EBEL-Playoffs: Was spricht für wen?

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54 Spiele des Grunddurchgangs und der Zwischenrunde sind gespielt, jetzt beginnt mit den Playoffs die heiße Phase der EBEL-Saison (Viertelfinal-Spiele 1 am Mittwoch ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker)!

Die Viertelfinal-Paarungen stehen fest, die Vorzeichen sind abgesteckt: Ein Ost-Derby zwischen Vienna Capitals und HC Znojmo. Das Duell der positiven Überraschung Graz99ers gegen die negative, die Black Wings Linz. Eine Revanche aus dem Vorjahr zwischen dem KAC und Meister HC Bozen sowie der Kampf auf Augenhöhe zwischen Fehervar und strauchelnden Salzburger Bullen.

Wer sich bislang nicht intensiv mit dem Saisonverlauf auseinandergesetzt hat oder noch einmal auf der Suche nach einer kompakten Zusammenfassung ist, für den hat LAOLA1 die Vorzeichen vor den Viertelfinal-Duellen zusammengefasst. Was spricht für jedes Team? Hier findest du die Antworten:

Vienna Capitals - HC Znojmo

Bisherige Saisonduelle: 5:2 (in Znojmo), 3:9 (in Wien), 3:0 (in Wien), 7:5 (in Znojmo) - gesamt 3:1 Capitals

Die Ausgangslage: Wer die Wahl hat, hat die Qual? Für die Vienna Capitals wohl nur bedingt der Fall. Mit zehn Siegen aus den zehn Spielen der Pick-Round haben die Wiener - wie schon öfters in den letzten zwei Jahren - einen EBEL-Rekord purzeln lassen, nach dem Dreikampf mit Graz und KAC aus dem Grunddurchgang sind die Kagraner nun wieder das Team der Stunde, auf das niemand treffen wollte. Mit der freien Wahl aus Salzburg, Bozen, Linz und Znojmo trafen die Wiener fast schon eine logische Wahl: Salzburg ein Top-Klub mit schwerer Saison, aber immer knappen Ergebnissen gegen die Capitals, Bozen der ewig weit entfernte, regierende Meister und Linz eine unangenehme Auswärtsfahrt, da erschien ein "Ost-Derby" mit dem achtplatzierten HC Znojmo einfach zu attraktiv. Die kurze Anfahrt ist ebenso für beide Mannschaften ein Plus wie die Stimmungslage, wenn es gegeneinander geht. So gaben die Caps den Trend vor - erstmals in der Geschichte des Pick-Rechts entschieden sich die vier Top-Platzierten gemäß der Setzung, der Erste also für den Achten und so weiter.

Während sich die Capitals in jüngerer Vergangenheit zu jener Mannschaft entwickelt haben, die es zu schlagen gilt, hat Znojmo zwei schwierige Jahre hinter sich, in der um die eigene Ausrichtung gekämpft wurde, gegenwärtig ist sogar die Frage der weiteren Liga-Zugehörigkeit offen. Das hat sich die ganze Saison über in wechselhaften Leistungen ausgedrückt, auch in der Qualification-Round zehrte man von einem guten Start. Aber Achtung: Znojmo hatte gegen die Caps schon zwei gute Tage in dieser Saison, an denen insgesamt 14 Tore erzielt wurden, 9:3-Schmach in Wien inklusive!

Znojmo jubelte schon in Wien
Foto: © GEPA

Was für die Vienna Capitals spricht: Die Form der Wiener ist bestechend. In der Pick-Round wurden nur zwei Punkte - beide gegen Salzburg - abgegeben, die meisten Tore und die wenigsten Gegentreffer unterstreichen die Qualitäten vorne wie hinten. Die Caps spielen unter Dave Cameron, der vor der Saison von Serge Aubin übernahm, weiterhin bestechend dynamisches Eishockey, passt die Stimmung, waren die Wiener bislang kaum zu schlagen.

Mit Peter Schneider, Vize-"Champion" bei der Wahl zum ÖEHV-Spieler des vergangenen Jahres ist der Liga-Topscorer und erneut ein MVP-Kandidat in den eigenen Reihen, Chris DeSousa findet sich im Ranking auch auf Rang vier. Jean-Philippe Lamoureux hat mit ÖEHV-Teamgoalie Bernhard Starkbaum den prominentesten Rückendecker der ganzen Liga hinter sich und muss die Last nicht mehr alleine tragen, dazu ist der HC Znojmo ein dankbarer Auftaktgegner, der zumindest mit der kurzen Anreise im Bereich abseits des Eises nicht zu viel Kräfte kostet.

