Koubek: "Aktuelle Form ist sicher überschaubar"

Koubek: Foto: © GEPA
 

Nach der offiziellen Bekanntgabe am Montag, dass das Davis-Cup-Final-Turnier in diesem Jahr in Innsbruck steigen wird, ist die Vorfreude in Österreich riesengroß.

"Das wird eine Tennis-Party, die ihresgleichen sucht", fiebert ÖTV-Kapitän Stefan Koubek bei einer Zoom-Pressekonferenz des Verbands dem am 25. November startenden Mega-Event in der 7.000 Zuschauer fassenden Halle in der Olympiaworld entgegen.

Wobei es natürlich darauf ankommen wird, wie sehr die Coronavirus-Pandemie im kommenden Herbst noch ein Thema sein wird.

Dementsprechend ist es für ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda auch schwierig, finanzielle Prognosen abzugeben. "Über Zahlen wollen wir nicht sprechen. Es ist sehr davon abhängig, wie die Covid19-Verordnungen sein werden und wie viele Zuschauer in die Halle kommen dürfen." Ein finanzielles Risiko gäbe es für den Verband allerdings auch im Worst-Case nicht.

"Marathon als Sprint erledigt"

Als Davis-Cup-Organisator fungiert wie schon in den letzten Jahren des öfteren Erste-Bank-Open-Turnierdirektor Herwig Straka, der auch im ATP-Board sitzt und Manager von Dominic Thiem ist.

Für ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer, der erst im vergangenen Jahr seine aktive Karriere beendete und seit heuer im Amt ist, war es sehr hilfreich, dass er bei diesem Großprojekt auf den erfahrenen Veranstalter setzen kann.

Zudem ja auch die Umstände durch die Pandemie alles andere als einfach waren. Die Bewerbung für das Finalturnier erfolgte extrem kurzfristig: "Es war ein Marathon, den wir als Sprint absolviert haben. Normalerweise braucht man für so ein Projekt schon einige Monate Vorbereitungszeit und wir haben das in wenigen Wochen gemacht. Mit dem Herwig – der die Hauptarbeit beim Organisatorischen geleistet hat – ist uns das super gelungen."

Melzer ließ Kontakte spielen

Wobei auch Melzer seine Kontakte spielen hat lassen. Sein ehemaliger Trainer Galo Blanco arbeitet schließlich schon seit zwei Jahren in der Davis-Cup-Organisation mit. Zudem habe auch ÖTV-Präsident Magnus Brunner einen wichtigen Part gespielt, indem er die notwendigen Fördergelder von Bund und Land an Land ziehen konnte.

Investitionen, die sich für Melzer auf jeden Fall auszahlen werden: "Wenn wir Zuschauer haben dürfen, dann bin ich überzeugt davon, dass wir einen Hexenkessel haben werden. Das ist sicher etwas, worauf wir uns freuen können. Und das ist für den gesamten Tennissport in Österreich wichtig, dass wir so eine Veranstaltung in Österreich machen können."

Dementsprechend wichtig wäre es auch, wenn das sportliche Abschneiden für positive Schlagzeilen sorgen würde. Mit Serbien und Deutschland hat die ÖTV-Truppe keine leichten Gruppengegner gezogen. Vor allem die Serben werden wahrscheinlich mit Superstar Novak Djokovic anreisen. Angesichts der schwierigen Situation auf der Tour wegen der Coronavirus-Pandemie glaubt Melzer zudem, dass heuer "die meisten Einser und Zweier der Länder spielen werden."

Thiem und Novak mit schwachen Saisonstarts

Sowohl Dominic Thiem als auch Dennis Novak starteten allerdings mit einigen Problemen in die neue Saison. Thiem nahm sich nach seinem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open und frühen Niederlagen in Doha und Dubai eine Auszeit und verschob deshalb auch seinen Start in die Sandplatz-Saison. Novak spielte seit Ende Februar ebenfalls nur drei Turniere und bezog dort jeweils Auftaktniederlagen.

Koubek: "Die aktuelle Form der Spieler ist sicher überschaubar. Es liegt aber auch ein schwieriges Jahr hinter den Spielern, deshalb ist es für mich nachvollziehbar das bei dem einen oder anderen die Luft draußen ist. Ich nehme schon an, dass in den nächsten Monaten alles wieder normal wird und die Jungs dann besser in Form kommen", hofft der Kärntner auf einen baldigen Form-Aufschwung bei seinen beiden Top-Spielern.

