MotoGP: Tops und Flops der ersten Saisonhälfte

MotoGP: Tops und Flops der ersten Saisonhälfte Foto: © getty
 

Die erste Hälfte der MotoGP-Saison 2021 ist vorüber, es geht in die wohlverdiente Sommerpause.

Dabei werden die Teams und ihre Piloten das bisherige Jahr Revue passieren lassen, daraus ihre Lehren für die zweite Hälfte ziehen. Manch einer wird den kommenden Urlaub entspannter angehen können, als andere.

Wer das ist, zeigt sich in den Tops und Flops der ersten MotoGP-Saisonhälfte:

Top: Fabio Quartararo

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Der heurige Weltmeistertitel in der MotoGP läuft über Fabio Quartararo! Der junge Franzose fährt wie ein Schweizer Uhrwerk, Fehler sind kaum auszumachen. Vier Siege aus bislang neun Saisonrennen sprechen eine klare Sprache, dazu leistet sich der Yamaha-Star kaum Ausrutscher.

Platz 13 steht als schlechtestes Saisonergebnis zu Buche, wobei man „El Diablo“ auch hier in Schutz nehmen muss, denn der Grand Prix von Spanien in Jerez war bis zu den Armpump-Problemen ebenfalls eine klare Angelegenheit für den 22-Jährigen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die kommenden Rennen vonstattengehen, der Red Bull Ring in Spielberg war bisher kein gutes Pflaster für das japanische Fabrikat und Quartararo. Dass gleich zwei Rennen in der Steiermark anstehen, wird beim WM-Leader und Yamaha wohl kaum Freudensprünge auslösen.

Flop: Maverick Vinales

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Freudensprünge erlebte Vinales nur zum MotoGP-Saisonauftakt in Katar, dort feierte der Spanier seinen bisher einzigen Saisonsieg. Was danach kam, kann durchaus als pure Enttäuschung beschrieben werden. Bis zum Grand Prix der Niederlande in Assen fuhr der 26-Jährige nur zweimal in die Top Fünf, wobei es hier auch nur zu fünften Rängen reichte. Ansonsten stehen die Platzierungen 11, 7, 10, 8 und 19 in der WM-Bilanz.

Einzig der zweite Platz vor der Sommerpause in Assen hob die Mundwinkel des ehemaligen Moto3-Weltmeisters wieder etwas an – oder auch nicht, wie die Szenen nach dem Rennen im Parc Ferme zeigten. Während Teamkollege und Rennsieger Quartararo frohlockend in die Arme der Yamaha-Crew sprang, nahm Vinales lieber, ganz abgeschirmt, einen Schluck aus seiner Trinkflasche. Nur eines von vielen Zeichen, warum Vinales in der Saison 2022 nicht mehr für Yamaha fahren wird. Das nächste Ziel? Derzeit noch offen, es scheint aber in Richtung Aprilia zu gehen.

Top: KTM

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Die Leistungen der ersten fünf Grand Prix hätten den Oberösterreichern eigentlich eine Bewertung in der Flop-Kategorie gesichert, seit Mugello ist aber ein klarer Aufschwung erkennbar. In der aufgrund von Corona verkürzten MotoGP-Saison 2020 entwickelte sich KTM endgültig zu einem der Top-Teams in der Motorrad-Königsklasse, das bewiesen unter anderem acht Podestplätze, darunter der erste Rennsieg in Brünn durch Brad Binder. Zwei weitere Erfolge durch Miguel Oliveira in Spielberg sowie Portugal bestätigten die aufsteigende Tendenz. Zu Saisonbeginn lief es allerdings alles andere als rund, bereits der Auftakt in Katar mit den Rängen 13 (Oliveira) und 14 (Binder) ließ zu wünschen übrig.

Auch in weiterer Folge ging nicht viel nach vorne, einzig Binder fand zu konstanterer Form und fuhr in Portimao auf Rang fünf. Nach weiteren Blamagen in Jerez und Le Mans gab es aber die Trendwende, auch aufgrund technischer Upgrades. So wurde ein komplett neues Chassis auf der RC16 verbaut, dazu kam ein eigens entwickelter „Wundersprit“ in Verwendung. Plötzlich präsentierte sich Oliveira in blendender Verfassung, dem ersten Saison-Podestplatz in Mugello folgte der erste Saisonsieg in Barcelona. Ein weiterer zweiter Platz am Sachsenring und KTM war wieder „back in Business“. So steht KTM in der Konstrukteurs-WM nun auf Platz drei, immerhin vor dem Weltmeister-Fabrikat Suzuki und der über viele Jahre dominierenden Honda.

