Tour 2020: Neue Generation und alte Leiden

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Nach 3.482 Kilometern ging die Tour de France am Sonntag in Paris zu Ende. Ein Erfolg für den "Mythos" Tour und die Veranstalter in Zeiten von Corona.

Überraschungssieger Tadej Pogacar feiert heute Montag im Gelben Trikot seinen 22. Geburtstag und dokumentiert die slowenische Dominanz bei der 107. Ausgabe der Frankreich-Radrundfahrt. Das slowenische Duo zeigte bereits im Vorjahr bei der Vuelta groß auf. Primoz Roglic sicherte sich den Gesamtsieg und die Punktewertung bei der Spanien-Rundfahrt 2019, Pogacar belegte den dritten Endrang, gewann drei Etappen und war bester Jungprofi.

Die erste große, dreiwöchige Landes-Rundfahrt nach der Corona-Zwangspause hatte mit einigen Schlaglichtern aufzuwarten.

ÄRA: Sieben Mal in den vergangenen acht Jahren hatte das Ineos-bzw. Sky-Team die Tour de France gewonnen. Der britische Rennstall büßte trotz hochkarätiger Stars und des höchsten Budgets in diesem Jahr seine Dominanz ein und spielte in der Gesamtwertung keine Rolle. Titelverteidiger Egan Bernal aus Kolumbien fuhr nach einem Einbruch vorzeitig nach Hause.

CORONA: Nicht ein Fahrer wurde in den drei Wochen positiv auf Corona getestet, das Konzept der Veranstalter ging voll auf. Die Fahrer hielten sich brav an die Vorgaben - ganz im Gegensatz zu Christian Prudhomme. Der Tourchef musste zwischenzeitlich nach einer Positiv-Kontrolle für eine Woche nach Hause in Quarantäne.

ERNÜCHTERUNG: Für den sturzgeplagten Hoffnungsträger Thibaut Pinot platzte der Traum vom Gesamtsieg in den Pyrenäen. Landsmann Julian Alaphilippe musste das Gelbe Trikot abgeben, nachdem er unerlaubt auf den letzten 20 Kilometern eine Trinkflasche annahm. Die Gastgeber müssen auch nach 35 Jahren weiter auf den Nachfolger des fünfmaligen Tour-Champions Bernard Hinault warten. Dazu gab es nur zwei Etappen-Siege für Frankreich.

GENERATION: Tadej Pogacar holte sich mit 21 Jahren und 365 Tagen als zweitjüngster Gesamtsieger das Gelbe Trikot. Der ein Jahr ältere Schweizer Marc Hirschi gewann eine Etappe und wurde zum angriffslustigsten Fahrer der Tour bestimmt. Dazu kommt mit Lennard Kämna ein weiterer Youngster, der sechs Tage nach seinem 24. Geburtstag für den einzigen deutschen Etappensieg sorgte.

MACHT: Das kleine Slowenien regiert die Tour de France. Platz eins und zwei in der Gesamtwertung durch Pogacar und Roglic, dazu vier Etappensiege der beiden Stars. Das Land mit gerade einmal zwei Millionen Einwohner räumte bei der 120. Großen Schleife durch Frankreich beeindruckend ab.

Greg Lemond und Eddy Merckx schwärmen von Pogacar

Pogacar wird nach seinem Triumph mit Lob überhäuft: "Ich habe vor dem Fernseher geschrien, so wie ich 1989 auf den Champs Elysses bei meinem Sieg geschrien habe. Das ist die Geburt eines großen, großen Champions", sagt der US-Amerikaner Greg LeMond dem französischen Tour-Organ "L'Equipe".

Auch der fünffache Champion Eddy Merckx äußert sich. "Ich wusste schon nach der Vuelta, dass er ein Großer ist. So eine Nummer macht man nicht, wenn man kein Talent hat", sagt der Belgier.

Lance Armstrong, inzwischen in Radsport-Kreisen geächtet und wegen seiner Doping-Vergangenheit lebenslang gesperrt, spricht von einer "Leistung für die Ewigkeit". Vielleicht sei es die Beste jemals gewesen.

Die britische Tageszeitung "The Guardian" fasst die Tour 2020 wie folgt zusammen: "Präsentationen maskierter Teams in Nizza, positiver Covid-19-Test für den Tour-Direktor...es war eine merkwürdige Tour, doch der Gewinner wirkt so, als ob er gekommen sei, um an der Spitze eines aufregenden jungen Nachwuchses von Radsportlern zu bleiben."

Textquelle: © LAOLA1.at

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