Thiem: "Bresnik hat sich selbst abgeschossen"

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Am Samstag präsentierte die neue Bewegung "Future for Tennis" unter der Führung von Barbara Muhr ihre Pläne für die Zukunft des österreichischen Tennis.

Die steirische Landesverbands-Präsidenten will mit Hilfe des neu gegründeten Austrian Tennis Committees (ATC) die Nachwuchsarbeit im heimischen Tennis-Sport umkrempeln.

Als ÖTV-Sportdirektor plant die 52-jährige Steirerin, Wolfgang Thiem einzusetzen.

Bei LAOLA1 gibt der Vater von Tennis-Weltstar Dominic, der in den letzten Jahren die Leitung der Tennis-Akademie von Günter Bresnik inne hatte, einen genauen Einblick, welche Vorstellungen er diesbezüglich hat. Außerdem spricht er über das Ende der Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Mentor Günter Bresnik und wie das aktuelle Verhältnis zwischen Bresnik mit der Familie Thiem ist.

Frage: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem ATC?

Wolfgang Thiem: So etwas wie das ATC (Anm.: Austrian Tennis Committee) hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Tennis in Österreich lebt und wir etwas bewegen könnten. Vor einigen Monaten habe ich mir das mit der Barbara angeschaut, was wir im Tennis machen könnten und dann ist langsam Schritt für Schritt diese Idee entstanden und Barbara hat immer mehr Leute ins Boot geholt. Ich kann meine Erfahrung im Nachwuchsbereich einbringen und auch meine Ideen über mögliche Strukturen. Die Leute aus der Wirtschaft sollen ein Budget aufstellen, damit sich der ÖTV besser bewegen kann.

Frage: Was würdest du als ÖTV-Sportdirektor gerne umsetzen?

Thiem: Ich will ein zentrales Leistungszentrum, in dem die besten Nachwuchs-Spieler Österreichs ausgebildet werden. Die Südstadt ist für mich diesbezüglich die Nummer-1-Destination. Der Ausbau der Infrastruktur wäre sehr wichtig. Günter (Anm.: Bresnik) hat zwar immer gesagt, dass eine Top-Anlage aus keinem einen Tennis-Profi macht, aber in der heutigen Zeit sind manche Dinge Usus und die Südstadt ist einfach nicht mehr up-to-date. Du brauchst meiner Meinung nach in einer Akademie vor allem genügend Plätze. Bei den Hardcourts ist das nicht mehr zeitgemäß. Da brauchst du einen schnelleren, einen langsameren und einen mittleren, was die Geschwindigkeit betrifft. Zudem wäre in der Halle ein Holzboden gut. Dazu kommen eine Top-Physiotherapie und ein Top-Konditions-Training – das wären für mich die drei Säulen. Die Schule mit der Oberstufe gibt’s in der Südstadt eh schon. Plätze, Physiotherapie, Kondition – das medizinische fällt für mich in die Physio rein. Ein langfristiges Ziel wäre, einmal ein Stadion in die Südstadt zu bauen, wo man auch Davis Cup oder ein Challenger-Turnier spielen kann. Auch die Büros des Verbandes könnte man dort ansiedeln. Es sollte einfach das Zentrum des österreichischen Tennis werden. Das wäre dann allerdings erst der übernächste Schritt.

Frage: Dominic steht jetzt auch bei Red Bull unter Vertrag, die in Salzburg mittlerweile über ein sensationelles Leistungszentrum verfügen. Habt ihr das auch schon genützt bzw. schon Input geholt, um Ähnliches einmal in der Südstadt umsetzen zu können?

Thiem: Dieser Gedanke ist mir natürlich schon öfter durch den Kopf gegangen. Ich weiß aber nicht, in wie weit Red Bull sich im Tennis engagieren will. Wenn man ähnlich dem Eishockey oder Fußball in Salzburg etwas schaffen könnte, wäre das natürlich eine tolle Sache. Man könnte so viel machen, am Ende brauchst du aber das Geld dazu. Wenn du das Geld hast, kannst du vielleicht auch die Länder kontrollieren.

