Koubek: "Natürlich hat es mit dem Kopf zu tun"

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Nur teilweise kann Stefan Koubek die teils harte Kritik an der abgelaufenen Saison von Dominic Thiem nachvollziehen.

"Er hat eine unfassbare Saison hinter sich und ist die Nummer fünf der Welt. Darauf kann man sehr stolz sein. Er hat das vergangene Jahr mehr als bestätigt", erklärt der österreichische Davis-Cup-Kapitän, der aller Voraussicht nach im kommenden Februar im Duell gegen Weißrussland wieder auf seine Nummer eins setzen darf.

Der 40-jährige Kärntner hat aber auch eine Erklärung für das durchwachsene Saisonende. Neben der Turnierplanung könnte für Koubek durchaus die US-Open-Niederlage gegen Del Potro eine Rolle gespielt haben.

"Solche Partien bleiben im Kopf. Die vergisst man nicht", erklärt Koubek im LAOLA1-Interview, in dem er über die mentalen Schwierigkeiten von Thiems abgelaufener Saison spricht und auch einen Ausblick auf den Länderkampf gegen die Weißrussen gibt.



LAOLA1: Anfang Februar steht das Davis-Cup-Duell gegen Weißrussland auf dem Programm. Wie schätzt du die Chancen ein?

Koubek: Weißrussland ist sehr stark. Wir haben heuer gegen sie verloren. Im nächsten Jahr wird es aber in St. Pölten zuhause auf Sand etwas ganz anderes werden. Ich gehe davon aus, dass Dominic Thiem mit dabei sein wird. Mit Gerald Melzer, Sebastian Ofner und einem guten Doppel dazu sind wir aber definitiv die Favoriten und werden als Sieger vom Platz gehen. Man darf die Weißrussen aber nicht unterschätzen.

LAOLA1: Wie schätzt du die Chancen ein, dass Thiem dabei sein wird?

Koubek: Der Termin ist für Dominic relativ gut. Es ist in der Woche nach den Australian Open und danach hat er noch eine Woche Zeit, um sich auf das Sandplatz-Turnier in Buenos Aires vorzubereiten. Dominic ist zudem sicher motiviert, wieder im Davis Cup zu spielen.

LAOLA1: Was hat man aus dem letzten Duell gegen die Weißrussen gelernt?

Koubek: Dass wir nicht in der Halle auf Hartplatz gegen sie spielen sollten. Sie haben uns damals wirklich überrascht und haben sich in Minsk sehr gut präsentiert. Diesmal haben wir jedoch völlig andere Voraussetzungen. Wir haben zuhause auf Sand mit drei Einzel- und zwei Doppel-Spielern viele Möglichkeiten und deshalb eine gute Chance.

LAOLA1: Mit der Möglichkeit von fünf Spielern pro Team entfällt für einen Davis-Cup-Kapitän zukünftig die schwierige Entscheidung, ob er lieber mit je zwei Einzel- und Doppel-Spielern oder mit drei Einzel- und einem Doppelspieler antreten will. Ist ja beinahe schon langweilig, oder?

Koubek (lacht): Für die Presse vielleicht, für mich ist es nicht langweilig. Es ist jetzt natürlich angenehm, wenn man mit einem fixen Doppel-Duo anreisen kann und trotzdem einen Ersatz-Single-Spieler hat. Ich bin sehr glücklich über diese Änderung. Inwiefern sich die Verkürzung auf zwei Tage auswirken wird, werden wir erst sehen. Ich glaube, dass es aus sportlicher Sicht eine gute Entscheidung ist. Wirtschaftlich wird es für die Veranstalter und den Verband sicherlich etwas schwieriger werden. Man wird sehen, wie dieses Format auch von den Zuschauern angenommen wird.

LAOLA1: Das österreichische Davis-Cup-Team hat mit Bidi Badu einen Ausrüster. Hattest du als Country Manager von Tennispoint deine Finger im Spiel?

Koubek: Natürlich, ich habe gewusst, dass der Verband auf der Suche ist und habe das bei Bidi Badu und Tennis Point deponiert. Es hat dann lange Verhandlungen gegeben und ich habe mich sehr dafür eingesetzt, weil ich die Marke sehr trendy und neuartig finde.

LAOLA1: Im Doppel ist wahrscheinlich Oliver Marach gesetzt. Da stellt sich die Frage: Mit wem spielt er am liebsten zusammen?

Koubek: Diese Frage hat er mir auch noch nicht beantworten können. Olli hat mir kurzfristig schon zugesagt und gesagt, dass er selbst noch nicht weiß, mit wem er am besten zusammenspielen kann. Mit Ossi (Philipp Oswald, Anm. d. Red.) hat er heuer in Gstaad das Turnier gewonnen und auch mit Alex (Alexader Peya, Anm. d. Red.) hat er schon sehr gut zusammen gespielt. Bis Weihnachten werden wir da eine Entscheidung treffen. Alle drei sind geniale Doppelspieler.

LAOLA1: Was erwartest du vom Spielort St. Pölten?

Koubek: Ich habe natürlich sehr gute Erinnerungen an St. Pölten, weil ich hier zu Beginn meiner Karriere einen Sieg über Thomas Muster – mein damaliges Idol - feiern durfte. Diese Erinnerungen vergisst man nicht so schnell. Das Turnier in St. Pölten war für mich immer lässig. Die Stadt ist für viele Menschen leicht zu erreichen und durch die vielen niederösterreichischen Spieler erwarte ich mir auf jeden Fall ein volles Haus.

