Zwei Gegensätze überraschen

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Zwei Philosophien kämpfen um die Playoffs

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Nach der Länderspielpause klammern sich die Graz99ers und die Innsbrucker Haie an die beiden letzten Plätze für die Pick-Round. Punktegleich auf den Rängen 5 und 6 gelegen, unterscheiden sich aber keine zwei anderen Teams so sehr in ihrer Spielphilosophie wie diese beiden.

Auch nach der dienstäglichen 1:2-Heimniederlage gegen Linz blieben die 99ers auf dem fünften Platz der Tabelle, 25 Punkte (aus 17 Spielen) sind ebenso viele wie bei den Innsbruckern, die jedoch ein Spiel weniger aufweisen.

Die beiden derzeitigen Tabellenplätze würden diese in den letzten Jahren so oft geprügelten Teams nach 44 Runden wohl mit Kusshand nehmen, doch bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor ihnen.

Und welcher führt zum Ziel – das "Defense-First-Hockey" der Steirer oder der "Run-and-Gun"-Stil der Haie?

Zwei Legionäre verabschieden sich schnell

Graz-Coach Ivo Jan machte schon nach der letzten (und wieder einmal Playoff-losen) Saison klar: "Wir müssen in der Defensive starker werden." Und das gelang auch, wenngleich über Umwege.

Mit Troy Vance und dem Finnen Atte Pentikäinen wurden im Sommer zwei Legionäre verpflichtet, die vor allem in Aufbauspiel nicht gerade große Qualität versprachen. Vance wurde auch gleich nach dem medizinischen Check-up auf die Straße gesetzt.

Die Tatsache, dass Ersatz Robin Weihager schon vor der Tür stand, lässt darauf schließen, dass offensivere Qualitäten von der blauen Linie schon seit längerem gesucht wurden. Pentikäinen verabschiedete sich selbst Anfang September nach Bremerhaven, sodass von den ursprünglich verpflichteten Defensivlegionären nur Brendon Nash übrig blieb. Mit Matt Pelech kam dann als Pentikäinen-Ersatz noch ein Mann fürs Grobe, der im Powerplay vor dem gegnerischen Tor als Rammbock funktioniert.


Die fünf schönsten Tore aus dem CHL-Achtelfinale:


Letzter Defensivneuzugang: Thomas Pöck, der zwar nicht mehr den Offensivoutput früherer Tage aufweist, sich allerdings an beiden Seiten des Eises gut einbringt. Nach der Rückkehr des länger verletzten Kris Reinthaler verfügt Ivo Jan nun über acht ligataugliche Defender (man vergleiche das etwa mit Dornbirn, die sich bis jetzt mit knapp fünf durchmogeln wollten).

Weihager, wie in seiner bisherigen Karriere eine kleine Wundertüte, alterniert horrible Fehler mit wichtigen offensiven Beiträgen, Nash und Pöck können von der blauen Linie abziehen. Der Rest der Besetzung (Pelech, der immer stärker werdende Clemens Unterweger, Rupert Strohmaier und der ebenfalls erst spät verpflichtete Sven Klimbacher) haben ihre Stärken vor allem in der Defensive.

Zwei Männer ragen heraus

Doch zu einer starken Abwehr gehören natürlich auch die Stürmer.

Da teilt sich das Team quasi in zwei Fronten: Sniper Kyle Beach und Playmaking-Winger Oliver Setzinger haben (oder nehmen sich) alle Freiheiten in der Offensive und bilden nach einer kurzen Trennung wieder eines der Top-Duos der Liga. Center Evan Brophey regelt zwischen ihnen den Defensivverkehr, der Rest der Belegschaft verfügt nur über limitiertes Offensivpotenzial. Am ehesten kann der ziemlich stationäre Kurtis McLean noch treffen, Ken Ograjensek ist nicht gerade ein Legionär, der den Unterschied ausmacht.

Evan Brophey, Oliver Setzinger und Kyle Beach
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Die Österreicher wie Daniel Woger, Alexander Feichtner, Markus Pirmann und Zintis Zusevics brachten es bis jetzt gemeinsam nur auf vier Saisontreffer, Stephen Werner ist mit einer Gehirnerschüttung (nicht seiner ersten) seit längerer Zeit out.

Zwar setzt Jan jetzt seine vierte Linie etwas öfters ein als zu Saisonbeginn, doch offensiv sind die 99erst weiter ein Team, das Beach und Setzinger übermäßige Eiszeit beschert. Diese beiden und der Rest sollen stets einen Treffer mehr erzielen, als Star-Goalie Sebastian Dahm (hinter Wiens Jean-Philippe Lamoureux wohl die Nummer zwei der Liga) zulässt. Noch ging das öfters gut, 48 erzielte Treffer sind ein brauchbarer Wert, doch ob im engen Terminplatz im November und Dezember eine brauchbare Offensivlinie reicht oder – wichtiger noch – körperlich durchhält?

