Red-Bull-Teamchef Horner: "WM-Chance 50:50!"

Red-Bull-Teamchef Horner: Foto: © getty
 

Christian Horner legte auf dem Rückweg aus Sotschi einen Zwischenstopp in Salzburg ein. Mit LAOLA1 sprach der 47-jährige Teamchef von Red Bull Racing bei dieser Gelegenheit über die Turbulenz in Russland und wagte einen Ausblick auf den Rest der Formel-1-Saison und darüber hinaus.

Über Max Verstappens zweiten Platz in Sotschi freut sich der Brite und meint: "Wir hatten die Rückversetzung um drei Plätze von Monza und 20 weitere Plätze durch den Tausch zur vierten Antriebseinheit. Von Platz 20 auf den zweiten Rang zu fahren auf einer Strecke, auf der Mercedes immer dominierte, das ist mehr, als wir uns erhoffen konnten."

Wie der Engländer über den Zweikampf zwischen Lewis Hamilton und Verstappen urteilt, was er über die weiteren Teams zu sagen hat, wie die Arbeiten am völlig neuen Auto 2022 laufen und wie er die Chance auf den WM-Titel für Red Bull Racing einschätzt, erzählt Chrstian Horner im Interview mit LAOLA1-Kolumnist Gerhard Kuntschik.

LAOLA1: Warst du überrascht, dass der ebenfalls von hinten gestartete Valtteri Bottas nicht so stark aufholen konnte wie Max?

Christian Horner: Es war eine Überraschung für uns. Mercedes nahm die Strafe (Rückversetzung, Anm.) wohl aus taktischen Gründen, um Max abzudecken. Doch Max konnte schnell aufholen. Wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, zu überholen mit diesen Autos, war die Leistung von Max schon sehr bemerkenswert, ja beeindruckend.

LAOLA1: Wer entschied, dass Max beim einsetzenden Regen zum Reifenwechsel hereinkommen sollte, und wann wurde diese Entscheidung getroffen?

Horner: Es war Max selbst, er entschied sich sehr früh eigentlich, als die Piste trocken-nass - so 50:50 - war. Als er aus der Box rausfuhr, war es schon stärkerer Regen. Man sah, wie viele Fahrer plötzlich in Schwierigkeiten waren. Sogar Checo (Teamkollege Pérez, Anm.), der auf der Hälfte der Runde war, hatte große Mühe.

LAOLA1: Wie beurteilst du Checos Leistungen in jüngster Zeit? Man hatte den Eindruck, dass er ein wenig unter den Erwartungen blieb.

Horner: Er hatte viel Pech zuletzt. Wenn man sich sein Sotschi-Rennen im Detail ansieht, war es ein ausgezeichnetes. Seine Rundenzeiten auf den harten Reifen waren sehr stark, und er hätte im Trockenen sicher einen Podestplatz erreicht, den er durch den einsetzenden Regen verlor. Das, was Checo in diesem Moment verlor, machte Max gut.

LAOLA1: Was passierte in Monza und Sotschi bei den langsamen Boxenstopps wirklich, waren die eine Folge der veränderten Regeln durch die FIA seit Belgien?

Horner: Monza war eine Folge davon, was einen menschlichen Fehler nach sich zog. Sotschi war etwas anderes. Rechts hinten steckte das Rad, Checo dachte, er hätte schon das Zeichen zum Wegfahren, musste aber wieder stoppen. Das Prozedere der Freigabe zum Wegfahren begann neu. Das sind nur wenige Sekunden, aber sie häufen sich in dieser Situation. Wir trainieren die Boxenstopps laufend auch seit der Regeländerung, aber es wurde schwieriger.

LAOLA1: Unter den neuen Bedingungen: Was wäre eine optimale Zeit für einen Stopp?

Horner: So etwa 2,1 oder 2,2 Sekunden. Wir hatten bis jetzt neun der zehn schnellsten Stopps dieser Saison.

LAOLA1: Stand die Vertragsverlängerung mit Pérez je in Frage?

Horner: Wir haben uns das alles genau angeschaut, wir berücksichtigten auch die Entwicklung des neuen Autos für 2022, an der erfahrene Piloten mitwirken müssen. Da sprach alles für Checo. Er hat sich immer mannschaftsdienlich verhalten, er ist ein Gewinn für das Team.

LAOLA1: Bleibt Alex Albon 2022 als Williams-Pilot auch ein Red-Bull-Mann?

