Routine oder Risiko: Wer folgt Rosberg nach?

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Von einem Tag auf den anderen ist das attraktivste Cockpit in der Formel 1 zu haben.

Durch den überraschenden Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg stehen die Mercedes-Bosse vor einer schwierigen Aufgabe. Wer passt ins Team? Wer ist dem Druck gewachsen? Und wer ist überhaupt zu haben?

"Es wird ein sehr strukturierter, rationaler Prozess. Wir müssen unsere Köpfe zusammenstecken", kündigt Motorsportchef Toto Wolff an. Aufsichtsratsboss Niki Lauda will eine rasche Entscheidung.

Wer kommt infrage?

PASCAL WEHRLEIN // DEUTSCHLAND // 22 JAHRE - Der logische Kandidat

Wenn ein Name in der derzeitigen Lage von Mercedes logisch erscheint, dann jener von Pascal Wehrlein. Der Deutsche ist als Testpilot mit den Gegebenheiten bei Mercedes bestens vertraut, für 2017 noch ohne Renncockpit und wird von Wolff sehr geschätzt, wenngleich dieser seine Saison - wie beim Grand Prix von Österreich - durchaus kritisch verfolgt. Gerade dort erlebte Wehrlein mit Platz zehn im klar schwächsten Auto im Feld (Manor) aber seine Sternstunde. Fünf Mal schaffte er es in seinem Debütjahr ins Q2. Auch wenn Esteban Ocon den begehrten Platz bei Force India erhielt, konnte Wehrlein gerade im Qualifying besser abschneiden. Dass er ausgerechnet kurz vor Rosbergs Verkündung am Freitag ein Trainingsbild samt verschmitztem Lächeln postete, könnte darauf hindeuten, dass er schon einen Anruf von den Mercedes-Bossen erhalten hat.

VIDEO: Jetzt spricht Hamilton über Rosbergs Rücktritt!

NICO HÜLKENBERG // DEUTSCHLAND // 29 JAHRE - Es gab eine Anfrage

Der langjährige Force-India-Pilot wurde in den letzten Jahren immer wieder mit Cockpits bei großen Teams in Verbindung gebracht. Er hat entscheidenden Anteil am Aufstieg des indischen Rennstalls in den vergangenen Saisonen. Diesmal landete die Truppe von Vijay Mallya erstmals auf Konstrukteurs-Rang vier. Einzig ein Podestplatz blieb Hülkenberg in seiner sechs Jahre dauernden F1-Karriere noch verwehrt. Mit seinem Triumph in Le Mans 2015 konnte er allerdings beweisen, wie vielseitig er ist. Erst kürzlich hat Hülkenberg einen mehrjährigen Vertrag beim Werksteam Renault unterschrieben. Laut "Autobild" habe Mercedes schon bei Renault um Hülkenberg angefragt, jedoch eine Absage erhalten. Das letzte Wort muss noch nicht gesprochen sein.

FERNANDO ALONSO // SPANIEN // 35 JAHRE - Zweite Chance für ein explosives Duo

Hamilton und Alonso? Da war doch was. 2007 bildete diese Fahrerkombination bei McLaren ein explosives Duo (Stichwort: Spygate), das nach nur einem Jahr wieder Geschichte war. Aber Zeiten und Menschen ändern sich. Sollte Alonso, den u.a. Jenson Button als komplettesten Fahrer im Feld bezeichnet, tatsächlich noch einmal in seiner Karriere um eine Weltmeisterschaft kämpfen wollen, bietet ihm der Platz bei Mercedes wohl seine letzte Chance dazu. Die Zeit bei McLaren-Honda war bisher eine verlorene, zuletzt flüchtete sich der zweifache Weltmeister in Galgenhumor, um seine Situation noch zu ertragen. Wahnsinnig realistisch erscheint dieses Duo vielleicht nicht, da sich McLaren den Spanier auch einiges kosten lassen würde. Aber bekäme das Duo Hamilton-Alonso eine zweite Chance, wäre Spannung und Aufregung garantiert. F1-Boss Bernie Ecclestone glaubt daran: "Ich schätze, dass es möglich ist, also mal sehen."

