Bozen: Rundum stark! Der Favorit?

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Die Eishockey-Saison ist bereits voll im Gange, der HC Bozen konnte wegen Coronafällen aber noch nicht ins Geschehen eingreifen. Am Freitag soll sich dies mit dem Spiel gegen den HC Innsbruck allerdings ändern (ab 19:45 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker).

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller nimmt in seiner traditionellen Saison-Vorschau alle Teams unter die Lupe. Der HC Bozen profitiert von seiner Situation als Anlaufstelle der besten italienischen Cracks und vieler Italo-Kanadier, auch die Corona-Krise wurde auf Seiten des Kaders gut überstanden - vielleicht der große Favorit?

Das sollte klappen

Greg Ireland dürfte eine der ganz wenigen Personen in der ICE sein, deren Vertrag sich durch Corona nicht verschlechtert haben. Nach hartem und zähem Ringen konnten er und Bozen-Capo Dieter Knoll sich über einen neuen Kontakt einigen. Die Zeit der Billigsdorfer-Trainer (Simioni, Curcio, Beddoes), die oft die Weihnachtsglocken schon wieder in ihrer Heimat hörten, ist damit vorbei. Über sein Gehalt kann sich Ireland, der nebenbei auch das italienische Nationalteam coacht, nicht beklagen. Bei einem anderen Punkt biss er in Bozen jedoch auf Granit: Die Kaderzusammenstellung bleibt weiter in den Händen von Knoll und seinen Mitstreitern, im Gegensatz zu anderen Teams knickt der sportliche Leiter nicht vor den Wünschen seines Coaches ein.

Ireland hat wirklich keinen Grund zu klagen, selbst ohne Corona würde sein Kader alle Stückerln spielen, so noch mehr. Im Gegensatz zu anderen Spitzenklubs, die vor allem ihre Legionäre reduzierten, ist das Bozner Aufgebot qualitativ und quantitativ stark besetzt: Beide Goalies, sechs Defender und 13 Angreifer weisen (mindestens) gutes Liga-Niveau auf. Knoll kann immer aus zwei Märkten für seinen Kadergrundstock auswählen: Einheimischen (Tauferer, Bernard, Deluca, Frank, Frigo, Insam) und dem schier unendlichen Meer aus Italo-Kanadiern (zu Fazio, Alberga, Bardaro, Giliati und Miceli kamen heuer noch die Defender Di Perna und Plastino sowie der Ex-Salzburger Dustin Gazley dazu). Qualität mit reduzierten Punktewerten lässt Raum für Fulltime-Legionäre frei, von denen derzeit sechs im Kader stehen, was sich aber noch ändern kann.

Leland Irving gehörte in den letzten Jahren zu den Top-Goalies der Liga, Corona ließ seine Träume von einem DEL-Engagement aber zerschellen. Sein Backup Justin Fazio zeigte sich in der letzten Saison grundsolide. In der Defensive muss Nick Plastino wie in der KHL oder Ambri ein absoluter Powerplay-Spezialist sein. Im (fast überbesetzten) Angriff sollten vier vollwertige Linien auf beiden Seiten des Eises solide agieren, wobei Leute wie Domenic Alberga, Daniel Frank, Anton Bernard und Luca Frigo ihre Rollen als Grinder und PK-Guys stabil ausfüllen. Für die offensiven Glanzlichter sollten Anthony Bardaro (schaffte den Sprung von der AlpsHL in die EBEL spielend), Heimkehrer Brett Findlay, Angelo Miceli und Gazley (wie Stefano Giliati einer der Top-Skater der Liga) sorgen, da sind selbst die graduellen Leistungsrückgänge von Marco Insam und Daniel Catenacci eingepreist.

Das könnte klappen

Gleason Fournier war in den letzten Jahren der dominierende Defender – vielleicht sogar Spieler – der britischen EIHL. Leichtfüßig, mit einem aktiven Stock und herausragenden Powerplay-Fähigkeiten. Kann auch in einer besseren Liga dominieren oder ist er einer jener Spieler, die ihre Rolle in einem tief besetzten Team nicht so recht finden? Ich habe ihn nur einmal in der CHL live gesehen, da war er gut, aber nicht herausragend. Ein britischer GM hat ihn mir aber als eine Klasse besser als Josh Roach beschrieben und der war in Linz herausragend. Mit Fournier, Plastino und den knapp vor Saisonbeginn geholten Ben Youds (ein mobiler Puckmover und -Carrier) stehen aber jedenfalls drei Defender mit Offensivpotenzial im Kader.

Es gibt genug Beispiele, dass Heimholaktionen von Spielern oder Coaches oft nur den verzweifelten Versuch darstellen, alte Zeiten wiederaufleben zu lassen. Mit Brett Findlay und Mike Halmo kehren gleich zwei Ex-Bozner zurück, Alex Petan wäre der dritte gewesen, zog aber (überraschend) Szekesfehervar vor. Findlay und Halmo versagten keineswegs in der DEL, waren in Iserlohn lediglich ein bis zwei Reihen zu hoch gereiht, Halmo hatte sogar noch ein Angebot zur Vertragsverlängerung vorliegen, in Finnland zuvor waren seine Beine nicht gut genug. Können Findlay (ein Playmaker, der aber auch defensiv solide agiert) und Halmo, der mit seiner Aggressivität ein Schlüsselmann beim letzten Meistertitel war, an alte Zeiten anknüpfen?

Das Problempotenzial

Wo sich heuer sogar Spitzenteams wie Klagenfurt, Wien oder Salzburg in den hinteren Reihen ausdünnen, sind die Südtiroler tief besetzt und haben sogar noch Spielraum für weitere Verstärkungen. Allerdings: Kann es sein, dass zu wenige Indianer zu vielen Häuptlingen gegenüberstehen? Ein Erste-Welt-Problem natürlich, aber nicht ganz auszuschließen. So zähle ich etwa zwölf Cracks, die sich um die zehn Plätze im Powerplay balgen könnten.

Dieter Knoll hat mit der Stadt Bozen und dem Land Südtirol schon seit jeher ein gutes Verhältnis, im Gegensatz zu so manchen österreichischen Behörden versucht man ihm in Corona-Zeiten zu helfen, wo es nur geht. Aber: Sind gerade die heißblütigen Tifosi hinter dem Tor Leute, die Masken tragen und Abstand halten? Und halten die offenen Grenzen zwischen Österreich und Italien? Auch wenn Knoll die sinkenden Preise auf dem Spielermarkt nutzte – billig ist die Truppe auch wieder nicht…

Wo könnte nachgerüstet werden?

Der Kader steht nach der Verpflichtung von Youds fürs Erste, bei Verletzungen kann noch ein Legionär kommen.

Der Ausblick

Neben dem VSV ist der HCB Südtirol für mich das einzige ICE-Spitzenteam, das gegenüber der letzten Saison mindestens gleichstark geblieben ist, vielleicht sogar zugelegt hat. Und das von einem Ausgangsniveau, das in der letzten Saison wohl mindestens mit einem Finalplatz geendet hätte…

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Textquelle: © LAOLA1.at

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