Flop: Honda

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Apropos Honda. Das japanische Fabrikat enttäuscht bisher maßlos. Wäre da nicht der sensationelle Comeback-Sieg von Marc Marquez am Sachsenring, beträge die Sieglos-Serie bereits satte 590 Tage – dies wäre ein Allzeit-Rekord in der Honda-Historie. Der achtfache Weltmeister sparte nach seinem Monster-Highsider am vergangenen Wochenende in Assen auch nicht unbedingt mit Kritik an seinem Team: „Ich mache ihnen mächtigen Druck, denn solche Stürze dürfen wir einfach nicht haben.“ Vor allem die Elektronik versage in Momenten wie beim Trainingssturz des Spaniers, von dem Marquez mehrere Blessuren davontrug. „Pol und Alex hat es in Portimao getroffen und mein Sturz im Jerez im Vorjahr war auch ähnlich", analysierte Marquez.

Auch die bisherigen Saisonergebnisse sprechen eine klare Sprache, ein vierter Platz von Takaaki Nakagami in Jerez ist für die hohen Ansprüche der Japaner viel zu wenig. Dazu kommen massenhaft Stürze im Training, Qualifying, aber auch im Rennen. Bezeichnend: Nur der weiterhin nicht topfitte Marquez vermag, wie bereits in den Jahren zuvor, mehr als das Potenzial der Honda aus dem Bike zu kitzeln. Mit 50 Punkten ist er auch der beste Honda-Pilot im WM-Klassement – wohlgemerkt mit zwei Rennen weniger und satten drei Ausfällen.

Top: Marc Marquez

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Bleiben wir gleich beim achtfachen Weltmeister. Dass der 28-Jährige seit Jahren die Grenzen in der MotoGP überschreitet, ist hinlänglich bekannt. Dass er trotz seiner ein Jahr andauernden Verletzungspause nach der schweren Oberarmverletzung der beste Honda-Pilot ist, zeigt, mit welcher Willenskraft der Spanier agiert. Dabei war nach seinem Comeback beim Grand Prix von Portugal in Portimao unklar, ob Marquez jemals zu alter Form zurückfinden wird. Mit Platz sieben lieferte der langjährige Honda-Fahrer eine solide Rückkehr ab, Rang neun in Jerez bestätigte dies. Für den Spanier war das allerdings zu wenig, vor dem Grand Prix in Le Mans ließ er mit einer Aussage aufhorchen: „Wenn ich nicht mehr stark genug bin, Rennen zu gewinnen, dann ist es besser, ich bleib' daheim.“

Eben in Frankreich deutete Marquez aber erstmals wieder an, bereit für Rennsiege zu sein. In einem von wechselnden Bedingungen geprägten Flag-to-Flag-Rennen lag der 28-Jährige nach dem Bike-Wechsel klar in Front, fuhr unbedrängt in Richtung Erfolg. Ein Sturz auf regennasser Fahrbahn kostete eben jenen Erfolg, ein zweiter nur kurz darauf beendete das Rennen endgültig. Der Grand Prix von Italien war nach zwei Runden jäh zu Ende, auch in Barcelona stürzte Marquez. Speziell danach kamen immer mehr Stimmen im MotoGP-Paddock auf, die dem achtfachen Weltmeister einen Rücktritt nahelegten. Der Honda-Pilot strafte diese Kritiker aber am Sachsenring gehörig ab, der elfte Sieg in Folge beim Grand Prix von Deutschland brachte ihm das wunderschöne Siegesgefühl wieder zurück. Auch in Assen wusste Marquez von Platz 20 aus startend mit dem siebenten Endrang zu überzeugen. Zwar war der Sieg in Deutschland wohl eine Ausnahme, dennoch hat der Spanier seinen Zenit noch nicht erreicht und ist für Honda essenziell.

(Artikel wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Flop: Pol Espargaro

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Während Marquez die gesamte Honda-Last auf seinen Schultern trägt, scheint Pol Espargaro unter ihr zu zerbröckeln. Zwei achte Plätze als bestes Ergebnis sind die magere Saisonausbeute des Spaniers. Zum Vergleich: In der MotoGP-Saison 2020 war Espargaro nur in zwei Rennen nicht unter den Top Acht zu finden, sofern er die Zielflagge sah. Fünf Podestplätze standen im vergangenen Jahr zu Buche, WM-Endrang fünf bescherten dem nun ehemaligen KTM-Pilot einen Platz im Honda-Werksteam neben Marquez.