VALTTERI BOTTAS // FINNLAND // 27 JAHRE - Dank Manager Toto

Wie Hülkenberg wurde auch der ruhige Finne schon mehrmals mit Top-Teams in Verbindung gebracht. Am hartnäckigsten hielt sich bislang eine Verbindung mit Ferrari - die dann aber bisher doch nie zustande kam. 2016 war ein enttäuschendes Jahr für Williams, obwohl Bottas in Kanada einmal als Dritter auf das Podest fuhr und konstant punktete. Durch den Abschied von Felipe Massa würde er jetzt zur klaren Nummer 1 bei Williams aufrücken und als Leader für Youngster Lance Stroll fungieren. Da aber derzeit nicht viel auf eine Trendwende bei Williams hindeutet, käme ein Wechsel - trotz laufenden Vertrages - womöglich gerade recht. Wenn die Situation jemand lösen kann, dann Toto Wolff. Ist er doch Teil von Bottas' Management-Team.

SEBASTIAN VETTEL // DEUTSCHLAND // 29 JAHRE - Flucht nach vorne?

Was würde Gerhard Berger tun? Auf Nachfrage von "auto-motor-sport.de" meint der Tiroler, der Rosberg noch bei dessen Vertragsverlängerung unterstützt hat: "Ich würde Alonso oder Vettel anrufen. Irgendeine Ausstiegsklausel wird es da schon geben." Vettel wurde gerüchteweise schon im Sommer mit Mercedes in Verbindung gebracht. Das Projekt "Make Ferrari Great Again" scheint aktuell zum Scheitern verurteilt, sein Frust wurde hörbar lauter. Mit Hamilton und Vettel hätte Mercedes ohne Zweifel das beste Fahrer-Duo, aber auch eines, das es knistern lässt. Der aktuelle Vertrag des Heppenheimers läuft noch bis Ende 2017. Wenn nicht sofort, könnte also auch ein Wechsel zu Mercedes nach Ablauf seines aktuellen Arbeitspapiers möglich sein.

MAX VERSTAPPEN // NIEDERLANDE // 19 JAHRE - Der größte Coup

Der aufregendeste Fahrer der abgelaufenen Saison wäre natürlich eine unglaubliche Verstärkung für das Weltmeister-Team. Unglaublich wäre es auch, wenn es tatsächlich zu einem Wechsel kommen würde. Red Bull Racing ist, wie die jüngsten Ergebnisse zeigen, auf dem besten Weg, den Silberpfeilen den F1-Thron nächstes Jahr streitig zu machen. Mit Max Verstappen und Daniel Ricciardo hat man ein extrem talentiertes und angriffslustiges Duo, das man wohl um keinen Preis der Welt sprengen lassen würde. Verstappen wird zwar von Toto Wolff in den höchsten Tönen gelobt, eine Einigung mit Motorsportberater Helmut Marko, der äußerst ungehalten auf Interesse an seinen Zöglingen reagiert, wäre ein Riesen-Coup.

JENSON BUTTON // GROSSBRITANNIEN // 36 JAHRE - Warum nicht noch einmal?

Gerade erst emotional das vermeintlich letzte Rennen in Abu Dhabi zelebriert, könnte Jenson Button im März schon wieder im F1-Auto sitzen. Bei McLaren wird der Weltmeister von 2009 im nächsten Jahr durch Stoffel Vandoorne ersetzt. Nun tritt er in die zweite Reihe als Ersatzfahrer zurück, hielt sich aber die Option einer Rückkehr 2018 offen. Bei so viel Routine (über 300 Starts!) könnte Mercedes - zumindest für ein Jahr - zuschlagen. Button weiß, wie man um Podestplätze, Siege und Titel kämpft. Außerdem kennt er Hamilton als Teamkollegen aus drei Jahren McLaren bestens und kommt mit ihm gut zurecht. Sollte man sich mit McLaren einig werden, wären für 2018 mit Vettel, Alonso und Bottas gleich drei sehr spannende Optionen derzeit ohne Vertrag, beziehungsweise Youngsters wie Wehrlein oder Ocon um ein Jahr Erfahrung reicher.