Frage: Was für Pläne hast du bei den jüngeren Jahrgängen?

Thiem: Meine Wunschvorstellung wäre, dass die Landesverbände ein einheitliches System haben, damit die Kinder bis zum 14. Lebensjahr einheitlich ausgebildet werden. Von dort erfolgt dann die Selektion, dass die besten Kinder in die Südstadt kommen. Dort muss dann mit den Burschen und Mädchen gemischt gearbeitet werden – und dafür brauch ich dann auch mehr Plätze.

Frage: Wie schätzt du die Chancen ein, dass die ambitionierten Ziele von Barbara Muhr am Ende auch umgesetzt werden können?

Thiem: Wir haben sechs Leute, die für ein Präsidium bereit wären, vom ATC abgekoppelt. Da braucht es einen Wahlvorschlag und die Länder hinter dir. Das ist alles andere als leicht. Wenn die Länder sehen, dass hier Leute aus der Wirtschaft dahinter stehen, dann werden sie sich hoffentlich dieser Bewegung anschließen. Es ist ein Angebot. Wenn die Länder das Angebot annehmen, kann man zu arbeiten beginnen. Vielleicht kann noch etwas verfeinert werden oder die eine oder andere Person kommt noch hinzu. Grundsätzlich wären wir aber startklar. Wenn die Länder dagegen sind, dann steht diese Wirtschaftskraft aber vermutlich nicht dem Verband zur Verfügung und ich werde meine Arbeitskraft auch nicht dem Verband zur Verfügung stellen. Man kann dann ja eine eigene Akademie machen. Ich bin aber kein Sport-Politiker, ich will einfach nur etwas im Sport bewegen und meine Erfahrung der letzten 20 Jahre einbringen. Der Tennis-Sport hat mir sehr viel ermöglicht und da fühlt man sich dann einfach verpflichtet, ihm auch etwas zurückzugeben. Deshalb habe ich mich da auch bereit erklärt, etwas zurückzugeben.

Frage: Die Länder haben in der Vergangenheit immer wieder für Probleme gesorgt, wenn es darum ging, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Was macht dich zuversichtlich, dass es diesmal anders läuft?

Thiem: Man hat als Außenstehender oft den Eindruck, dass es ein zerstrittener Haufen ist. In diesem Fall habe ich aber den Eindruck, dass hier gute Leute am Werk sind. Ein Thomas Muster macht ja auch nicht wegen des Verbandes mit, sondern weil er die Barbara Muhr jahrelang kennt und durch sie bereit war, hier mitzumachen. Jetzt muss man einmal schauen, wie die Reaktionen sind und wie der Verband darauf reagiert. Das ist aber alles nicht mein Thema. Ich decke den sportlichen Bereich ab.

Frage: Sollte das Angebot von den Landesverbänden nicht angenommen werden, was wäre dann?

Thiem: Wir haben alle den Vorteil, dass wir beruflich verankert sind. Es ist ein Angebot an den Verband. Wenn es angenommen wird, ist es gut. Wenn nicht, geht für uns die Welt auch nicht unter. Ich würde dann auf alle Fälle etwas Privates machen. In der Südstadt ist immer die Problematik mit den Plätzen. Es muss irgendwo mit einer guten öffentlichen Anbindung sein, wo ich auch die Kinder hinbringe. Das ist die Problematik. Es muss zudem irgendwo im Süden sein. Ich will nicht mehr täglich von acht bis acht Uhr am Platz sein. Der Norden von Wien ist für mich schwer erreichbar.

Frage: Du hast vor Kurzem die Akademie von Günter Bresnik verlassen. Geschah das wegen „Future for Tennis“?

