Keine Eile am Weg zurück

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Renault-Boss Ghosn: "Wird drei Jahre dauern"

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Zum ersten Mal seit 2010 wird es in der kommenden Saison wieder ein Team namens Renault in der Formel 1 geben.

Nach der erfolgreichen Übernahme des Lotus-Rennstalls, die am Donnerstag offiziell bekannt gegeben wurde, werden die weiteren Schritte des Rennstalls mit Spannung erwartet.

Bis zuletzt schien unsicher zu sein, ob man dem Sport erhalten bleibt, oder sich nach den schweren Enttäuschungen mit den Red-Bull-Teams völlig aus der Königsklasse zurückzieht.

Auf eine mündliche Vereinbarung mit dem finanziell schwer angeschlagenen Lotus-Team folgte nun auch eine schriftliche. Sportlich steckt man sich für das kommende Jahr keine hohen Ziele.

Tiefstapeln ist angesagt

Renault-CEO Carlos Ghosn stapelt gegenüber der französischen Tageszeitung "Le Figaro" sogar ziemlich tief. "Ich glaube, es wird in etwa drei Jahre dauern, bis wir richtig wettbewerbsfähig sein werden", so der 61-Jährige.

Gleichzeitig zur Rolle als Werksteam wird man weiterhin Red Bull Racing mit Antrieben beliefern, was in der abgelaufenen Saison beinahe zum endgültigen Bruch geführt hat. Zwar lauten die Power-Units von Red Bull Racing im nächsten Jahr auf den Namen von Sponsor "TAG Heuer", geliefert werden sie trotzdem von den Franzosen.

"Wir werden unsere Rolle als Motoren-Lieferant weiterentwickeln, allerdings nur im gleichzeitigen Interesse unseres eigenen Teams", erklärt Ghosn. Den Quasi-Werksteam-Status des Vorjahres ist Red Bull Racing also los.

Jabouille (hier 1978) holt 1979 den ersten Renault-Sieg

Warum sich Renault trotz der bescheidenen Erfolge in den letzten beiden Jahren dazu entschlossen hat, wieder als eigenes Team in Erscheinung zu treten, hat finanzielle Hintergründe. "Als Motorenlieferant hat man keine ausreichende Investitionsrendite. Die Verteilung der TV-Gelder ist jetzt wesentlich besser als noch im Jahr 2009", erklärt Ghosn.

Finanzielle und historische Gründe

Letztlich rief man sich auch die große Geschichte als Marke in der Formel 1 in Erinnerung: "Renaults Name wird seit 40 Jahren mit der Formel 1 in Verbindung gebracht. Wir sind immerhin der zweiterfolgreichste Hersteller im Bezug auf Siege und Titel, hinter Ferrari und vor Mercedes."

Die bisherige Geschichte Renaults in der Königsklasse ist in der Tat eine bewegte. Sie beginnt Ende der 1970er-Jahre. Nach einer Lernphase mit Jean-Pierre Jabouille am Steuer des RS01 bringt der nachfolgende RS10 den ersten Sieg. Beim Grand Prix von Frankreich gewinnt Jabouille, Teamkollege Rene Arnoux wird dazu sensationell Dritter. Zwar kämpft man oft mit der Zuverlässigkeit des Antriebs (nur sechs von 18 Zielankünften 1979), dafür sorgt das Team für die Basis der Turbo-Ära in den 1980ern.

Saison Teamname Siege Zweiter Dritter Poles Punkte WM-Rang
1977 Équipe Renault Elf - - - - - 19.
1978 Équipe Renault Elf - - - - 3 12.
1979 Équipe Renault Elf 1 2 1 6 26 6.
1980 Équipe Renault Elf 3 1 - 5 38 4.
1981 Équipe Renault Elf 3 3 1 6 54 3.
1982 Équipe Renault Elf 4 3 1 10 62 3.
1983 Équipe Renault Elf 4 3 4 3 79 2.
1984 Équipe Renault Elf - 3 2 1 34 5.
1985 Équipe Renault Elf - - 2 - 16 7.

