Nicht alles Gold, was glänzt

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

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Rio de Janeiro. Wenn die Olympischen Sommerspiele schon erstmals nach Südamerika kommen, dann gibt es wohl kaum einen geeigneteren Platz als die bezaubernde Metropole am Zuckerhut.

Die Medaillenjagd am Traumstrand Copacapana, Eröffnung und Fußball im Maracana, Segeln in der Guanabara-Bucht am Fuße des Zuckerhuts und über allem wacht auf dem Hügel Corcovado („der Bucklige) der berühmte 30 Meter hohe Christus (Cristo Redentor), der seine Arme über die gesamte Stadt ausstreckt. Sportlerherz, was willst du mehr?

Wobei, auch in Rio ist nicht alles Gold was glänzt. Die Wirtschaftskrise in Brasilien macht dem Riesen-Land (24 Mal so groß wie Deutschland!) zu schaffen, das Internationale Olympische Komitee steckt nach dem Dopingsumpf in Russland und dessen halbherziger Aufarbeitung in seiner größten Vertrauenskrise und ob Österreich in Rio die Medaillenkrise von London, wo es kein einziges Edelmetall (in Worten: Null Medaillen) gab, abschütteln kann, bleibt abzuwarten.

Rio hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten nichts von seinem Reiz verloren, Es ist mein vierter Besuch in der pulsierenden, faszinierenden, gleichzeitig aber auch gefährlich kriminellen Weltstadt am Atlantik.

Ich freue mich auf meine vierten Sommerspiele für LAOLA1. Nach Athen, Peking und London sind die Spiele im südamerikanischen Winter nicht nur für die über 10.000 Athleten aus 206 Nationen ein einmaliger Kontrast, erreichen aber auch völlig neue Dimensionen, die zu Diskussionen Anlass geben. Über 10 Milliarden Euro sind in Infrastruktur und Bauten für den Kampf um die Medaillen gesteckt worden. Nach den horrenden Ausgaben für die Fußball-WM 2014 zu viel für die Bevölkerung im Land mit über 200 Millionen Einwohner.

Erst heute ist es am Rande des Olympischen Fackellaufs wieder zu Protesten gegen das Megaprojekt in Rio gekommen. 20 Kilometer vor der Olympiastadt ging die Polizei mit Tränengas und Gummigeschoßen gegen Studenten und Professoren vor, die beim Fackellauf gegen die schlechte Bildungspolitik und den Sparkurs der Regierung protestierten. Die politische Lage ist instabil, die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf.

Rio teilt sich in den wohlhabenden Süden rund um die herrlichen Strände, in den armen Norden und neuerdings in den modernen Westen, wo der riesige Olympiapark samt einer Vielzahl an Hochhäusern aus dem Boden gestampft worden ist. Durchaus möglich, dass die Ausschreitungen und Proteste während der Spiele anhalten. Das Land kann sich angesichts der großen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme immer weniger für Olympia begeistern.

Die Eröffnungsfeier wird zur nächsten Nagelprobe. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ist im Mai suspendiert worden, um ihre Machenschaften und angeblichen Budget-Tricksereien juristisch zu überprüfen. Rouseff spricht von einem „Putsch“. Ihr bisheriger Vize- und Interims-Präsident Michel Temer übernahm die Macht und wird die Spiele im Maracana-Stadion eröffnen.

Die Stimmung ist angespannt. So schreibt die Zeitung „El Mundo“ heute: "Stell dir vor, du gibst eine Party. Du arbeitest mehrere Jahre dafür, bereitest alles vor, organisierst die Beleuchtung, bestellst die Presse. Und am Tag, an dem die Party beginnt, kommt jemand an deiner Stelle und reißt die Party an sich.“

Mein Kollege Reinhold Pühringer und ich werden uns unter das Party-Volk mischen und für dich die Spiele der XXXI. Olympiade von allen Seiten beobachten.

Das LAOLA1-Team in Wien ist rund um die Uhr im Einsatz und liefert dir unter dem Olympischen Motto „höher, schneller, weiter“ alle Zahlen, Daten, Fakten, Bilder, Videos und Berichte rund um die 306 Wettbewerbe in 28 Sportarten. Mögen die Spiele beginnen.

Ate logo, bis bald!

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