Was für den HC Znojmo spricht: Die Tschechen sind physisch stärker aufgestellt als in den letzten Jahren und können dem Gegner in der Hitzigkeit der Playoffs auf diese Weise lästig werden - eine Stärke, die auf andere Art auch der HC Bozen bei seiner Meister-Sensation im vergangenen Jahr auszuspielen wusste. Im Gegensatz zu der Foxes-Meistermannschaft liegt die Stärke des HC Znojmo aber sicher nicht in der Defensive.

Während der alternde B-prominente Goalie Teemu Lassila mit einer Save Percentage von 88,9 Prozent hinter den Erwartungen bleibt und die Südmähren mit 163 Gegentreffern beinahe die meisten (der ernstzunehmenden Teams, Zagreb also ausgenommen) einstecken mussten, bewegt sich der Wert von 164 geschossenen Toren im Bereich der Spitzenmannschaften, teilweise sogar darüber. 37 Tore waren klar bester Wert der Qualification-Round, fünf Znojmo-Spieler befinden sich unter den Top-20 der EBEL-Scorerliste. Man kann den Wienern Tore schießen, das wurde bereits bewiesen - aber vier Siege werden für den klaren Außenseiter schwer.

Graz99ers - Black Wings Linz

Bisherige Saisonduelle: 4:0 (in Graz), 2:5 (in Linz), 5:4 n.P. (in Linz), 5:1 (in Graz) - gesamt 3:1 99ers

Die Ausgangslage: Wo kam denn das her? Die Graz99ers haben sich über den Sommer vom letzten Platz der Qualification-Round 2017/18 in die Liga-Spitze katapultiert und mit dem Sieg im Grunddurchgang sogar das CHL-Ticket gelöst, damit hat kaum jemand gerechnet - die prominente Verpflichtung von Stanley-Cup-Sieger Dwight King hin oder her. Die Murstädter sind gleich beeindruckend in die Saison gestartet und blieben den Vienna Capitals immer auf den Fersen, ähnlich wie die Wiener leisteten sich die 99ers eine rund einmonatige Schwächephase von Mitte November bis Weihnachten. Im Anschluss waren die Grazer voll da, in den 14 Spielen von Weihnachten bis Pick-Round wurden nur mehr acht Punkte liegengelassen. Durch einen 5:3-Sieg im direkten Duell in Wien wurden die Caps noch abgefangen. Nach gutem Start in die Zwischenrunde war etwas die Luft raus, vier Niederlagen wurden hingenommen - aber die Grazer gelten dennoch als sehr heißer Tipp auf eine Finalteilnahme. Erstmals überhaupt, seit es dieses Format gibt, kamen die 99ers in den Genuss eines Picks und trafen mit den Black Wings Linz eine interessante Wahl.

Die Stahlstädter haben eine Seuchensaison hinter sich, die neue Kader-Philosophie greift noch nicht, Coach Troy Ward - nach Berichten einiger Spieler wohl ein Schleifer - musste vor einigen Wochen zugunsten des NHL-erfahrenen Tom Rowe weichen, der die Saison noch einigermaßen retten sollte. Vorerst bedeutete das: Den Playoff-Einzug doch schaffen. Das ist zwar gelungen, aber die Formkurve zeigt nach wie vor bergab.

Ex-MVP Yellow Horn blüht wieder auf
Foto: © GEPA

Was für die Graz99ers spricht: Graz liegt - für seine Verhältnisse - im Eishockey-Fieber, endlich sind die 99ers sportlich wieder relevant. Im Gegensatz zu vielen Vorsaisonen blieb die Truppe von nicht zu kompensierenden Verletzungen verschont, einzig im Bereich der Goalies musste häufig - und vor Transferschluss auch kurzfristig - rotiert werden. Für Thomas Höneckl ist die Saison längst zu Ende, Robin Rahm wird von Jungspunden flankiert, die gegen Ende der Pick-Round zu Einsätzen kamen, aber nicht rundum überzeugten. Müssen es eben die Scorer richten, und das tun sie bevorzugt im Powerplay, dem Besten der EBEL (26,1 Prozent).

Ex-MVP Colton Yellow Horn blüht nach schwierigen Zeiten in Graz wieder auf, wirkt fit wie lange nicht mehr und ist mit 24 Toren und 34 Assists auch Topscorer der Grazer. Überhaupt ist die Last auf einigen Schultern verteilt, DEN Star des Teams gibt es nicht, auch "Promi" Dwight King reiht sich effektiv in das Mannschaftsgefüge ein. Wird der Schwung der guten Saison in die heißeste Phase mitgenommen, landen die Grazer mindestens im Halbfinale - zumal der Gegner verletzungsgeschwächt ist und mit Jonathan D'Aversa beispielsweise einen wichtigen Verteidiger vorgeben muss.

