Das Ende einer Ära

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Der würdige Schlusspunkt einer großartigen Ära?

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Meint man es nicht gut mit der AFC, könnte man ihr Langeweile unterstellen.

Meint man es gut mit der AFC, kommt man zum Schluss, dass sie in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten von einer goldenen Ära geprägt wurde, von der wir als Football-Familie noch lange, lange, lange sprechen werden.

Zum zehnten Mal in den vergangenen 15 Jahren wird die AFC in der Super Bowl von Tom Brady oder Peyton Manning vertreten werden.

Ließen die beiden Superstars der New England Patriots (Brady) beziehungsweise Indianapolis Colts und Denver Broncos (Manning) aus, kam gerne Ben Roethlisberger mit seinen Pittsburgh Steelers zum Zug - insgesamt drei Mal.

Lediglich vor drei Jahren, als Joe Flacco mit seinen Baltimore Ravens zu Höchstform auflief und sowohl Manning als auch Brady höchstpersönlich eliminierte, und 2003, als Rich Gannon die Oakland Raiders ins "Big Game" beförderte, setzten sich andere Spielmacher durch.

Dennoch: Was für eine beeindruckende Konstanz!

Aus Denver berichtet Peter Altmann

DENVER BRONCOS (1) - NEW ENGLAND PATRIOTS (2) 21:05 Uhr

Nun also Teil 17 der ewig-jungen Rivalität zwischen Manning und Brady - gleichzeitig der vermeintliche Schlusspunkt des vermutlich größten Klassikers der NFL-Geschichte, ganz sicher ihres verlässlichsten Dauerbrenners.

Lediglich 2008, als Brady am Knie verletzt war, und 2011, als Manning die komplette Saison auslassen musste, standen sich die beiden Ausnahmekönner nicht gegenüber. Ansonsten gab es - seit beide in der Liga sind - Jahr für Jahr zumindest einen sportlichen Schlagabtausch.

Da sich beide inzwischen schon recht konkret mit der Planung der Party zum 40. Geburtstag beschäftigen können, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Begegnung am Sonntag die Ehrenrunde des gemeinsamen Weges darstellt.

Das direkte Duell um ein Super-Bowl-Ticket als mehr als würdiger Schlusspunkt. Denn es ist kaum anzunehmen, dass Manning nach dieser für ihn persönlich verkorksten Saison noch ein weiteres Jahr anhängen wird.

Es wird also langsam Zeit, Bilanz zu ziehen. Schauen wir uns daher einige Statistiken dieses Duells der Giganten an:

MANNING-BRADY-STATS:

  • Nach den bisherigen 16 Duellen führt Brady im Head-to-Head souverän mit 11:5.

  • Bradys Quarterback-Rating in Duellen mit Manning beträgt 96,5, das von Manning in Duellen mit Brady 87,4.
  • Es ist das fünfte Aufeinandertreffen der beiden in den Playoffs - neuer NFL-Rekord.

  • Es ist das vierte Duell in einem AFC-Championship-Game. Manning führt in diesem Head-to-Head 2:1.

  • In den Playoffs blieb stets der QB mit Heimrecht siegreich.

  • Noch nie trafen in einem Postseason-Matchup zwei Quarterbacks mit insgesamt 356 Siegen, 967 TD-Pässen und 129,968 Passing Yards aufeinander - allesamt Höchstwerte.

  • Noch nie standen sich zwei Spieler mit derart vielen Postseason-Starts in den Playoffs gegenüber - insgesamt 55, Brady kommt auf 30, Manning auf 25. Dies ist nicht nur Rekord für Quarterbacks, sondern auch für jede Position.

  • Manning (39) und Brady (38) stellen in diesem Match auch den Rekord für die beiden ältesten Quarterback-Kontrahenten in einem Playoff-Spiel auf.

  • Brady liegt das Sports Authority Field at Mile High nicht. Seine Bilanz in Denver ist mit 2-6 schwach, besiegen konnte er als gegnerische Quarterbacks lediglich die beiden Leichtgewichte Danny Kanell und Tim Tebow. Niederlagen kassierte er in chronologischer Reihenfolge gegen Brian Griese, Jake Plummer (zwei Mal), Kyle Orton, Peyton Manning und in dieser Saison gegen Brock Osweiler.

  • Insgesamt beträgt Bradys Bilanz gegen Denver 6-8. Die Broncos sind somit das einzige Team der NFL, gegen das der Patriots-Superstar eine negative Bilanz aufweist.

  • Brady (3) hat in dieser Saison mehr Touchdown-Pässe in Denver geworfen als Manning (1).

 

Gerade die letzte Statistik mutet kurios an, auch weil New England die Regular-Season-Begegnung in Denver trotzdem verloren hat. Sie unterstreicht jedoch die schwierige Saison Mannings.

In Woche 4 gegen Minnesota warf er seinen einzigen TD-Pass vor heimischem Publikum. Ansonsten schrieb er entweder Nuller oder war zum Zuschauen verurteilt.