Andreas Terler

Wer soll Rosberg bei Mercedes nachfolgen?


Nico Rosberg ist Weltmeister. Lange musste er darauf warten. Aus "Britney" wurde ein echter Champion. Seine Karriere in Bildern:

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Mit sechs Jahren saß Nico Erik Rosberg erstmals im Kart. 2000 wurde er mit 15 Jahren hinter Lewis Hamilton Vizeeuropameister in der Formel A. 2001 feierte er sein Debüt im Formelsport und gewann die deutsche Formel BMW.

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Im Alter von 17 Jahren durfte Rosberg 2002 bei Williams erstmals einen Formel-1-Wagen testen.

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2003 wechselte Rosberg in die neu gegründete Formel-3-Euroserie. Im Rookie Cup wurde er Zweiter. Hinter einem gewissen Christian Klien (hier im Bild mit Niki Lauda).

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Nach einem weiteren Jahr in der Formel 3 wechselte Rosberg 2005 in die GP2. Neben ihm debütierten damals zwei weitere F1-Fahrersöhne: Matthias Lauda und Nelson Piquet jr.

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Beim Sprint in Magny-Cours feierte Rosberg seinen ersten Rennsieg, am Ende holte er mit 120 Punkten den Fahrer-Titel in der GP2 und verwies Heikki Kovalainen (105) auf Platz zwei.

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Auch 2005 war Rosberg bei Williams als Testfahrer im Einsatz. Das sollte sich ein Jahr später ändern.

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Rosberg wurde 2006 Teamkollege von Mark Webber. Eine lange Formel-1-Karriere nimmt ihren Anfang.

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Schon das erste Rennen von Rosberg verläuft spektakulär. Nach einem Startcrash samt Reparatur-Stopp kämpft er sich vom Ende des Feldes auf Platz sieben zurück und holt beim Debüt zwei Punkte. Außerdem fuhr er die schnellste Rennrunde.

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Trotz vieler technischer Probleme machte sich Rosberg einen Namen. Beim GP von Europa holte er vom letzten Startplatz aus mit Platz sieben erneut Punkte.

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Bei der Hälfte der Rennen in seiner Debütsaison kam er aber nicht ins Ziel. Am Ende unterlag er Webber im internen Williams-Duell.

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2007 wechselte Williams auf Toyota-Motoren, zudem bekam Rosberg mit dem Österreicher Alexander Wurz einen neuen Teamkollegen.

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Wieder gelingt der Auftakt mit Platz sieben in Australien, insgesamt holt er acht Punkteplatzierungen und wird in Brasilien Vierter. Wurz konnte ihn nur einmal im Qualifying schlagen. Die Punktebilanz: 20:13 (Wurz wurde ein Rennen vor Schluss durch Nakajima ersetzt).

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Rosberg-Nakajima hieß auch das Duo für 2008. Und erstmals kam Rosberg einem Sieg nahe.

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In Australien holte er mit Platz drei seinen ersten Podestplatz und feierte gemeinsam mit Rennsieger und damals noch nicht Rivale Lewis Hamilton.

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In Singapur wurde Rosberg sogar Zweiter - diesmal vor Hamilton.

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2009 war das Jahr von BrawnGP. Rosberg bildete erneut mit Nakajima ein Duo, holte aber keinen Podestplatz. Zweimal wurde er Vierter. Am Ende des Jahres verabschiedet er sich vom Williams-Team nach vier Jahren.