Was für die Black Wings Linz spricht: Wenn wir schon von den Special Teams geschrieben haben: Das zweitbeste Powerplay der EBEL ist ebenso in Linz daheim, wie das beste Penaltykilling. So fielen in den vier Saison-Duellen der beiden Teams etwa nur drei Tore in Überzahl für die Graz99ers, mit insgesamt 15 aber dennoch zuviele aus Sicht der Linzer. An den Torhütern wird es nicht liegen, Michael Ouzas hält seine Statistiken aus den Vorjahren aufrecht und hat mit David Kickert endlich einen Backup, der ihm das Wasser reichen kann. Die Keine-Sorgen-Eisarena ist außerdem sicher nicht der Ort, an dem ein Team in den Playoffs auswärts ran will.

KAC - HC Bozen

Bisherige Saisonduelle: 4:2 (in Bozen), 4:1 (in Klagenfurt), 3:2 n.P. (in Klagenfurt), 2:1 n.OT. (in Bozen), 1:2 (in Bozen), 5:2 (in Klagenfurt) - gesamt 5:1 KAC

Die Ausgangslage: Business as usual beim KAC. Wie zuletzt präsentierten sich die Rotjacken auch in dieser Saison als das "Bollwerk" unter den Spitzenteams, kassierte mit Abstand die wenigsten Gegentreffer - netzte aber im Gegenzug auch nicht ganz so häufig, wie die unmittelbare Konkurrenz. Wie schon in den letzten Jahren befinden sich die Klagenfurter damit unter den Top-Teams der EBEL, aber eben nicht ganz an der Spitze - im Vergleich zum Vorjahr unter Steve Walker hat sich an dieser Ausrichtung auch unter Petri Matikainen nicht viel geändert. Im Vergleich zu Wien und Graz schwankten die Saisonergebnisse des KAC etwas stärker, in der Pick-Round konnten die Kärntner aus den vier direkten Begegnungen mit den Hauptkonkurrenten nur zwei von zwölf möglichen Punkten holen, umgekehrt wurde Salzburg mit 6:0 und 6:2 zweimal vom Eis geschossen. Jetzt soll Revanche gegen den HC Bozen her, der seinen Sensationslauf als Zweiter der Qualification-Round zum Meistertitel 2018 im Viertelfinale gegen den KAC in Gang setzte (4:2). Damit entschieden sich die Rotjacken für die kurze Anfahrt zu einem leicht kriselnden Team anstelle des heißen Duells mit Salzburg, obwohl die letzten Ergebnisse gegen die Bullen stimmten.

Der amtierende Champion startete im Gegensatz zum Vorjahr gut in die Saison, hatte den Kader für Bozner Verhältnisse auch sehr früh zusammen und entsprechende Ruhe im Sommer, Mitte November riss der Faden aber und die Formkurve zeigt seither, von einem guten Jänner abgesehen, kontinuierlich nach unten. Vor allem die völlig verpatzte Pick-Round mit nur zwei Siegen aus zehn Spielen sorgt für Kopfzerbrechen und kostete Meistermacher Kai Suikkanen trotz vermeintlicher Sentimentalitäten unmittelbar vor den Playoffs seinen Job.

Kai Suikkanen ist nicht mehr HCB-Coach
Foto: © GEPA

Was für den KAC spricht: Gegen die Foxes hatte der KAC in dieser Saison gute Ergebnisse, eine gute Voraussetzung für die Begleichung der offenen Rechnung. Freilich, als Dritter bleibt das Wunschlos selten übrig und es darf nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Rotjacken unter anderen Umständen für Bozen entschieden hätten. Vorteil ist für beide Teams auch hier die kurze Anfahrt und die starke KAC-Defensive bekommt es mit einer relativ zahnlosen Offensive zu tun, die noch dazu von Ausfällen geplagt wird. Eigentlich ein Match, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...