Auch Novak mit Auszeit?

Novak gab vor einigen Monaten auf seiner Instagram-Seite bekannt, dass er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin das erste gemeinsame Kind erwarte. Vielleicht habe sich der Wiener Neustädter auch deshalb etwas rar auf der Tour gemacht.

Koubek: "Ich habe ähnliches gehört wie von Dominic, dass ihn die Bubble sehr nervt und er eine Auszeit braucht. Ich bin trotzdem der Meinung, dass da mehr kommen sollte. Ich weiß aber auch nicht, wie viel er zurzeit trainiert. Ich hoffe, dass er seine Arbeit macht – er ist schließlich Profi. Wenn sich die Geschichte mit Covid erledigt hat, dann wird hoffentlich auch wieder alles normaler."

Thiem und viele andere Spieler haben sich in den vergangenen Monaten stark über die "Tennis-Bubbles“"bei den verschiedenen Turnieren beschwert. Die Athleten dürfen meist nur die Hotel- und Turnieranlagen betreten, um die Gefahr von möglichen Corona-Erkrankungen so weit wie möglich zu verhindern.

Melzer: "Ich glaube, dass das jeder unterschiedlich aufnimmt. Manche haben weniger ein Problem damit, dauernd im Hotel zu sein, andere brauchen mehr Freiraum, um auch einmal raus gehen zu können. Ein paar Wochen oder ein paar Monate wird’s kein Problem sein. Wenn du es aber wie Domi gewohnt bist, dauernd vor Tausenden von Leuten zu spielen und dann spielst du vor leeren Rängen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass das nicht mehr lustig ist."

Zudem wäre das Thema Geld für Thiem sicherlich kein großes Thema mehr. "Wenn ein Spieler in der Weltrangliste auf 120 steht und die Chance hat, Geld zu verdienen - da hätte ich weniger Verständnis dafür. Es ist einfach extrem individuell", so Melzer.

Thiem-Teilnahme für Österreich wichtig

Klar ist jedenfalls, dass Österreich für einen eventuellen Aufstieg aus der Gruppenphase einen starken Dominic Thiem brauchen wird. Das Antreten von Österreichs Nummer eins gilt aber trotz mancher vergangener Davis-Cup-Absage als sehr wahrscheinlich.

Koubek: "Ich glaube schon, dass der Dominic gerne Davis Cup spielt und ich nehme auch an, dass er dabei ist. Wenn wir weiterkommen wollen, werden wir Dominic brauchen. Ich bin guter Dinge, dass er motiviert ist."

Auch Melzer stimmt seinem Davis-Cup-Kapitän zu: "Ich kann mich da Stefan nur anschließen. Ich habe mit den Burschen Kontakt gehabt und ich glaube, dass es allen taugt, vor heimischer Kulisse zu spielen. Es würde mich überraschen, wenn es nicht so wäre", sagte der Niederösterreicher, der noch am Dienstagnachmittag ein Gespräch mit Thiem führen wollte.

Zudem sei es auch nicht gerade hinderlich, dass Organisator Herwig Straka zugleich auch Thiem-Manager ist. "Diese Doppelfunktion schadet sicher nicht", so Melzer, der übrigens auch nicht ausschließen wollte, dass er selbst im schlimmsten Notfall noch einmal auf den Platz kommen könnte.

Der bald 40-jährige Niederösterreicher beendete zwar im Vorjahr seine Karriere, wird aufgrund seines immer noch ausgezeichneten Doppel-Rankings bei den Grand-Slam-Turnieren in Paris (mit Aisam-Ul-Haq Qureshi) und Wimbledon sowie vielleicht bei den US Open an den Start gehen

"Wenn man mich kennt, weiß man, dass ich bei so einer Veranstaltung gerne dabei wäre. Aber man muss auch wissen, wann die Zeit vorbei ist. Wenn sich zwei Spieler verletzen und der Stefan mich braucht, bin ich der letzte, der nicht spielen wird. In erster Linie sollen aber die anderen spielen", so Melzer, der dabei auf die Doppel-Spezialisten Oliver Marach und Philipp Oswald verweist.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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