Kurios: Bei ÖHB-Gegner zahlte Coach Spieler-Flüge

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Nach dem verpatzten Start in die EM-Qualifikation steht Österreichs Handball-Nationalteam im zweiten Gruppenspiel am Sonntag (20 Uhr) auswärts gegen Bosnien-Herzegowina bereits gehörig unter Druck.

Eine weitere Niederlage und die Quali-Chancen sinken auf ein Minimum.

Mit Bosnien wartet auf die Truppe von Teamchef Patti Johannesson aber nicht nur eine nominell besser besetzte Mannschaft als Auftaktgegner Finnland, sondern auch ein Nationalteam im Ausnahmezustand.


Österreich unterliegt überraschend Finnland:


Aufgrund massiver finanzieller Schwierigkeiten mussten Coach Bilal Suman und Generalsekretär Smajo Karacic zuletzt sogar in die eigene Tasche greifen, damit die Auswahl überhaupt zum ersten Quali-Match nach Spanien (Endstand 21:30) reisen konnte. Eine Tat, mit der sie letztlich den ganzen Verband retteten.

Überlebensnotwendige Reaktion

25.000 Euro bezahlten die beiden aus eigener Tasche, um die 16 Spieler samt Betreuerstab nach Valladolid zu verfrachten. „Hätten wir das nicht getan, würde es den bosnischen Handball-Verband nicht mehr geben“, wird Suman auf der Homepage der Föderation zitiert.

Bei einem Nichtantreten geht der 48-Jährige nämlich von einer 50.000-Euro-Strafe sowie einer wahrscheinlich Fünf-Jahres-Sperre aus, was wohl finanziell wie sportlich einem Todes-Urteil gleichgekommen wäre.

Er und Karacic gehen davon aus, dass sie das Geld zurückerstattet bekommen. Gleichzeitig spart der langjährige Dänemark-Legionär, der erst im August den Teamchef-Posten übernahm, verständlicherweise nicht mit Kritik.

Vorstand legt die Hände in den Schoß

Ausschlaggebend für die triste Situation sei laut dem Trainer mangelnde Unterstützung von Seiten der Politik. Zwar gibt es eine Handvoll privater Sponsoren und auch einen engagierten Minister, aber unterm Strich fließe von Staatsseite einfach zu wenig Geld. „Ich sage nicht, dass das Land 100 Prozent des Budgets bereitstellen muss, aber alleine schon zehn Prozent würden reichen, um das Funktionieren zu erleichtern“, so Suman.

EM-Qualifikation: Gruppe 3 # Pkt
1. Spanien 1 2
2. Finnland 1 2
3. Österreich 1 0
4. Bosnien-Herzegowina 1 0
Modus: Top-zwei plus bester Gruppen-3. fahren zur EM

Halt macht er mit seinem Rundumschlag auch nicht vor dem eigenen Verbands-Vorstand. „Wir versuchen, Grundlagen für ein gutes Gefüge zu legen. Es gibt auch eine Menge Leute, die bereit sind zu helfen, aber am Ende läuft immer alles auf persönliche Kontakte hinaus. Dafür ist Hilfe vom Staat und den Unternehmen notwendig. Das Traurige daran ist, dass niemand aus dem Präsidium oder dem Vorstand reagierte“, klagt Suman an.

Heißes Pflaster

Ob und wie sich die prekäre Lage auf die bosnischen Spieler rund um Veszprem-Abwehrchef Mirsa Terzic auswirkt, scheint unklar.

Es liegt jedoch der Schluss nahe, dass das Wort eines Trainers, der sogar die Flüge seiner Mannen bezahlt, großes Gewicht hat. Zumal die Stimmung bei Spielen in Sarajevo ohnehin stets eine recht aufgeheizte ist.


Reinhold Pühringer



Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare