"Jugend forscht" das ÖEHV-Motto bei U20-WM

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Wie immer knapp vor Weihnachten steht das wichtigste Turnier für den österreichischen Eishockey-Nachwuchs an: In den französischen Ski-Orten Courchevel und Meribel geht es vom 10. bis 17. Dezember bei der B-WM der U20 vor allem darum, den Abstieg in die dritthöchste Leistungsstufe zu vermeiden. Das soll eine Mannschaft möglich machen, die so jung wie noch nie ist...

Nach drei Jahren unter Roger Bader – diesmal ist er nur als Delegationsleiter dabei – steht sein ehemaliger Assistent Alexander Mellitzer an vorderster Front. Der ehemalige KAC-Head-Coach wird dabei von den langjährigen EBEL-Profis Philipp Pinter und Marco Pewal unterstützt, für die das Turnier auch die erste Bewährungsprobe als Coaches darstellt.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller bewertet die Chancen und beleuchtet den Kader Österreichs:

Während es vor drei Jahren noch ein Entscheidungsspiel gegen Slowenien gab, konnte in den letzten beiden Jahren der Abstieg schon früh abgewendet werden. Bei der Heim-WM in Wien vor zwei Jahren schaute sogar ein zweiter Platz heraus, was den zwölften Platz in der Weltrangliste bedeutete.

Doch nicht nur, dass die Konkurrenz sehr stark ist (einzig Aufsteiger Ungarn ist wohl klar hinter Lettland, Deutschland, Frankreich und Kasachstan einzureihen), kann Mellitzer heuer nicht mehr auf die starken Jahrgänge 1996 und 1997 bauen.

Die Geburtsjahre 1998 und 1999 sind sehr dünn aufgestellt, Mellitzer griff daher schon auf die nachfolgenden sehr starken 2000er und 2001er zurück: "Diese Spieler sind technisch und läuferisch weit entwickelt, daher war für mich die Nomination klar." Das galt spätestens nach dem Test-Turnier im November in Lettland, als der Gastgeber mit 4:1 besiegt werden konnte und auch A-Gruppen-Nation Dänemark erst in der Overtime gewann.

Ein Mutmacher also für eine WM, in der der Klassenerhalt schon ein Erfolg wäre, auch wenn bei den Junioren Emotionen und Turnierverlauf Voraussagen sehr schwer machen. Bestes Beispiel dafür: Norwegen – im Seniorenbereich eine solide A-Nation – stieg mit der U20 letztes Jahr in die C-Gruppe ab.

Doch auch Mellitzer weiß: "Es wird wohl auf das Spiel gegen Ungarn am letzten Tag hinauslaufen."

Zum Kader:

Jakob Holzer (KAC II) ist der einzige konkurrenzfähige Goalie des 1998er-Jahrgangs und wird seine zweite U20-WM auch als Starter beginnen. Wie sein Backup Max Zimmermann (1999, Vienna Capitals II) spielt er zwar Senioren-Eishockey, beide stehen allerdings in den Farmteams und damit in den Schießbuden der jeweiligen Ligen (AlpsHL bzw. Erste Liga). Haltbare Gegentreffer im Ligabetrieb haben kaum Einfluss auf das Endergebnis, bei der WM können sie allerdings den Abstieg bedeuten.

Mellitzer griff auf die Variante mit acht Defendern und zwölf Angreifern zurück, dazu gehören allerdings zwei Joker: Yannic Pilloni (RB Salzburg II) wurde erst im November zum Defender umfunktioniert, auch David König (Lustenau) kommt im Verein als Stürmer zum Einsatz. Sie alle gehören zur Kategorie der guten Eisläufer und Puckmover mit allerdings überschaubarem Körperspiel, ein Leitfaden, der sich durch das ganze Team zieht.


VIDEO - Die drei schönsten Tore vom Österreich Cup:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


Das entspricht natürlich dem Trend des modernen Eishockeys, aber in gewissen Situationen könnte der Mangel an Zentimetern und Kilos doch zu einem Problem werden. Vor allem in der Defensive wäre aber die Alternative nur "groß, aber mit problematischen Beinen und Händen" gewesen. Auch im Angriff definiert sich einzig Salzburg-Stürmer Nico Feldner über seine Muskelmasse, die er zumindest gegen Polen gut einbrachte.

Die EBEL ist nicht vertreten

Nicht nur angesichts der Jugend des Kaders wird Mellitzer jedenfalls die Eiszeit gleichmäßig über das Line-up verteilen müssen, um so einen Kräfteverschleiß vor dem Schlussspiel gegen Ungarn zu vermeiden und das größte Faustpfand – den Teamspeed – einbringen zu können. Das gute eisläuferische Niveau des Teams könnte auch für das eine oder andere zusätzliche Powerplay sorgen.

Kein einziger Spieler kommt in der EBEL zum Einsatz, viele davon aber in der AlpsHL bzw. Ersten Liga. Dazu kommen noch Cracks aus ausländischen Junioren-Ligen wie die beiden Defender David Maier und Niklas Würschl (Schweden) sowie die Schweiz-Legionäre Gregor Pilgram, Timo Demuth, Benjamin Baumgartner und Marco Rossi. Tim Harnisch ist mit der internationalen U18 von RB Salzburg in der tschechischen Liga unterwegs...

Neben den Torhütern und eventuellen körperlichen Defiziten die größte Frage: Gibt es im Team genug Scoring-Potenzial? Bei den beiden 5:2-Testsiegen gegen die C-Gruppen-Nation Polen war "Scoring by committee" angesagt, etwas, was auch für das Turnier gelten wird.

Hoffnungen auf den Team-Küken

Am jüngsten Stürmer des Turniers, Marco Rossi, hängen schon große Hoffnungen, er traf zuletzt auch regelmäßig. Er ist genauso ein 2001er-Jahrgang wie der dynamische Tim Harnisch und Defender Thimo Nickl (KAC II), dazu kommen noch die 2000er Benjamin Baumgartner (Davos) sowie der spielstarke Verteidiger David Maier (Södertälje). Beide sind fast drei bzw. vier Jahre jünger als die Konkurrenz, ihr Talent ist jedoch unbestritten und ein Vorbote auf zwei ausgezeichnete Jahrgänge. Gehe davon aus, dass die anwesenden NHL-Scouts ihre Schreibgeräte vor allem für Reports über diese „First-year eligibles“ (Baumgartner, Maier), „Underagers (Harnisch)“ bzw. sogar „Double-Underagers“ (Nickl, Rossi) zücken werden.

Der schwere, aber angesichts eines Gruppengegners wie Ungarn natürlich nicht unmögliche Klassenerhalt wäre angesichts der nachfolgenden starken Jahrgänge Gold wert. Die WM steht für Österreich jedenfalls angesichts der Besetzung vor und hinter der Bande unter dem Motto "Jugend forscht"...

10.-16.12.2017: IIHF Weltmeisterschaft Division I Gruppe A
Ort: Courchevel-Meribel/Frankreich
Teilnehmer: Österreich, Lettland, Deutschland, Frankreich, Kasachstan, Ungarn

10.12.2017, 18:00 Uhr: Österreich - Frankreich
12.12.2017, 19:00 Uhr: Deutschland - Österreich
13.12.2017, 19:00 Uhr: Lettland - Österreich
15.12.2017, 19:00 Uhr: Kasachstan - Österreich
16.12.2017, 16:00 Uhr: Österreich - Ungarn

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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