlhova ist aber bis auf 36 Punkte zusammengeschmolzen. Da Gut-Behrami bei den beiden Slaloms in Aare (Freitag und Samstag) nicht antritt, wird die Technik-Spezialisten aus der Slowakei aller Voraussicht nach als Gesamt-Führende zum Finale nach Lenzerheide reisen.

Bei den Herren lautet das Duell um die große Kugel Alexis Pinturault gegen Marco Odermatt. Pinturault patzte in Saalbach im eigentlich für ihn maßgeschneiderten und vom eigenen Trainer gesetzten Super-G als 15., womit sein Guthaben auf Odermatt im Gesamtweltcup auf 81 Zähler schrumpfte. Der 29-jährige Franzose hat allerdings den Vorteil, noch zwei Slaloms zu bestreiten. Der 23-jährige Odermatt wird die zwei ausstehenden Torläufe definitiv nur als interessierter Zuseher erleben.


Welche Kugeln sind sonst noch zu vergeben?

Abgesehen von den großen Kristallkugeln sind auch noch einige kleine zu haben. Bei den Damen ist Kristall bisher im Super-G (Lara Gut-Behrami), Riesentorlauf (Marta Bassino) sowie im Parallel-Weltcup (Petra Vlhova) vergeben. In der Abfahrt ist der Vorsprung der verletzten Sofia Goggia vor dem letzten Rennen gegenüber Corinne Suter auf 70 Punkte geschmolzen. Die Schweizerin hat damit die besten Chancen - wie bereits im Vorjahr - sich die Kugel zu sichern. Lara Gut-Behrami sitzt ihr allerdings mit 27 Zählern Rückstand im Nacken. Goggia will allerdings nicht tatentlos zuschauen und hofft auf ein Blitz-Comeback beim Finale. Im Slalom sind vor den verbleibenden drei Rennen hingegen noch mehrere Läuferinnen im Kristall-Rennen. Petra Vlhova (480) führt vor Mikaela Shiffrin (435), Katharina Liensberger (410), Michelle Gisin (375) und Wendy Holdener (305).

Bei den Herren warten bis auf den Parallel-Weltcup (Alexis Pinturault) noch sämtliche Kugeln auf ihre Besitzer.

In der Abfahrt hält Beat Feuz vor dem Finale alle Trümpfe in der Hand, der Schweizer liegt 68 Punkte vor Matthias Mayer und könnte sein viertes Abfahrts-Kristall in Folge gewinnen. Im Super-G liegt Vincent Kriechmayr in der Pole Position, der Vorsprung des Oberösterreichers auf Marco Odermatt beträgt komfortable 83 Punkte. Für Kriechmayr wäre es seine erste Kugel überhaupt, für den ÖSV das erste Speed-Kristall seit neun Jahren.

Im Riesen läuft wie im Gesamtweltcup alles auf ein Duell zwischen Alexis Pinturault und Marco Odermatt hinaus. Der Franzose führt zwei Rennen vor Schluss 25 Zähler vor dem Schweizer sowie 64 Punkte vor Filip Zubcic (CRO). Im Slalom stehen die Chancen auf Kristall für Marco Schwarz gut. Der Kärntner rangiert vor den verbleibenden zwei Rennen 146 Punkte vor Ramon Zenhäusern bzw. 184 vor Sebastian Foss Solevaag.

Bleiben die ÖSV-Damen ohne Saisonsieg?

Kaum zu glauben, aber den ÖSV-Damen droht eine Saison ohne Weltcup-Sieg. Bisher waren zweite Plätze von Doppel-Weltmeisterin Katharina Liensberger im Slalom sowie Tamara Tippler (Abfahrt und Super-G) bzw. Ramona Siebenhofer (Abfahrt) das höchste der Gefühle für das Team von Christian Mitter.

Der bisher letzte rot-weiß-rote Erfolg im Weltcup datiert vom 29. Februar 2020, damals gewann Nina Ortlieb den Super-G in La Thuile. Es war das letzte Rennen, bevor die Saison aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen wurde. Die Chancen, dass die ÖSV-Damen in dieser Saison doch noch einen 100er anschreiben, sind durchaus vorhanden. Vor allem Liensberger ist nach WM-Gold reif für ihren ersten Weltcupsieg. Im Slalom warten die Österreicherinnen seit 2014 auf einen Erfolg, damals gewann Niki Hosp in Aspen. Im Riesen dauert die Durststrecke mittlerweile fünf Jahre.