Dass es schwer sein würde, sich neben dem achtfachen Weltmeister zu behaupten, war Espargaro klar, sollte ihm aber zugleich auch als Ansporn dienen. Mittlerweile ist die anfängliche Euphorie aber längst verflogen, massive Probleme mit dem Handling der Honda verursachen zahlreiche Stürze, viele davon waren äußerst unangenehme Highsider, die massiv am Selbstvertrauen kratzen. Zwar streut der 30-Jährige immer wieder gute Trainings-Ergebnisse ein, sobald der Sonntag kommt, findet er sich aber zumeist im Mittelfeld wieder. Zu seinem Glück wurde er mit einem Zweijahresvertrag bedacht, für seinen Sitz empfiehlt sich weder Nakagami noch Marquez-Bruder Alex. Dennoch sind seine Leistungen eindeutig zu wenig, um sich nachhaltig für den zweiten Platz im Honda-Team zu empfehlen.

Top: Johann Zarco

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2, 2, DNF, 8, 2, 4, 2, 8, 4 – Johann Zarco ist neben dem klaren WM-Leader Fabio Quartararo die Konstante in der MotoGP-Saison 2021. Schon jetzt hat der Franzose, der 2020 noch für Esponsorama Racing - das dritte Ducati-Team in der Motorrad-Königsklasse – fuhr, satte 45 Punkte mehr auf seinem Konto. Summa summarum macht das mit 122 Zählern Rang zwei in der Weltmeisterschaft, dazu kommt, dass Zarco der beste Ducati-Fahrer ist – wohlgemerkt im Satelliten-Team Pramac. Mit seinen vier zweiten Plätzen kratzte der 30-Jährige schon mehrmals am sehnsüchtig erwartenden ersten MotoGP-Erfolg. Quartararo und Zarco haben in Frankreich eine so noch nie da gewesene Welle der Euphorie ausgelöst, beim zweiten Katar-Rennen haben die beiden mit den Plätzen eins und zwei sogar französische Motorsport-Geschichte geschrieben.

Dass Zarco überhaupt noch in der MotoGP fährt, war vor rund zwei Jahren noch undenkbar. Damals war der aus der Filmstadt Cannes stammende 30-Jährige im KTM-Werksteam tätig – eine Liaison, die von Beginn an nicht funkte. Der zehnte Rang in Barcelona war das beste Rennresultat, der Franzose verlor mit Fortdauer der Saison die Lust und Liebe zum Motorrad-Sport. Kurzerhand löste er seinen Vertrag beim oberösterreichischen Fabrikat auf, fand bei LCR Honda seine neue, kurzfristige Heimat. Nach einem Rehabilitations-Jahr bei Esponsorama Racing wurde er zu Pramac-Ducati hochgezogen, wo er die in ihn gesteckten Hoffnungen klar übertrifft. Für die kommenden Rennen in Spielberg ist Zarco mit seiner Desmosedici ein ganz heißer Sieg-Kandidat, dann würde er sich auch im inner-französischen WM-Kampf mit Quartararo zurückmelden.

Flop: Valentino Rossi

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Ist die MotoGP-Saison 2021 die letzte mit Valentino Rossi? Die Anzeichen verdichten sich, dass der italienische Altstar mit Saisonende den Hut nimmt. Sein Verbleib in der Motorrad-Königsklasse soll sich in der Sommerpause entscheiden, „The Doctor“ macht diesen aber von den Resultaten in der ersten Saisonhälfte abhängig. Mit WM-Rang 19 und gerade einmal 17 Zählern hinkt der 42-Jährige seinen eigenen Erwartungen klar hinterher, Rang zehn beim Heim-Grand-Prix in Mugello war bisher das Höchste der Gefühle. Bereits nach einem völlig verkorksten zweiten Halbjahr 2020 wurden erste Stimmen laut, der Italiener solle doch eher früher als später abdanken. Diese Stimmen sind nun keineswegs leiser, ganz im Gegenteil: Einen Piloten seines Kalibers so leiden zu sehen, tut jedem VR46-Fan in der Seele weh.

