U20 hätte sich mehr verdient

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Fazit von LAOLA1-Scout Freimüller nach U20-WM

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Zwei Siege, ein fünfter Endrang – die U20-B-WM entsprach den Erwartungen, nach dem guten Auftakt mit zwei Siegen wäre aber doch etwas mehr drinnen gewesen. Ein Fazit:

Was mit zwei souveränen Siegen gegen Norwegen (6:3) und Deutschland (3:0) begann, ging mit drei Niederlagen gegen Kasachstan (3:6), Frankreich (3:4) und Aufsteiger Belarus (0:4) zu Ende. Aufgrund dieser Tendenz verblieb ein leicht enttäuschender Nachgeschmack, auch wenn die Leistungen dem Potenzial des Teams ungefähr entsprachen. Ein Überblick über die positiven und negativen Seiten des Turniers:

+ Wer hätte vor Jahren noch gedacht, dass Österreich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Norwegen und Deutschland schlägt? Norwegen, dessen Abwärtstrend im Nachwuchs heuer mit dem Abstieg endete, hatte beim 3:6 überhaupt keine Chance, auch Deutschland scheiterte beim 0:3 am Tempospiel der Truppe von Coach Roger Bader. Danach war der Abstieg zumindest praktisch schon vermieden, theoretisch dauerte es aber bis zum vierten Tag.

+ Überhaupt kann das Team inzwischen ein weit höheres Tempo gehen als noch vor Jahren. Das ist auch dringend notwendig, denn im Teilnehmerfeld fand sich kein einzig richtig schwaches Team. Bremerhaven war kein Turnier, wo ein Sieg gegen einen Nachzügler wie etwa Italien im letzten Jahr ein Selbstläufer gewesen wäre.

+ Auch wenn die Leistungskurve bei einigen Spielern gegen Ende des Turniers nach unten ging, bewiesen sie, dass wir sie in den nächsten Jahren im Nationalteam oder zumindest in der EBEL sehen werden. Der überragende Lukas Haudum bringt für mich alles für einen wertvollen Drittlinienspieler mit – nicht in der EBEL, sondern in der SHL. Solide auf den Eisen (unglaubliche Balance!), schnelle Richtungsänderungen, genaue Pässe und ein harter Schuss (könnte ihn noch öfters verwenden) – ein tolles Paket! Ebenfalls mit guten Perspektiven und teilweise ohnehin schon im Seniorennationalteam dabei: Defender Bernd Wolf, der torgefährliche Christopf Kromp und der wendige Daniel Wachter. Ihren Leistungsaufschwung in dieser Saison bestätigten auch Lukas Birnbaum, Dario Winkler und Benjamin Nissner. Felix Maxa war ein solider und körperlich starker Center, solange er noch Kraft hatte, seine Beiträge waren nach seinem Kreuzbandeinriss sehr wichtig. Ebenfalls mit einem guten Turnier: Christof Wappis als Bestandteil der Salzburger Linie mit Wachter und Winkler sowie die Defender Michael Kernberger und Kele Steffler.

+ Trotz Ausfällen von mehreren Angreifern (Baltram, Jennes, Ranftl, Obersteiner, Klöckl, Adlassnig, nach dem ersten Spiel auch Bär) konnte Bader noch auf drei solide Angriffslinien zurückgreifen, im vierten Block musste Defender Andreas Huber aushelfen. Das österreichische Eishockey produziert zumindest in guten Jahrgängen – und der 97er war ein sehr guter – doch genügend Cracks, die bei solchen Turnieren nicht ganz abfallen. Unendlich ist der Nachschub vor allem bei Top-6-Cracks aber natürlich auch nicht und in schlechten Jahrgängen wird es schnell grimmig.

Ein Sieg mehr oder weniger kann bei einer solchen WM schon drei Tabellenränge bedeuten – siehe das Turnier in Wien, wo drei Siege den zweiten Platz ergaben. Woran haperte es in den beiden Spielen gegen Frankreich und Kazachstan (Belarus stand über den Dingen)?

