Steter Tropfen höhlt den Stein?

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Freimüllers Viertelfinal-Zwischenbilanz

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Drei Spieltage sind im EBEL-Viertelfinale absolviert, drei Partien hat Bernd Freimüller vor Ort beobachtet. Der LAOLA1-Scout analysiert die vier Serien, die allesamt beim Stand von 1:2 bzw. 2:1 noch viel Spannung versprechen, aus seinem Experten-Blickwinkel.


Znojmo – Dornbirner EC (Serie 1:2 - 1:3, 0:5, 3:1)

Live dabei: Spiel 1 (1:3) - Znojmo präsentierte sich in der üblichen Play-off-Form – zögerlich, Zweikämpfe vermeidend, ein wackliger Torhüter und mit einem perforierten Nervenkostüm. Dornbirn hatte das Spiel bis auf etwa fünf Minuten im letzten Drittel stets im Griff und vergab eigentlich eine frühere Vorentscheidung.

Beim 0:5 in Dornbirn war Znojmo ohne jede Chance, ehe das 3:1 daheim wenigstens für etwas Hoffnung bei den Tschechen sorgte. Der jährliche Goaliewechsel fand davor statt, Jan Lukas ersetzte den entnervten Patrick Nechvatal. Doch die Tschechen haben weiter Baustellen, Peter Pucher, Roman Tomas und Ondrej Sedivy müssen anschreiben, um die Serie noch zu drehen.

Interessant: Colton Yellow Horn mit dem Empty Netter zum 3:1 im dritten Spiel. Der eher defensivschwache Kanadier ist erste Wahl, wenn es gilt, einen Ein-Tor-Vorsprung zu verteidigen. Eine mutige Variante ...

Corey Trivino begann die Serie als 13. Stürmer, das passierte schon einige Spiele zuvor. Grund dafür waren Off-Ice-Issues, die seine Karriere schon seit Jahren begleiten. Doch die Tschechen brauchen ihn im Lineup und müssen halt mehr als nur ein Auge zudrücken.

Dornbirn gelang es bis jetzt, Strafen zu vermeiden, die Serie ist bis jetzt überhaupt sehr ruhig verlaufen. Trumpfasse für die Vorarlberger bis jetzt: Der spielfreudige Jamie Arniel sowie Kyle Greentree, der vor allem im Powerplay von den Hashmarks wie immer seine Schussstärke ausspielt. Florian Hardy agiert solide, dürfte seine Verletzung überwunden haben.


HC Bozen – BW Linz (Serie 1:2 - 3:4, 3:4, 5:4 nV)

Live dabei: Spiel 2 (3:4) - Wie in alten Zeiten: 30 Sekunden gespielt und mit Ausnahme der Goalies hatten sich alle in den Haaren. Der Puls in dieser Serie ist überhaupt ein hoher, Patrick Spanning schaltete Brendan Bell bereits mit einem Kniecheck aus, Robert Lukas erlag einem saftigen Palmieri-Check und Philipp Lukas muss mit einem Rippenbruch überhaupt für den Rest der Saison passen. In diesem Spiel sah es so aus, als ob die Special Teams wie erwartet den Ausschlag für Linz geben würden. Bestes Beispiel: David Franz und Sebastien Piche präsentierten den Südtirolern mit zwei offensichtlichen Strafen eine 5:3-Überlegenheit kurz vor Schluss, die diese aber relativ überzeugungslos runterspielten. Allerdings: Ein Defender-Paar wie Davide Nicoletti und Marco Insam (als Aushilfsverteidiger mit etlichen Problemen) sorgt von der blauen Linie halt für kaum Druck.

Nach den beiden Siegen (5:3 im ersten Spiel) hatten die Linzer ausgezeichnete Karten, eine Unaufmerksamkeit im in den Schlusssekunden bedeutete aber den Ausgleich, ehe Saviano in der Overtime für das 5:4 sorgte. Die Bozener in diesem Spiel mit den besseren Special Teams (zwei Powerplay-Tore), vor allem in der Overtime, als sie eine 3:5-Unterlegenheit überstanden. Eine Steigerung in dieser Beziehung könnte Strafen der Linzer Unruhestifter wie Kevin Moderer oder David Franz (die Definition einer „Loose Cannon“) zu größeren Problemen werden lassen.