Wirklich Verbesserung ist nicht in Sicht, die kommenden Rennen in der Steiermark werden keineswegs einfacher, die Entscheidung über seine weitere Karriere will der neunfache Weltmeister aber noch in den kommenden Wochen bekanntgeben. Egal wie diese ausfällt: Der MotoGP wird Valentino Rossi definitiv erhalten bleiben. Sein VR46-Team, welches mit Ducati-Bikes antritt, wird ab der kommenden Saison in der Königsklasse vertreten sein. Dazu kommt die VR46-Akademie, aus der schon zahlreiche Piloten den Sprung in die Motorrad-WM geschafft haben. Der Motorrad-Sport gänzlich ohne den Italiener wäre auch undenkbar. Dennoch: Die Zeichen für seine Fahrer-Karriere stehen ganz klar auf „Arrivederci“.

Top: Ducati

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"Auf Wiedersehen" muss Ducati nicht sagen. Das italienische Team wirkt in dieser Saison konkurrenzfähig, auf den verschiedensten Strecken. In den vergangenen Jahren spielten die Italiener speziell ihre „Desmo-Power“ aus, auf Pisten mit hohem Vollgas-Anteil war die Ducati quasi unschlagbar. Auf Strecken mit vielen Richtungswechseln sowie langsamen Kurven – zum Beispiel in Assen – lief es allerdings alles andere als rund. Doch gerade das vergangene Rennwochenende zeigte, dass die Desmosedici GP21 alle Stückerl spielt. Erst qualifizierte sich Francesco Bagnaia auf Platz drei, nur eine Long-Lap-Penalty im Grand Prix der Niederlande kostete dem jungen Italiener einen Podestplatz – es wäre für Ducati der erste Podestplatz seit 2017 in der „Cathedral of Speed“ gewesen.

Der Blick auf die Konstrukteurswertung beweist erst recht, dass die Italiener einen fantastischen Job leisten. Nur fünf Punkte trennen Leader Yamaha, angeführt vom bärenstarken Quartararo, von Ducati. In der Teamwertung nimmt das aus Bologna stammende Fabrikat mit dem Werksteam den zweiten, mit Kundenteam Pramac den dritten Platz ein. Dazu erweist sich der Abschied von Andrea Dovizioso als goldrichtig, Jack Miller und Bagnaia brachten den benötigen frischen Wind ins Team, Johann Zarco und Rookie Jorge Martin leisten ihren Teil. In der zweiten Saisonhälfte wird definitiv mit den „Roten“ zu rechnen sein, im „Ducati-Land“ Spielberg sollen die nächsten Siege her.

Flop: Alex Rins

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Der Crash- und Pleitenkönig! Letzte Saison noch auf WM-Endrang drei, verläuft das bisherige Jahr gelinde gesagt katastrophal. Kein Podestplatz, drei Mal nicht ins Ziel gekommen, dazu der in Barcelona zugezogene Bruch der linken Hand. Rins könnte in der Weltmeisterschaft wohl locker mit Teamkollege Joan Mir mithalten, wären da nicht die zahlreichen Rennstürze in den wichtigsten Momenten. Bereits in Portimao wirft der Spanier einen sicheren Podestplatz weg, in Le Mans und Mugello setzt sich diese Unglücksserie fort. Der negative Höhepunkt der ersten Saisonhälfte folgte vor dem Grand Prix von Katalonien in Barcelona, als Rins bei der Streckenbesichtigung mit seinem Rad zu Sturz kommt und sich die Hand bricht.

Seitdem ist die „Giraffe“, wie Rins aufgrund seines Fahrstils genannt wird, nicht wiederzuerkennen. Jeweils elfte Ränge am Sachsenring und in Assen veranlassen Suzuki wohl kaum dazu, euphorisch zu werden. Während Landsmann Mir das Potenzial der Suzuki voll ausschöpft und mit 101 Zählern voll im WM-Rennen mitmischt, hinkt Rins mit 33 Zählern und der 14. Position klar hinterher. In der zweiten Saisonhälfte muss auch er liefern, sonst wird man sich auch beim amtierenden Konstrukteurs-Weltmeister nach neuen Optionen umsehen. Immerhin: Sein Vertrag läuft erst Ende 2022 aus. Dass sich das Fahrerkarussell in der MotoGP aber schnell dreht, sollte dem 25-Jährigen bekannt sein.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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