Auch in den Speed-Disziplinen sind die ÖSV-Damen nahe am Erfolg dran. Vor allem Siebenhofer zeigt seit Cortina aufsteigende Form, zuletzt in Val di Fassa fehlten nur zwei Hundertstel auf den Sieg.

Gelingt den Herren im Saison-Finale noch ein Riesentorlauf-Sieg?

Die Probleme der Damen kennen die ÖSV-Herren nicht, insgesamt gehen in dieser Saison bereits sieben Siege auf das Konto der Puelacher-Truppe. Diese sind auf drei Disziplinen verteilt: Abfahrt (2), Super-G (2) und Slalom (3). Im RTL darf man von Erfolgen aktuell nur träumen, nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher ist die Ski-Kerndisziplin die Achillesferse des ÖSV. Der letzte Sieg liegt bereits über zwei Jahre zurück – Hirscher gewann im Jänner 2019 in Adelboden. Der letzte österreichische RTL-Sieger, der nicht Hirscher heißt, ist Philipp Schörghofer. Sein Triumph in Hinterstoder liegt bereits zehn (!) Jahre zurück.

Die Hoffnung, dass diese Durststrecke an den nächsten zwei Wochenenden abreißt, ist gering. Zwar sorgte Stefan Brennsteiner zuletzt in Bansko für den ersten ÖSV-Podestplatz im RTL seit Februar 2019, für einen Sieg müsste aber schon einiges zusammenlaufen. Mit Alexis Pinturault, Marco Odermatt, Weltmeister Mathieu Faivre oder dem Kroaten Filip Zubcic ist die Konkurrenz aktuell zu stark. Erfreulich, beim Finale in Lenzerheide ist für den ÖSV auch Junioren-Weltmeister Lukas Feuerstein startberechtigt.

Wer schafft es zum Weltcup-Finale nach Graubünden?

Beim Saison-Abschluss sind wie gewohnt in jeder Disziplin nur die Top 25 der jeweiligen Disziplinen-Wertung startberechtigt, dazu alle Athleten mit 500 oder mehr Punkten im Gesamtweltcup sowie die jeweiligen Weltmeisterinnen und Weltmeister der Junioren-WM in Bansko.

In den Speed-Disziplinen stehen die ÖSV-Teilnehmer für Lenzerheide bereits fest. Auf Damen-Seite sind in der Abfahrt Tamara Tippler, Ramona Siebenhofer, und Mirjam Puchner dabei. Im Super-G sind neben Tippler und Puchner auch Scheyer, Rädler und Venier startberechtigt. Nina Ortieb Ricarda Haaser fällt verletzt aus.

Im RTL haben Katharina Liensberger, Ramona Siebenhofer und Stephanie Brunner ihr Final-Ticket so gut wie in der Tasche. Im Slalom dürfen nach aktuellem Stand neben Liensberger auch Chiara Mair und Katharina Huber ihre Koffer packen, Franziska Gritsch und Katharina Gallhuber müssen sich noch behaupten. Katharina Truppe musste die Saison verletzungsbedingt vorzeitig beenden.

Bei den Herren hat sich neben Vincent Kriechmayr und Matthias Mayer als dritter ÖSV-Fahrer Max Franz für beide Speed-Rennen beim Finale qualifiziert. In der Abfahrt schafften dies noch Otmar Striedinger und Daniel Hemetsberger, im Super-G Christian Walder. Im RTL dürfen Stefan Brennsteiner und Marco Schwarz und wohl auch Roland Leitinger für das Finale planen, Manuel Feller muss in Kranjska Gora punkten. Im Slalom greifen neben Schwarz auch Feller, Michael Matt, Adrian Pertl und Fabio Gstrein an. Christian Hirschbühl ist als aktuell 24. der Slalom-Wertung gefordert.

Kann Österreich den Nationencup gewinnen?

Nach der Schmach im vergangenen Winter will der ÖSV – allen voran der scheidende Präsident Peter Schröcksnadel – den Titel der besten Ski-Nation von der Schweiz zurückerobern. Zumindest bei den Herren ist alles offen: Bei den Rennen in Saalbach verringerte sich der Rückstand des ÖSV-Teams auf die Schweiz auf nur noch 64 Zähler.

Die Damen rangieren hinter der Schweiz (4.340) und Italien (3.629) allerdings nur auf Rang drei (3.305). In der "Gesamtwertung" - Damen und Herren zusammen - beträgt Österreichs Rückstand auf die Eidgenossen bereits 1.099 Zähler. Diesen Rückstand noch aufzuholen, wird ein schwieriges wenn nicht gar unmögliches Unterfangen für den ÖSV.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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