Was für den HC Bozen spricht: ...denn das Duell ist aus einem Grund schwierig einzuschätzen: Der Trainerwechsel. Mit Clayton Beddoes hat der HC Bozen gerade einmal zwei Tage vor Beginn des Viertelfinal-Duells nach über einem Jahr und dem Meistertitel einen neuen Coach eingesetzt, der sonst die italienische Nationalmannschaft betreut und von der Division 1A wieder in die A-WM führte. Wie viel kann er in kurzer Zeit aus den gegebenen Voraussetzungen herausholen, wird das Team überhaupt merklich anders auftreten? Präsident Dieter Knoll wollte mit dem plötzlichen Tausch zumindest "neues Feuer" für die Playoffs entfachen. Und was in den Playoffs alles passieren kann, hat ausgerechnet der HC Bozen letztes Jahr bewiesen. Die Saison beginnt hier eben wieder bei Null.

Fehervar AV19 - EC Red Bull Salzburg

Bisherige Saisonduelle: 0:9 (in Salzburg), 4:7 (in Fehervar), 3:8 (in Salzburg), 6:3 (in Fehervar), 4:1 (in Salzburg), 2:3 (in Fehervar) - gesamt 2:4 Salzburg

Die Ausgangslage: Fehervar ist die Überraschung der Saison! Und es ist den nicht gerade erfolgsverwöhnten, aber EBEL-treuen Magyaren durchaus zu vergönnen. Im heißen Kampf gegen den "Strich" als Sieger gegen die Black Wings Linz hervorgegangen, aber mit Problemen in die Pick-Round gestartet, haben die "Teufel" einen Zielsprint hingelegt und ausgerechnet Red Bull Salzburg noch um einen Punkt hinter sich gelassen, damit hat sich Fehervar ausgerechnet für das direkte Duell im Viertelfinale den Heimvorteil in einem siebten Spiel gesichert. Ab Anfang Dezember bis zur Zwischenrunde gehörten die Ungarn trotz der täuschenden Tabellensituation zu den stärkeren Teams der Liga, sie wissen also, wie man einen Lauf hinlegt.

Zwei Gesichter wurden in dieser Saison auch in Salzburg gezeigt: Europäisch hui, in der EBEL - gemäß der eigenen Maßstäbe - pfui. Siegesserien wechselten sich mit aneinandergereihten Niederlagen ab, wobei auch gegen spätere Qualification-Round-Teams immer wieder der Kürzere gezogen wurde. Seit Anfang Februar lief dann gar nichts mehr zusammen, das beendete die Laufbahn von Greg Poss an der Bullen-Bande. Unter Andreas Brucker wurde der erhoffte Umschwung bisher nicht geschafft, vor allem das 0:6 daheim gegen den KAC vergangenen Freitag war ein Totalausfall.

Wird Carruth zur Hürde für Salzburg?
Foto: © GEPA

Was für Fehervar AV19 spricht: Obwohl Fehervar in der Pick-Round auch nicht glänzen konnte, liegt der leichte Formvorteil auf Seiten der Magyaren. Salzburg hat sich selbst in den letzten Wochen auch nach dem Trainerwechsel nicht gefunden. Defensive Ordnung ist nicht vorhanden, das haben neben dem KAC auch die Vienna Capitals nutzen dürfen. Goalie Mac Carruth hatte im bisherigen Saisonverlauf von den Playoff-Teilnehmern die meisten Schüsse abzuwehren, das hat seine Gegentor-Statistik etwas gedrückt, trotzdem gehört er zu den besseren Vertretern in der EBEL.

Was für Red Bull Salzburg spricht: Ganz ungewöhnlich: Das direkte Duell in dieser Saison hat der vermeintliche "Außenseiter" am Papier mit 4:2 für sich entschieden. Alleine das zeigt, dass es eine enge Serie werden könnte - in Wahrheit trennt die Teams nicht viel. Machen die Salzburger am letzten Spieltag in Wien den Zusatzpunkt, haben sie den Heimvorteil inne. Die jüngeren Leistungen lassen zwar kein Team vor Salzburg erschlottern, aber gerade der finanzielle Liga-Krösus ist mit seiner Kadertiefe (wieder) für ein besseres Auftreten in den Playoffs prädestiniert, zumal gerade der erste Gegner in diesem Bereich Probleme hat.

Was in K.o.-Spielen möglich ist, wurde ja auf CHL-Niveau bewiesen. Und für die Abergläubigen oder Statistik-Fetischisten gibt es einen ganz großen Pluspunkt auf der Seite der Bullen: Noch nie in der Geschichte des Pick-Rechts hat der Viertplatzierte das Viertelfinale überstanden. So gesehen könnte Fehervar fast Dankbarkeit entgegengebracht werden, in der letzten Runde doch noch vorbeigezogen zu sein.

>>> EBEL-Viertelfinal-Auftakt - Mittwoch, 13.3., ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker <<<

Textquelle: © LAOLA1.at

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