Torhüter: Es zieht sich wie ein roter Faden durch alle Nationalteams (sowohl Senioren als auch Junioren): Auf der Goalieposition sind wir ins Hintertreffen geraten. Es reicht zwar immer wieder zu einzelnen guten Spielen (Thomas Stroj letztes Jahr und Dominic Divis heuer jeweils gegen Deutschland). Dass ein Goalie aber über ein ganzes Turnier ein solider Rückhalt ist, war zuletzt mit David Kickert 2013/14 der Fall. Dieses Thema wird uns auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen…

Disziplin: Es war wie ein Rückfall in längst vergangene Zeiten – die saudummen Strafen von Lukas Birnbaum und Bernd Wolf beim Stande von 3:3 gegen Frankreich. Beide sind solcher Sachen normalerweise unverdächtig, aber sie kosteten uns zumindest die Overtime und einen höheren Rang im Endklassement. Mehr Physis in Birnbaums Spiel ist immer gerne gesehen, leider war sein Check von hinten in die Bande aber von einem einmalig schlechten Timing…

Mangelnde Kraft: Gegen Ende des Turniers ging das Team schon etwas am Stock und konnte nicht mehr zulegen. Einige Krankheiten in der Vorbereitung trugen dazu bei, allerdings haben wir physisch weiter Aufholbedarf. Zwar haben unsere Cracks über die Jahre sicherlich körperlich zugelegt, doch von der erweiterten Weltspitze – wo die Spieler groß UND beweglich sind – sind wir noch weit entfernt. Turniersieger Belarus kombinierte Size und Skills am besten, das deutsche Team war auch körperlich stark, ließ aber einiges an Beweglichkeit und Puck Skills vermissen. Doch vor allem unserer blauer Linie (Kragl, Nussbaumer und Matzka) hätten einige zusätzliche Zentimeter und Kilos noch gutgetan.

Fazit: Ein Sieg mehr wäre durchaus drinnen gewesen und hätte dem Leistungsvermögen des 97er-Jahrgangs auch eher entsprochen. Schade dabei vor allem um die Ausfälle von Florian Baltram und Christian Jennes – ein 1-2-Punch mit Baltram und Haudum hätte wohl den Unterschied gemacht. Seit die B-WM nicht mehr zweigeteilt wird, reichte es für Österreich viermal zum fünften Rang, einmal zum vierten und in Wien zum zweiten Rang.

Zum Turnier selbst: Eher lieblos veranstaltet, der DEB war vor Ort kaum vertreten und überließ Bremerhaven die Ausrichtung. Einige Teams klagten über die Verpflegung und Kabinensituation, die täglich verlautbarten 1600 Zuseher waren wohl um etwa die Hälfte zu hoch gegriffen. Und selbst in weniger eishockeyaffinen Ländern ist es mir in den letzten 30 Jahren nie passiert, dass einer Frage nach den Kaderlisten nur mit völligem Unverständnis begegnet wurde.

Ein Blick in die Zukunft:

Zwei kaum beachtete Dinge am Schlusstag machen die Sache für Österreich im nächsten Dezember auch nicht leichter: Kazachstan schaffte den Klassenerhalt, damit droht nicht nur eine Reise nach Astana, sondern auch ein Gegner, der uns weit weniger liegt als Sensationsabsteiger Norwegen. Und Aufsteiger Ungarn ist höher einzuschätzen als die Polen, die vor dem letzten Turniertag in Budapest noch alle Trümpfe in der Hand hatten.

Erwarte jedenfalls das jüngste U20-Team aller Zeiten. Gut vorstellbar, dass der 98-Jahrgang nur ungefähr die Hälfte des Teams stellen wird, heuer schafften es mit Goalie Jakob Holzer, Yannic Pilloni, Nico Feldner sowie Steffler gerade vier Cracks ins Team – ein absoluter Leistungsträger war keiner von ihnen. Das Team wird sicher viele 99er (wieder ein besserer Jahrgang) und sogar 00er (Baumgartner, Lanzinger) aufweisen, selbst der Einsatz des 01er-Ausnahmetalents Marco Rossi ist vorstellbar. Sollte hier der Klassenerhalt abermals gelingen, sieht es für die Jahrgänge 99 – 01 wieder sehr positiv aus…


Textquelle: © LAOLA1.at

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