Der Ausfall von Robert Lukas ist zwar nicht ganz mit dem von Bell gleichzustellen, doch der seines Bruders für den Rest der Saison reißt nun eine beträchtliche Lücke an das Linzer Lineup. Travis Roach präsentiert sich situationsadäquat: Er deutet immer wieder mit schönen Head Dekes und Moves an, warum er früher in der NLA überragte. Doch seine Beine sind nicht mehr die gleichen, das hat er aber realisiert und nimmt im Umkehrschluss weniger Risiken als früher. Seine Pässe kommen aber fast alle aufs Blatt.

Beide Goalies agieren wie in der Pickround alles andere als überragend, Tore wie das von Andrew Kozek in Linz (freie Sicht bei Schuss von großer Entfernung) sind in dieser Serie keineswegs Ausnahmen.

Bei Linz sorgt die Linie Göhringer-Oberkofler-Hofer für dringend nötige Scoring-Entlastung, bei Bozen zeigt der starke Zwei-Weg-Center Joel Broda, dass er für jedes EBEL-Team eine Verstärkung wäre. Auch Brodie Reid beweist, dass er mehr als nur ein „stationary shooter“ (so sein AHL-Scoring-Report) ist. Steve Saviano ist ohnehin ein absoluter Leader, Nick Palmieri dürfte realisiert haben, dass Bozen seine letzte Chance ist, sich in einer besseren Liga festzusetzen: Er agiert physisch und torgefährlich.


Vienna Capitals – VSV (Serie 1:2 - 2:3, 1:4, 2:1nV)

Live dabei: Spiel 3 (2:1 n.V.) - Die Caps gruben sich wie im letzten Jahr gegen Fehervar mit den ersten beiden Niederlagen ein tiefes Loch, aus dem herauszukommen sehr schwer wird. Villach agiert allerdings ausgezeichnet: Sie laufen ausgezeichnet und viel Eis, agieren keineswegs aus einer „Shell“ heraus, sondern stören die Wiener schon im Aufbau. So kamen die Wiener im ersten Drittel kaum ins gegnerische Drittel und wenn dann nur so, dass der puckführende Spieler kaum Unterstützung hatte. Erst im Verlaufe des Spiels weichte sich das Spiel etwas auf und die Caps kamen vor allem in der Endphase zu längeren Druckphasen und großen Chancen. Klar ist: Wien ist eisläuferisch unterlegen, hat im Transition Game Nachteile, dafür in den Nahkämpfen Vorteile. Der Verlauf der Serie wird zeigen: Ist ein Charging mit einem Anlauf von mehreren Metern wie von Danny Bois einfach eine dumme Strafe oder werden die Villacher so nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ ausgelaugt?

30 Minuten war das Spiel auch eher lau, vor allem Referee Patrick Gruber dürfte da etwas eingelullt worden sein. Sein Kollege Shane Warshaw musste dann zwei Strafen aus großer Entfernung pfeifen, das war zwar richtig, in solchen Partien kann aber ein Head nicht mehr mitgeschleppt werden.

Große Aufregung um Caps-Kapitän Jon Ferland, der nach einem Gerangel vor dem Tor zusammenbrach und mit einer blutenden Gesichtswunde ausschied. Ich habe mir die Szene mehrmals angesehen, Ferland dürfte einen Stock aus dem vor ihm stehenden Pärchen Jamie Johnson und Rick Schofield abbekommen haben. Näheres und vor allem eine Absicht konnte ich nicht ausmachen ...

Neben Ferland quälte sich der ohnehin schon angeschlagene Raffi Rotter in der Schlussphase vom Eis, bei Villach steckte Miha Verlic neben einigen Checks auch zwei Schlagschüsse ein.