Für die Grazer in ihrem jetzt wunderschönen Eisstadion bleibt nur zu hoffen, dass die letzten drei Niederlagen in Folge nicht wieder die Vorboten der jährlich im November einsetzenden Bunker-Depression darstellen.

Offense wins Games

48:41 lautet das Torverhältnis der Grazer, 56:56 jenes der Innsbrucker. Tore zu schießen ist für das Team von Rob Pallin kein Problem, Gegentore zu verhindern schon viel mehr.

Wo die Grazer nur bei klaren Chancen forechecken, sonst im Mitteldrittel auf Turnovers warten, spielen die Haie viel aggressiver. Schon im Sommer war klar, dass das Team heuer auf Offensive setzt. Spätestens, als mit Kristian Kudroc der einzige körperlich starke und sich über die Abwehrarbeit definierende Defender zugunsten von Jason DeSantis aussortiert wurde, war klar, dass die Devise "outscore the other team" lauten soll.

Nick Ross, Lubomir Stach, Jason DeSantis – alles Defender, die sich gerne nach vorne orientieren. Und vor allem Stach ist einer der besten Powerplay-Defender der Liga. Philipp Lindner setzt im Zweifelsfall auch (noch) zu oft auf die riskante Lösung, einzig Florian Pedevilla und Daniel Mitterdorfer sind so etwas wie Defensivverteidiger, allerdings höchstens auf EBEL-Mittelmaß.

Die Stärken liegen eindeutig im Offensivpotenzial der Angreifer: Die beiden Neuzugänge Andrew Clark und Sniper Austin Smith wurden ihren Vorschusslorbeeren gerecht. Dazu produzieren die etablierten John Lammers, Tyler Spurgeon und Hunter Bishop in rauen Mengen, selbst Mario Lamoureux, der bis jetzt weniger Grit einbrachte als erwartet, scort konstant.

Zu den Top-Nine gehört natürlich noch Mario Huber, mit 20 Jahren bereits ein etablierter EBEL-Sniper mit einem punktgenauen Schuss. Einzig Benedikt Schennach definiert sich nicht gerade durch übermäßige Offensive.

Es gibt Baustellen

Torhüter Andy Chiodo absolvierte bis jetzt eine Saison mit Aufs und Abs, was beunruhigen muss, da er schon im letzten Jahr – ohne Erleichterung durch einen ligatauglichen Backup – in der zweiten Saisonhälfte in ein Loch fiel. Chiodo ist kein Dahm, doch die unterschiedliche Spielauffassung der beiden Teams lässt die Unterschiede natürlich krasser ausfallen als sie tatsächlich sind.

Andy Chiodo
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Ein EBEL-Coach meint über das Innsbrucker Spielprinzip: "Drei der fünf Spieler auf dem Eis sind immer auf Offensive aus. Sie versuchen, Chancen 'off the rush' zu kreieren, was oft auf beiden Seiten des Eises zu Überzahlmöglichkeiten führt."

Sowohl Graz als auch Innsbruck sind eigentlich Drei-Linien-Teams. Ivo Jans Vertrauen in Spieler wie Daniel Natter, Nikolaus Zierer oder Stefan Trost ist überschaubar, in Innsbruck musste Rob Pallin wie seine Vorgänger feststellen, dass ein Center für die vierte Linie fehlt.

Hinten herrscht Gedränge

Kurios, dass beide Teams in der Defensive quantitativ überbesetzt sind: Jan muss acht Verteidiger zufriedenstellen, Mario Petrovitz und Nikolai Soritz geben als Nummern neun und zehn Gastspiele bei AHL-Teams (KAC/Salzburg), wo sie allerdings eher wie rothaarige Stiefsöhne behandelt werden. Ein zusätzlicher österreichischer Stürmer – zwei Punkte sind noch frei – würde den Grazern noch gut zu Gesicht stehen.

In Innsbruck stehen Pallin mit Mario Ebner und Dominique Saringer zwei Defender zur Verfügung, die als Nummer sieben und acht meist überzählig sind. Selbst nach der bevorstehenden Rückkehr von Daniel Frischmann liegen die Tiroler weit unter der Obergrenze, hätten theoretisch noch eine Legionärsoption offen. Mit elf Ausländern verfügen die Innsbrucker heuer jedoch schon über zwei mehr als die Grazer.

Welches System führt in die Playoffs oder gar in die Top-sechs? Das Grazer "Safety First" oder das Innsbrucker "Run-and-Gun"? Beide oder vielleicht gar keines? Im Gegensatz zu den hinter ihnen liegenden Teams wie etwa KAC oder VSV haben beide Klubs noch kaum Verletzungen zu beklagen, was natürlich einen großen Unterschied macht.

Grund zur Freude über die bisherige Saison ist bei beiden nicht gerade erfolgsverwöhnten Teams angebracht, doch einige Warnzeichen sind auch nicht zu übersehen…


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