NHL-Playoffs: Das erwartet Grabner & Raffl

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Während sich die Columbus Blue Jackets und die Tampa Bay Lightning im Eröffnungsspiel der Stanley-Cup-Playoffs eine Overtime-Schlacht über 151 Minuten geliefert haben, greifen in der Nacht auf Donnerstag Österreichs NHL-Exporte Michael Grabner und Michael Raffl mit ihren Teams ins Geschehen ein.

Grabners Arizona Coyotes warfen in der Qualifikationsrunde die Nashville Predators aus der Edmonton-Blase und messen sich nun mit dem Zweiten der Platzierungsrunde, den Colorado Avalanche.

Die Philadelphia Flyers von Michael Raffl konnten ihre Gruppe im Osten gewinnen und treffen nun in der ersten Runde auf die Montreal Canadiens, welche Sidney Crosby und Co. in den Urlaub schickten.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller stellt die Gegner der NHL-Österreicher im Detail vor.

Flyers – Canadiens

Als Erster der Eastern Conference ziehen die Philadelphia Flyers in die NHL-Achtelfinali ein und gehen jedenfalls als großer Favorit in diese Serie.

Nicht nur beim abschließenden Sieg gegen Tampa Bay präsentierte sich die Truppe von Alain Vigneault als körperlich starkes Team, das sowohl im Tor (Carter Hart), in der Defensive (Matt Niskanen, Travis Sanheim und Ivan Prokorov) als auch in der Offensive (Claude Giroux, Jakub Voracek) stark besetzt ist. Alles überstrahlt vom Shutdown-Center zum Star gereiften Sean Couturier. Das Torverhältnis von 11:3 in den drei gewonnen Spielen der Gruppenphase spricht für sich. Michi Raffl steht nach seiner im ersten Spiel erlittenen Fußverletzung jedoch noch nicht im Training.

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Was könnte die Flyers aber zum Stolpern bringen?

Carey Price – Schon vor der Serie gegen Favorit Pittsburgh war klar, dass die Canadiens ihren Stargoalie auf höchstem Level brauchen würden. Gesagt, getan, Price stahl die Serie und bestätigte seinen Ruf als Topgoalie der Liga. Schon seine Anwesenheit kann sich beim Gegner in den Köpfen festsetzen. Lediglich in Spiel 4 war er nicht der Held, da sprangen andere für ihn in die Bresche, nämlich:

Phillip Danault, Tomas Tatar und Brendan Gallagher – über lange Zeit der Regular Season die Toplinie, in der Qualifikationsrunde dann aufgesplittet. Nick Suzuki centerte Tatar und Gallagher, Danault spielte zwischen Artturi Lehkonen und Paul Byron. Alles keine Starnamen, aber mit guten Beinen und (teilweise) Händen gesegnete Cracks, überhaupt gelten die Canadiens als leichtfüßiges Team.

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Ein Blick weiter runter im Lineup brachte für mich einen interessanten Namen und einen für die Flyers altbekannten Crack zutage: Alex Belzile kenne ich noch aus von einem AHL-Scouting-Trip vor Jahren, wo er mir positiv ins Auge stach. Dass er sich allerdings von der ECHL in die NHL spielen würde, hätte ich mir nicht gedacht. Dale Weise ist ein alter Flyers-Liniengefährte von Michi Raffl, wurde zuletzt sogar schon in Europa angeboten und hat mit den Flyers noch eine Rechnung offen.

Shea Weber, Jeff Petry und Ben Chariot sind eine sehr gute Top-3, Chariot war bei den Winnipeg Jets erst nach seinem Weggang via Free Agency wertgeschätzt. Weber ist weiter eine Schussmaschine, zu Petry habe ich ein längeres Verhältnis: Beim Lockout 2012 stellte mir Ralph Krueger damals den Kontakt zu ihm her, die Vienna Capitals suchten nach der Verletzung von Dan Bjornlie einen Ersatz. Petry hatte auch Interesse, dass er dann aber Bjornlie eventuell hätte wieder weichen müssen, gefiel ihm weniger und ließ ihn von einer Übersiedlung nach Wien absehen. Corey Potter (ebenfalls von den Oilers) war dann der Ersatz, aber ich frage mich immer noch, wie Petry in Wien performt hätte. Zuletzt spielte er sich in den erweiterten Kreis der NHL-Top-Defender.

