Norwegen: Altbekannter Riese dank Wachstumsschub

 

Die große Chance auf den Hauptrunden-Einzug bei der Handball-WM in Ägypten wurde von Österreich mit der 25:28-Niederlage gegen die Schweiz vergeben. Das ist die realistische Betrachtung.

Im Sport regiert aber nicht immer blanker Realismus. Und rein mathematisch ist das Weiterkommen im "Finale", dem letzten Vorrundenspiel gegen Norwegen am Montag (20:30 Uhr), keine Möglichkeit rein theoretischer Natur. Es braucht "nur" einen Sieg für das ÖHB-Team, um noch Gruppendritter zu werden (Details: So kommt Österreich weiter>>>).

Ein "nur" mit einer hohen Hürde auf der Gegenseite. Norwegen ist Vizeweltmeister und EM-Dritter, ein Medaillenkandidat - und kaum eine Nummer kleiner als es Frankreich war.

Bei solch einem "Lebenslauf" des Gegners muss das Prinzip Hoffnung bemüht werden: "So, wie Fortuna bisher gegen uns war, ist gegen Norwegen das Glück vielleicht mit uns", so Tobi Wagner. "Wenn es eine Chance gibt, dann müssen wir im Kopf bereit sein, sie anzunehmen."

Österreich war schon Spielverderber

Dass Norwegen in diesen Sphären mitspielt, ist aber keine historisch in Stein gemeißelte Sache. Jahrzehntelang stagnierten die Norweger in der erweiterten Weltspitze, im vergangenen Jahrzehnt mussten sogar zwei Nicht-Qualifikationen für Weltmeisterschaften hingenommen werden.

Bild trügt: 2014 hatte Österreich noch Norwegen "am Krawattl"
Foto: © GEPA

Dass Katar 2015 verpasst wurde, war sogar Österreich geschuldet. Die alte ÖHB-Generation rund um Viktor Szilagyi und Co. bezwang Norwegen im Juni 2014 im WM-Quali-Playoff 28:26, nach dem 28:28 auswärts fuhr Rot-Weiß-Rot in die Wüste.

Überhaupt sind Österreich und Norwegen sehr gute Bekannte: Seit 2007 gab es elf Duelle, darunter auch zwei Spiele mit ähnlicher Ausgangslage bei der EURO 2018 und der WM 2019. Sie blieben ohne Happy End, wie neben dem erwähnten WM-Playoff überhaupt nur ein weiteres Spiel zugunsten Österreichs ausging.

Sander Sagosen, die Tormaschine

Zuletzt sind die Norweger überhaupt völlig enteilt, konnte zu den traditionell starken Skandinaviern Schweden und Dänemark aufschließen.

Dabei wurde jener Weg vorgelebt, der auch für Österreich gangbar sein kann - immer mehr Spieler kamen in der Deutschen Handball-Bundesliga unter, der Kader besteht rund zur Hälfte aus Akteuren von dortigen Klubs. Mittlerweile ist jede Position doppelt mit Top-Spielern besetzt.

Tormaschine Sagosen muss gestoppt werden
Foto: © getty

Ein Star-Aufgebot mit einer weiteren Parallele zu Österreich: Es gibt einen alles überragenden Mann, der ähnlich wie Nikola Bilyk auch beim THW Kiel spielt - Sander Sagosen. Bloß, dass der EM-Torschützenkönig 2020 im Gegensatz zu Bilyk auch in Ägypten dabei ist und mit unglaublichen 21 Toren aus den ersten beiden Spielen seine Bedeutung unterstrich.

Ihn etwas einzubremsen und Mittel gegen die beiden Weltklasse-Torhüter Torbjorn Bergerud und Espen Christensen zu finden, wird unabdingbar sein, um die Mini-Chance überhaupt aufzumachen.

Keine Schwachstellen, und trotzdem ein Rezept

"Sie fahren zu jeder WM und EM, um Gold zu holen. Das sagt alles", will ÖHB-Teamchef Ales Pajovic keine Illusionen aufkommen lassen.

"Sie haben Spieler mit hoher individueller Klasse, die alle bei Top-Vereinen spielen und viel Europacup-Erfahrung mitbringen. Dazu starke Torhüter und ein starkes taktisches Konzept. Sie sind eine der schnellsten Mannschaften auf der Welt, spielen stark in der Deckung, eine schnelle erste und zweite Welle", findet er kaum Schwachstellen.

Wagner hat schon ein Rezept verinnerlicht: "Wir müssen in der Deckung darauf achten, dass wir nicht alleine gegen sie stehen, müssen gut rücken, die Räume klein machen und sie so zwingen, aus schlechten Positionen zu werfen."

Dazu auch die nötige Aggressivität: "Ein, zwei Stop-Fouls machen und den Torhütern helfen, damit wir auf die 40 Prozent Fangquote kommen, die wir brauchen. Im Angriff müssen unsere beiden überragenden Außenspieler (Robert Weber und Sebastian Frimmel, Anm.) noch besser eingebunden werden."

Es wird alles zusammenspielen müssen, um das "ewige Duell" mit Norwegen nicht zu einer "Neverending Story" werden zu lassen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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