Diese Ausbeute muss diesmal fraglos besser werden.

Höchst interessant und gerade aus Mannings Sicht am Prüfstand sind so gesehen nämlich zwei andere Werte: Einerseits verlor keiner der beiden gegen den anderen ein Playoff-Heimspiel, andererseits Bradys offenkundige Schwäche in der Höhenlage Colorados.

DIE SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG:

Gerade im ultimativen Teamsport American Football ist es natürlich höchstgradig unfair, zwei Protagonisten so sehr hervorzuheben, wenngleich in diesem Fall nachvollziehbar - so ist eben das NFL-Geschäft.

Wie wichtig die "Komparsen" rund um die beiden Hauptdarsteller für den Mannschaftserfolg sind, konnte man in dieser Spielzeit jedoch wunderbar beobachten.

Grobe Verletzungsprobleme brachten die bis dahin so souveränen Patriots in den finalen Wochen der Regular Season ins Trudeln. Wie wichtig gerade das Comeback von Bradys Lieblingsanspielstation Julian Edelman ist, ließ sich in den Divisionals gegen Kansas City wunderbar beobachten.

Und hier kommen wir zu einem entscheidenden Punkt: Mit Edelman auf dem Feld kann Brady den Ball viel schneller los werden. Diese "Quick Releases" waren hier in Denver unter der Woche auch ein Dauerbrenner unter den Vorschau-Themen.

Entgeht Brady dem Pass Rush der Broncos?

Denn je flotter der Patriots-Superstar das Ei aus seinen Händen bekommt, desto schwieriger wird es für die Broncos, ihren vielleicht größten Matchup-Vorteil zu etablieren.

Keine Defense machte in der Regular Season erfolgreicher Jagd auf die gegnerischen Quarterbacks. Satte 52 Sacks standen am Ende zu Buche (Nummer zwei waren übrigens die Patriots mit deren 49).

Angesichts der über die Saison gesehen bisweilen eher fragwürdigen O-Line New Englands bestünde die Chance, enormen Druck auf Brady auszuüben.

Gelingt dies nicht, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass der vierfache Super-Bowl-Champion auch die statistisch gesehen beste Defense dieser Spielzeit seziert - dies ist Brady schon bei anderen starken Abwehrreihen gelungen.

Wenn ein Quarterback dabei ohne Balance im Angriff auskommen kann, sprich ohne Unterstützung des zuletzt ob schwacher O-Line und Personalproblemen auf der Running-Back-Position zu vernachlässigenden Laufspiels, dann er.

Für Manning gilt diese These nicht (mehr). Die Zeiten, als er mit seinen virtuosen Ballverteiler-Künsten Spiele im Alleingang gewinnen konnte, scheinen vorbei.

Kann Denver das Laufspiel etablieren?

Ohne effiziente Attacken am Boden wird es für die Broncos nicht gehen. Gerade das Play-Action-System von Denver-Coach Gary Kubiak bedingt vernünftiges Laufspiel. Zudem könnte man auf diese Art und Weise die Uhr kontrollieren und Brady so lange wie möglich vom Feld halten. Auf die O-Line beziehungsweise C.J. Anderson und Co. wartet so gesehen Schwerstarbeit.

In die Karten spielen könnte den Broncos, dass nach einer sonnigen Woche mit angenehmen Temperaturen für den Matchtag eine relativ hohe Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt wird und sogar Chance auf Schneefall besteht - Wetter, das Laufspiel und Defensivarbeit begünstigen könnte.

Einen Matchplan von Patriots-Mastermind Bill Belichick vorherzusagen, ist nicht gerade einfach. Die logische Variante wäre jedoch, zu versuchen, den Hausherren das Laufspiel wegzunehmen und so Manning zu zwingen, das Spiel durch die Luft zu gewinnen und zum von vielen unerwarteten Helden zu werden - es gab Zeiten, in denen man diese Herangehensweise als gewagt bezeichnen hätte dürfen.

Aber die Zeiten ändern sich, auch in der NFL.

Nur in der AFC bleibt, zumindest in dieser Spielzeit, alles beim Alten: Manning oder Brady - es kann nur einen geben!

DIE LAOLA1-PICKS:

Peter Altmann: Meine Vorfreude, diesen möglicherweise historischen Showdown live im Stadion zu sehen, ist nicht in Worte zu fassen. An einen Klassiker glaube ich jedoch nicht. Ich sehe New England doch recht klar im Vorteil. Brady ist gut genug, der Broncos-Defense die notwendigen Punkte einzuschenken. Bei Denvers Offense bin ich mir da umgekehrt nicht so sicher. Wobei ein Happy End für Manning, der alle Kritiker Lügen straft, natürlich großen Charme hätte. Allein mir fehlt der Glaube. 27:16 New England.

Bernhard Kastler: Brady übertrumpft die Broncos-Defense, Manning jene von New England nicht. Es ist Postseason, wir wissen doch alle, was das bedeutet... 21:13 New England.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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