Horner: Alex ist nächstes Jahr ein Williams-Fahrer, aber Red Bull Racing hat eine Option auf ihn für 2023. Er wird 2022 Red-Bull-Farben auf seinem Outfit haben.

LAOLA1: Schaust du dir die Leistungen von Alex und vor allem auch Liam Lawson in der DTM im GT3-Ferrari an?

Horner: Zu hundert Prozent. Beide machen einen tollen Job. Liam ist ein Star geworden in dieser Serie. Beide sind außergewöhnlich gut am Simulator, speziell Alex. Es ist gut, dass wir Alex zur Rückkehr in ein F1-Cockpit verhelfen konnten. Er ist für uns in dieser Saison eine enorme Hilfe durch seine Simulatorarbeit. Sein Beitrag zur Entwicklung war außergewöhnlich.

LAOLA1: Kannst du bei Liam Lawson F1-Potenzial erkennen?

Horner: Ja! Er ist ein außergewöhnliches Talent, scheint alle wichtigen Voraussetzungen zu haben.

LAOLA1: Albon bestreitet am 9. und 10. Oktober das DTM-Finale in Nürnberg, wer ist dann euer Ersatzfahrer im türkischen GP?

Horner: Da haben wir die Wahl zwischen Juri Vips und Sébastien Buemi.

LAOLA1: Hat Mercedes-Chef Toto Wolff das Engagement von Alex Albon bei Williams versucht zu blockieren, weil ihm ein Red-Bull-Mann in einem Auto mit Mercedes-Antrieb wenig schmeckt?

Horner: Ja, hat er, 100 Prozent. Toto wollte Nyck de Vries im Williams. Es wurde versucht, Alex zu Alfa-Sauber zu schicken. Wir haben uns aber mit der Williams-Führung um Jost Capito schnell geeinigt.

LAOLA1: Ist Red Bull Racing mit dem neuen Auto für 2022 im Plan?

Horner: Es ist immer eng, aber das Team um Adrian Newey arbeitet großartig, um unsere Ziele zu erreichen. Das neue Auto braucht durch die neuen Regeln ein völlig neues Konzept. Da geht es wieder darum, wer ein Schlupfloch oder eine besonders kluge, einzigartige Lösung findet.

LAOLA1: Ist das Rekrutieren für die nun eigene Motorenabteilung bereits beendet? Und wann werden die ersten neuen Kräfte, auch die, die von Mercedes kommen, anfangen können?

Horner: Das Rekrutieren ist noch voll im Gang, ich würde sagen, wir sind bei der Hälfte. Einige Neue begannen schon ihre Arbeit. Wir engagieren ja auch viele junge Talente.

LAOLA1: Hat Aston Martin - wie gerüchteweise zu hören war - Designchef Adrian Newey umworben, speziell seit dem Engagement seines ehemaligen McLaren-Kollegen Martin Whitmarsh?

Horner: Nein.

LAOLA1: Was erwartest du im Rest der Saison vom Duell Lewis gegen Max?

Horner: Wir haben noch sieben Rennen, es wird weiter enge Rennen und Drama geben. Es wird wohl bis zum Finale in Abu Dhabi gehen.

LAOLA1: Wird eine Strafversetzung wegen Antriebswechsel auch Hamilton treffen?

Horner: Wir können nicht kontrollieren, was Mercedes tut, aber der Druck ist groß.

LAOLA1: Überrascht dich die derzeitige Form von McLaren?

Horner: Sie haben ein Auto, das auf den derzeitigen Kursen sehr stark ist, aber auf manchen weniger, daher gibt es in der Form eine Wellenbewegung. Aber McLaren hat generell ein gutes Auto, einen starken Motor, zwei außergewöhnlich talentierte Fahrer und eine tolle Mannschaft. Es ist keine große Überraschung, was McLaren abliefert. Aber völlige Konstanz fehlt noch.

LAOLA1: Hast du dich mit Daniel Ricciardo über dessen Sieg in Monza gefreut?

Horner: Klar. Er hatte ein schwieriges Jahr bisher. Es war schön, einen alten Red-Bull-Burschen siegen zu sehen.

LAOLA1: Wie groß ist die Chance, im Dezember einen Weltmeister Max Verstappen zu feiern?

Horner: Wenn wir aktuell auf den Punktestand schauen und die ausstehenden Rennen einschätzen, dann würde ich sagen - 50:50!

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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