LAOLA1: Warum gibt es eigentlich so viele gute niederösterreichische Spieler?

Koubek: Das ändert sich immer wieder. Früher waren Kärnten und die Steiermark sehr stark. Jetzt ist es Niederösterreich. Das liegt natürlich auch an der Jugendarbeit und vor allem, wo letztlich die Talente geboren werden. Ein Dominic Thiem hätte in jedem anderen Bundesland auch seinen Weg gemacht.

LAOLA1: Wie beurteilst du die letzten Monate von Dominic auf der Tour?

Er hat nichtsdestotrotz eine unfassbare Saison hinter sich und ist die Nummer fünf der Welt. Darauf kann man sehr stolz sein. Nächstes Jahr hat er vor allem durch das Tief noch extrem viel Luft nach oben.

Koubek über Thiem-Saison 2017

Koubek: Es war ein taffes Ende für ihn. Er hat am Ende der Saison leider seine Leistung nicht mehr ganz abrufen können. So etwas passiert aber nun einmal. Er hat nichtsdestotrotz eine unfassbare Saison hinter sich und ist die Nummer fünf der Welt. Darauf kann man sehr stolz sein. Nächstes Jahr hat er vor allem durch das Tief noch extrem viel Luft nach oben. Natürlich waren die letzten Monate nicht ideal. Er hat aber immerhin auch eine Partie beim Masters gewonnen und zwei Partien knapp verloren. Im Tennis geht es nun mal nicht immer nach oben. Er lernt jetzt vielleicht aus dem einen oder anderen Fehler, den er gemacht hat. Dann haben wir nächstes Jahr wieder einen Dominic, der genial Tennis spielen wird.

LAOLA1: Dominic war heuer das zweite Jahr in Folge in den Top 10. Ist das zweite Jahr das mental schwierigere, wenn man seine Leistungen vom Vorjahr bestätigen muss?

Koubek: Es ist Fakt, dass es leichter ist einmal raufzukommen, als das Jahr zu bestätigen. Er hat es aber mehr als bestätigt, schließlich steht er heuer besser als im Jahr zuvor und hat dementsprechend alles richtig gemacht.

LAOLA1: Was macht das zweite Jahr eigentlich schwieriger?

Koubek: Du weißt einfach bei jedem Turnier, welche Punkte du jetzt unbedingt verteidigen musst und wo du welche holen solltest. Im Jahr zuvor waren viele Siege eine Überraschung oder eine Sensation. Heuer wurden diese Siege schon erwartet und du musstest quasi deine Leistung bringen. Natürlich in erster Linie für dich selbst, aber auch die Erwartungen der Fans und von deinem Umfeld sind da. Das macht es nicht leicht. Trotzdem hat Dominic die Sandplatz-Saison als zweitbester Spieler nach Rafael Nadal absolviert. Jetzt muss er auch noch auf Hardcourt ein bisschen dazulegen. Das wird er sicherlich auch noch lernen. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen. Auch bei mir hat es auf Hardcourt ein bisschen länger gedauert.

LAOLA1: In erster Linie ist es also wohl Kopfsache. Kannst du die Kritik am "mentalen Gequassel" (Zitat von Thiem-Coach Günter Bresnik) nachvollziehen?

Koubek: Natürlich hat es mit dem Kopf zu tun. Es ist dann aber immer die Frage, wie man das ändert. So eine lange Saison zehrt aber auch und macht einen im Kopf müde. Vielleicht ist das eine oder andere Turnier zu viel gespielt worden. Das wird das Team analysieren, es hilft nichts, wenn man da von draußen reinredet. Aber wahrscheinlich hat er einfach das eine oder andere Event zu viel gespielt.

LAOLA1: Mit solchen Aussagen solltest du als Davis-Cup-Kapitän aber aufpassen.

Koubek: Es kann natürlich auch ein Davis Cup zu viel sein. Aber man spielt Davis Cup, weil man Patriot ist und Davis Cup spielen möchte. Man weiß auch nicht, ob der Start beim Laver Cup so klug war – obwohl das Event natürlich richtig gut war. Bei so einem dichten Turnierkalender ist es einfach extrem schwer, die richtige Planung zu finden. Das eine hat aber mit Patriotismus und das andere mit Geld zu tun. Das ist aber auch nachvollziehbar bei so einem jungen Spieler. Er wird das ändern und von Jahr zu Jahr besser machen.

LAOLA1: Mental ein schwerer Schlag war für Dominic sicherlich auch die bittere Fünf-Satz-Niederlage bei den US Open gegen Juan Martin Del Potro nach einer 2:0-Satz-Führung. Wie stark kann einen Spieler eine solche Partie aus der Bahn werfen?

Koubek: Diese Partie habe ich mir selbst angeschaut und ich konnte nicht glauben, was ich das sehe. Eigentlich habe ich mit einer Aufgabe von Del Potro nach dem zweiten Satz gerechnet, weil der einfach wie eine Leiche ausgesehen hat. Und dann spielt er im vierten Satz wie der Goliath, das war einfach unfassbares Tennis. Für mich war das unerklärlich wie das geht. Aber so ist nun mal der Sport.

LAOLA1: Wie bringt man so eine Partie wieder aus dem Kopf heraus?

Koubek: Das ist ganz schwierig. Ich hatte selbst solche negative Partien. Die bleiben im Kopf und man wird sie nie vergessen. Es hilft aber nichts. Man muss sie auf die Seite schieben und weiter machen. Das ist Vergangenheit und man muss in die Zukunft schauen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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