Es folgten weitere Rennsiege, aber keine Titel. 1985 ist schließlich das letzte Jahr als Konstrukteur, bis 1986 entscheidet man sich, die Kundenteams Lotus, Ligier und Tyrrell auszurüsten. Mit Erfolg. So kann Ayrton Senna Ende 1986 seine ersten Siege feiern.

1989 meldet man sich schließlich nach Entwicklung eines V10-Motors als Ausrüster zurück. Mit Williams (1989-1997) und Benetton (1995-1997) ist man das Maß aller Dinge und holt von 1992 bis 1997 durchgehend den Konstrukteurs-Weltmeistertitel. Später wird der Antrieb noch in Zusammenarbeit mit "Mecachrome" und "Supertec" eingesetzt.

Erst im Hoch, dann in der Mauer

Nach der Jahrtausendwende übernimmt Renault Benetton, wenig später wird Flavio Briatore Teamchef und läutet damit erneut erfolgreiche Zeiten ein. 2003 feiert Fernando Alonso den ersten Sieg für das neue Team, 2005 krönt sich der Spanier mit 24 Jahren zum damals jüngsten Formel-1-Weltmeister und Renault zum Konstrukteurs-Weltmeister. 2006 gelingt dieses Double erneut. Danach war Schluss mit Jubel, Trubel, Heiterkeit.

2007 ist man in der Spionage-Affäre verwickelt, ein Jahr später holt ein bei McLaren geläuterter Alonso noch zwei Rennsiege, aber keine Titel. In Erinnerung bleibt nur noch die Crash-Gate-Affäre 2008, als Nelson Piquet jr. seinen Boliden in Singapur absichtlich in die Mauer fuhr. Letztlich führt die Causa zu einer zweijährigen Sperre auf Bewährung, Briatore wird auf Lebenszeit gesperrt.

Saison Teamname Siege Zweiter Dritter Poles Punkte WM-Rang
2002 Mild Seven Renault F1 Team - - - - 23 4.
2003 Mild Seven Renault F1 Team 1 1 3 2 88 4.
2004 Mild Seven Renault F1 Team 1 1 4 3 105 3.
2005 Mild Seven Renault F1 Team 8 6 4 7 191 1.
2006 Mild Seven Renault F1 Team 8 7 4 7 206 1.
2007 ING Renault F1 Team - 1 - - 51 3.
2008 ING Renault F1 Team 2 2 - - 80 4.
2009 ING Renault F1 Team - - 1 1 26 8.

Nach dem Verlust mehrerer Sponsoren veräußert man im Dezember 2009 75% an die Investmentgesellschaft Genii Capital aus Luxemburg. 2010 geht das Team allerdings noch einmal unter dem Namen Renault an den Start. Erst als Ende 2010 die Lotus Group als Titelsponsor einsteigt, verschwindet Renaults Markenname allmählich. 2011 heißt das Team zwar noch Lotus Renault GP, ab 2012 aber Lotus F1 Team.

Grosjean holte den letzten Lotus-Podestplatz mit Platz 3 in Spa 2015

Seit diesem Jahr war auch Romain Grosjean Teil des Teams. Mit acht dritten und zwei zweiten Plätzen ist er hinter Kimi Räikkönen (zwei Siege, neun zweite, vier dritte Plätze) der zweiterfolgreichste Lotus-Pilot dieser Ära seit 2010.

Bleiben Maldonado und Palmer?

Der Franzose macht sich nun auf zu neuen Abenteuern bei Haas F1, während Lotus - noch vor der offiziellen Übernahme durch Renault - für 2016 Fahrerverträge mit Pastor Maldonado und dem bisherigen Testpiloten Jolyon Palmer abschloss. Doch haben diese auch unter dem neuen Eigentümer Bestand?

Darüber herrscht noch Rätselraten. Renault-Boss Ghosn will die beiden vorerst nicht bestätigen. "Im Jänner werden wir uns zu unserer Organisation, unseren Zielen, unserer Strategie, unseren Partnern und unseren Fahrern äußern", hält er fest. Man darf gespannt sein.

 

Andreas Terler

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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