Bestechungs-Gerüchte um Rio trüben Doppel-Vergabe

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Am Mittwoch werden mit Paris und Los Angeles die Gastgeber der Olympischen Spiele 2024 und 2028 gekürt.

Doch im Zuge der Vollversammlung in Lima sah sich IOC-Präsident Thomas Bach zunächst mit Vorwürfen über einen möglichen Bestechungsskandal rund um Olympia 2016 in Rio konfrontiert: "Keine Organisation in der Welt ist immun. Wenn Beweise vorgelegt werden, werden wir handeln."

Im Fokus des Skandals steht Carlos Arthur Nuzman, brasilianischer Chef des Organisationskomitees von Olympia 2016.

Es ist gerade mal ein gutes Jahr her, da schaute ein Milliardenpublikum auf Carlos Arthur Nuzman. "Der beste Platz ist jetzt hier", rief er bei der Eröffnung der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro - Bach stand strahlend daneben. Dieser Nuzman musste nun seinen Reisepass abgeben, sein Haus wurde durchsucht, seine Konten gesperrt.

Und er ist es, der Bach die so sorgfältig vorbereitete erst zweite Doppelvergabe bei der IOC-Session, der Vollversammlung der Mitglieder, in Lima zu verhageln droht. Und es geht mittlerweile um die Frage, ob auch bei der Vergabe an Tokio 2020 geschmiert worden ist.

The show must go on

Eher unwahrscheinlich ist, dass sich das IOC in Zukunft - Jahre nach der Vergabe an Paris und Los Angeles - Vorwürfen stellen müsste, dabei sei etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen. Wieder sprach der deutsche IOC-Präsident von einer "goldenen Gelegenheit", zwei Städte dieses Formats am Ende küren zu können.

Bach hat bei allem aktuellen Ärger bekommen, was er wollte. Das IOC kann auf verlässliche Partner setzen und gewinnt Zeit, die angesichts der Korruptionsvorwürfe offensichtlich nötigen Reformen anzupacken.

Als Bach im vergangenen Dezember die Debatte um die Vergabepraxis angeschoben hatte, war dem Fecht-Olympiasieger von 1976 klar, dass es so nicht weitergehen kann. Vor der außerordentlichen Vollversammlung der IOC-Mitglieder beschrieb er am 11. Juli das Dilemma so: Früher hätten Bewerbungen noch ein ganzes Land hinter sich gesammelt. "Das hat sich dramatisch verändert, vor allem in Europa." Man müsse das nicht mögen, könne es aber eben nicht ignorieren.

Niedrigeres Budget in Paris und L.A.

Unter diesem Aspekt ist das IOC mit der französischen Hauptstadt und der US-Westküstenmetropole gut bedient. Das Spektakel braucht in der Bevölkerung Rückhalt und eben für die milliardenschwere Vermarktung auch Glamour und Sexappeal, beides reichlich vorhanden.

"Follow the sun" (Folge der Sonne), heißt das Motto der Bewerbung von Los Angeles. Natürlich wird die Stadt mit ihrem großartigen Flair grandiose Bilder und das passende Lebensgefühl rüberbringen, die Werbepartner des IOC werden es lieben. Wichtig: Die teuersten Fernsehrechte liegen beim US-Sender NBC, einige Top-Sponsoren sind US-Konzerne wie Coca Cola und Visa. Die USA sind noch immer ein gewaltiger Markt.

Auch Paris ist in puncto Glamour ein Volltreffer. Ein Beachvolleyball-Turnier vor dem Eiffelturm hat jede Menge Charme und liefert ein tolles Panorama. Das IOC gewinnt also in jeder Hinsicht: Beide Städte haben bürgernahe Konzepte vorgelegt, die ein echter Kontrast beispielsweise zum russischen Gigantismus sind. In die Winterspiele von Sotschi 2014 sollen ungeheuerliche 50 Milliarden Euro geflossen sein.

Beispielgebend für die Zukunft ist, dass sich die Kosten für 2024 und 2028 in einem vertretbaren Rahmen halten sollen. Mit 5,3 Milliarden Dollar will Los Angeles auskommen (knapp 4,5 Milliarden Euro). Dass das IOC 1,8 Milliarden Dollar als Teil des Deals beisteuert, freut die Stadt und versüßt natürlich auch ein bisschen das Warten. Paris kalkuliert mit 6,2 Milliarden Euro. Mit diesen Vorbildern können sich Thomas Bach und das IOC nun mit ausreichend Zeit auf die Suche nach - auch politisch unverdächtigen - Kandidaten für die Winterspiele 2026 und die Sommerspiele 2032 machen und die Vergabepraxis grundlegend reformieren.


Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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