Thiem: Damit hat das gar nichts zu tun. Günter führt jetzt die Akademie wieder nach seinen Vorstellungen. Ich habe mittlerweile eben einfach etwas andere Vorstellungen und ich glaube, dass ich die Akademie in den letzten vier Jahren recht erfolgreich geführt habe. Ich glaube, dass die Akademie, wie ich sie verlassen habe, so gut dagestanden ist wie noch nie.

Die Wege von mir und Dominic sind in einem gewissen Grad ähnlich. Du kannst dich nur dann entfalten, wenn du frei bist.

Wolfgang Thiem über Trennung von Bresnik

Frage: Inwiefern ist dein Weg anders als jener von Günter Bresnik?

Thiem: Günter war für mich derjenige, der mir und Dominic das Handwerk beigebracht hat. Die Wege von mir und Dominic sind in einem gewissen Grad ähnlich. Du kannst dich nur dann entfalten, wenn du frei bist. Wenn du immer das Gefühl hast, du musst es jemandem recht machen, dann bist du einfach eingeengt. Bei mir war das in den letzten vier Jahren nicht der Fall, weil Günter viel weg war. Jetzt ist er wiedergekommen und hat begonnen, es nach seinen Vorstellungen zu führen. Deshalb bin ich weggegangen.

Frage: Du hast mit deinem Abgang auch Dennis Novak und Sebastian Ofner „mitgenommen“. Wie kam es dazu?

Thiem: Ich habe mit Dennis und Ofi immer einen guten Kontakt gehabt. Nach der Trennung von Günter mussten sie sich entscheiden, ob sie mit mir mitgehen oder bei Günter bleiben wollen. Und sie wollten eben mit mir mitgehen. Sie haben aber weiterhin Management-Verträge mit Günter. Ich will auch nicht alle Verträge aufreißen – ich habe ja keinen Streit mit Günter. Wir haben uns nur getrennt, weil wir eben verschiedene Vorstellungen haben.

Frage: Gibt es auch weiterhin einen Vertrag mit Dominic und Günter oder wurde dieser nach der Trennung aufgelöst?

Thiem: Es gibt einen Vertrag und der Vertrag ist einzuhalten. Dominic und Günter haben einen Vertrag und der ist nach wie vor gültig. Es hat sich natürlich etwas geändert, weil wir jetzt andere Kosten für Trainer und Manager haben. Es gibt aber weiterhin diese Vereinbarung.

Frage: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem neuen Manager Herwig Straka?

Thiem: Herwig ist das Gegenteil von Günter, er ist total durchorganisiert und für Dominic ist es wichtig zu wissen, wie der Plan für die nächsten Tage ausschaut. Wenn ich am Freitag nicht weiß, wie der Samstag ausschaut, ist das schwierig. Günter hatte auf seine Art und Weise seinen Plan, hat diesen aber nicht entsprechend kommuniziert.

Frage: Wie ist das aktuelle Verhältnis der Thiem-Familie zu Günter Bresnik?

Thiem: Wir haben super Zeiten mit Günter verbracht und er war ein richtig guter Freund. Natürlich war es danach irgendwie komisch, durch die Trennung mit Dominic sind aber einfach Risse entstanden, die sich auf die Freundschaft niedergeschlagen haben. Das kam so schleppend. Wir haben ein normales Verhältnis miteinander. Wir gehen nicht gemeinsam feiern, hatten aber keinen Streit oder so etwas in der Art. Der Günter ist eben der Günter. Er hat seine Qualitäten, ist aber auch ein extrem komplizierter Mensch. Es ist schade, dass er das unglaublich geile Projekt mit Dominic nicht zu Ende bringen konnte. Wenn er vor zwei, drei Jahren ein paar Gänge zurückgeschalten hätte und andere Leute werken hätte lassen, dann wäre es wahrscheinlich anders gekommen. Letztlich hat er sich mit dieser Geschichte selbst abgeschossen. Das tut mir leid, weil ich ihn sehr schätze.

Textquelle: © LAOLA1.at

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