Die Villacher agieren kompakt, Coach Greg Holst kürzte auch in der Overtime seine Bank nicht. Neben dem wie immer überragenden J-P Lamoureux sehr stark: Der vielseitige Rick Schofield sowie die körperlich präsenten Ryan McKiernan und Eric Hunter. Gerhard Unterluggauer ist natürlich kein Jungspund mehr, fällt aber keineswegs ab und ein Karriereende im Sommer wäre wohl noch verfrüht. Christof Kromp war lange vor allem im Forecheck ein belebender Faktor, verlor im Lauf des Spiels aber etwas an Wirkung. Doch er beweist, dass er im Gegensatz zum Nachwuchs mehr als nur ein reiner Scorer sein kann.

Die Caps leiden natürlich unter den Ausfällen von Troy Milam und Phil Lakos, dieser fehlt vor allem im Penalty-Killing. Die restlichen Top-Defender – Aushilfskraft Mario Fischer wird Dominic Hackl vorgezogen – nehmen irrsinnig viel Eiszeit, Jamie Fraser und Patrick Peter fraßen auch zwei gehörige Checks ...


Red Bull Salzburg – KAC (Serie 2:1 – 4:1, 3:2, 3:6)

Eine Serie, in der ich auf TV-Diagnosen angewesen bin, aber: Salzburg fehlen mit Ben Walter, Alexander Cijan und jetzt auch Luciano Aquino drei wichtige Kräfte, das sind selbst bei einem tiefen Kader doch gewichtige Absenzen. Doch wenn die Salzburger in die Gänge kommen, sind sie natürlich weiter eine Macht, der KAC hatte aber nach den beiden Auftaktniederlagen nicht die Absicht, weiter die Fußmatte in dieser Serie zu geben. Wenn dann Rene Swette vor allem in der Anfangsphase dichthält und die Grippewelle in der Kabine abebbt, können die Klagenfurter zumindest weiter verlängern.

Allerdings meldeten sich die Roten Bullen von solchen Weckrufen wie gestern immer wieder wach zurück und sei es Sekunden vor Schluss wie beim zweiten Spiel am Sonntag.
Kernfragen: Agiert der KAC endlich über mehrere Spiele hinweg als Einheit? Können unbestrittene Einzelkönner wie Oliver Setzinger oder Kevin Kapstad aus dem Teamkonzept heraus ihre Fähigkeiten einbringen?

Kann Salzburgs Luka Gracnar mit den nötigen Saves aufwarten? Hat Brett Sterling bei den Refs noch Kredit oder ist der nach seinem Aufeinandertreffen mit Linesman Soos völlig aufgebraucht? Können John Hughes und Ryan Duncan ihre Hochform wieder finden? Bleibt die Serie auch in der nächsten Partie eine mit drei Linien auf beider Seite?


Allgemeine Fragen:

Ein Riesenproblem bei TV-Beweisen bezüglich Torhüterbehinderung bzw. Torraumabseits: Wenn Schiris sich nur darauf verlassen, bringen sie sich um die Chance, Strafen gegen den Angreifer auszusprechen, das geht nach dem TV-Studium nicht mehr.

Auch rätselhaft: Der Schubser von Troy Milam gegen Linesman Damir Rakovic war unbestritten. Nur: Der fand während des Spiels statt, warum fand sich dann keine Strafe am Spielbericht wieder?

Das EBEL-Casebook stellt sich gegen das der IIHF, ist aber klar: Kritik, Beschimpfungen, „Widerstand gegen die Staatsgewalt“  - alles mit kleinen Strafen zu bestrafen. Zehn-Minuten-Strafen sollen eigentlich nur ausgesprochen werden, wenn das gleiche Vergehen in der gleichen Unterbrechung fortgesetzt wird. Wenn sich dann doch immer wieder „Zehner“ einschleichen, macht das nicht nur Schiriboss Lyle Seitz verrückt ...

LAOLA Meins

Bernd Freimüller

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