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2010 folgte der Wechsel zu Mercedes. Die Silberpfeile traten erstmals seit 1955 wieder als Konstrukteur auf. Und Michael Schumacher feierte sein Comeback.

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Rosberg stand natürlich zunächst im Schatten des siebenfachen Weltmeisters.

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Auf der Strecke war Rosberg aber die Nummer eins im Team. In Malaysia, China und Großbritannien fuhr er als Dritter auf das Podium.

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Am Ende entschied er das interne Duell mit Schumacher in diesem Jahr mit 142 zu 72 Punkten für sich.

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2011 punktete Rosberg konstant und gewann das Duell mit Schumacher erneut, Schumi holte mit Platz vier die beste Saisonplatzierung für das Team.

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2012 entwickelt sich Mercedes weiter und auch Rosberg macht den nächsten Schritt. In China holt er sich seine erste Pole Position.

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Einen Tag später krönt er sich in Shanghai zum 103. Sieger eines Formel-1-Grand-Prix.

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In seiner Wahlheimat Monaco fuhr Rosberg ein weiteres Mal auf das Podest, das Duell mit Schumacher entschied er deutlich für sich (93:49).

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2013 bekommt Rosberg mit Lewis Hamilton einen neuen Teamkollegen. Den Einfluss des Briten bekommt er bald zu spüren. In Malaysia wird Rosberg angehalten, seinen Teamkollegen auf Platz drei liegend nicht zu attackieren.

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Rosberg jubelt über Siege in Monaco und Großbritannien, landet in der WM aber auf Platz sechs und damit hinter Hamilton, der Vierter wird.

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Im Jahr 2014 wurden aus Freunden bittere Rivalen. Durch das neue Reglement war Mercedes dem Rest des Feldes haushoch überlegen. Die WM wurde zum Duell: Hamilton gegen Rosberg.

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Der Deutsche gewinnt dabei unter anderem das Comeback-Rennen in Österreich und liegt danach komfortabel in Führung.

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In Belgien eskaliert der Kampf. Es kommt zur Kollision, Hamilton scheidet aus, Rosberg wird Zweiter. Danach feiert der Brite aber fünf Siege in Serie.

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Rosberg schied noch dazu in Singapur aus, hatte aber beim Finale, wo es doppelte Punkte gab, Chancen auf den Titel.

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Dort lief aber alles für Hamilton. Rosberg kämpfte mit technischen Problemen während Hamilton dem Sieg und damit dem Titel entgegenraste.

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Hamilton durfte feiern, Rosberg machte gute Miene zum bösen Spiel.

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2015 ging der Paarlauf um den WM-Titel zunächst weiter. Hamilton startete stark, Rosberg schlug zurück.

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Mit Siegen in Spanien, Monaco und Österreich hielt der Deutsche das WM-Rennen offen.

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Rückschläge in Italien und Russland konnte der Deutsche aber nicht mehr verkraften. In Austin holte Hamilton vorzeitig den Titel.

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Rosberg fand sich damit ab und schlug zurück. Mit drei Siegen zum Saisonfinale nahm er schon vor 2016 richtig Fahrt auf.

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2016 startete Rosberg mit vier Siegen in Serie, ehe es in Spanien zum ersten großen Crash kommt und beide Silberpfeile ausscheiden. In Spielberg verliert Rosberg den Sieg dramatisch in der letzten Runde und wird nur Vierter.

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Während Hamilton mit vier Erfolgen en suite zurückschlägt punktet Rosberg konstant. Die Vorentscheidung bringt ein Ausfall Hamiltons in Malaysia. Der Brite war davor klar auf Siegkurs.

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Rosberg holte davor wichtige Siege wie hier in Singapur.

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Beim Finale fährt der Deutsche unter Druck einen zweiten Platz ein und damit seinen ersten Titel nach Hause.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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