Reminiszenzen hin und her, Montreal verfügt über eine gute Top-4-Defensive, das dritte Paar mit dem von mir sehr geschätzten AHL-Veteranen Xavier Oullet und Victor Mete wird aus guten Gründen eher wenig Eis sehen.

Die Flyers sind das tiefere und körperlich stärkere Team, was sich in einer Best-of-seven-Serie (im Gegensatz zum bisherigen Best-of-five) auswirken sollte. Aber ein Team mit Carey Price im Tor ist nie chancenlos…

Colorado – Arizona

Was für Michi Grabner am Anfang die Bubble als sich bubblegummäßig ziehende Veranstaltung ohne aktive Beteiligung aussehen ließ, erwies sich dann für ihn als kleiner Triumph: Der Villacher war ab Spiel zwei mit von der Partie und trug mit zwei Treffern wesentlich zum Aufstieg der Coyotes bei. Nicht nur sein Team profitierte von seiner Wiederauferstehung, sondern auch er selbst: Die Salary Cap bleibt auch in der nächsten Saison mit 81, 5 Mio. Dollar unverändert, die Coyotes sind am Limit angekommen und nur wenige Kontrakte laufen aus. Da stechen die 3,35 Millionen für einen bisherigen Edelreservisten wie Grabner vor der Buyout-Phase arg ins Auge, weitere Galaauftritte könnten ihm dieses Schicksal ersparen.

Was erwartet Grabner und die weiter GM-losen Coyotes mit den Colorado Avalanche?

Speed, Speed, Speed – die Avalanche können dich wirklich fast lawinenhaft mit ihrer Beinarbeit überrollen. Youngster Nathan McKinnon ist der Posterboy für die neue NHL, wo schnelle Beine mit flinken Händen gepaart werden. Ein "Speed Merchant" vor dem Herren, der das Mitteldrittel in Windeseile penetrieren kann. Mikko Rantanen ist der treue Diener an seiner Seite, der sich ebenfalls in die NHL-Elite gespielt hat.

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Joonas Donskoi, der erst verspätet den NHL-Durchbruch geschafft hat, ist mir ebenfalls als Speedster in Erinnerung und gehört neben Nazem Kadri, Andre Burakowsky und Valeri Nichushkin zu den Sommerverpflichtungen von GM Joe Sakic, die Colorado zu einem veritablen Stanley-Cup-Kandidaten gemacht hat. Dazu kommt mit Gabriel Landeskog ein dreifach in der Wolle gegerbter Kapitän mit großen Führungsqualitäten.

Spielmachende Verteidiger sind in der heutigen NHL das Um und Auf und die Avalanche haben mit Cale Makar einen der besten dieses Faches. In seiner Rookie-Saison (50 Punkte in 58 Spielen) überzeugte er mit seinem Stickhandling, Astaire-mäßigen Laufstil und spielte sich bereits in die Stratosphäre eines Victor Hedman oder Erik Karlsson.

Samuel Girard war bis vor kurzem auch nur im familieneigenen Haushalt ein "household name", ist aber ebenfalls ein cleverer Puckmover. Makar und Girard neigen das Eis stets Richtung gegnerisches Tor. Ryan Graves und Eric Johnson sind ihre ebenfalls überdurchschnittlichen Sekundanten.

Goalie Philipp Grubauer bzw. Backup Pavel Francouz werden allgemein nicht so hoch eingeschätzt (zumindest mit heutigem Datum) wie Arizonas Darcy Kuemper, der gegen Nashville zeitweise auf dem Kopf stand. Doch die mobile Defensive, der gruselige Speed sowie Grinders wie Pierre-Edouard Bellemare oder Matt Calvert können das Geschehen von eigenen Kasten fernhalten und Grubauer gehört ja auch nicht zu den Risikofaktoren der Liga.

Die Coyotes überraschten bereits gegen die Predators und die Schlüsselspieler der Avalanche sind nicht gerade Playoff-Routiniers – ein Weiterkommen wäre ein Coup, aber keine Riesensensation.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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