Wolff: Neuer Vertrag für Hamilton vor Abschluss

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Mit einem souveränen Sieg in Frankreich und jeder Menge Selbstvertrauen aus den vergangenen Jahren im Gepäck reist Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff zu seinem Heimrennen nach Spielberg.

Lewis Hamilton hat mit seinem Erfolg in Le Castellet die WM-Führung zurückerobert und ist am Weg zu seinem fünften WM-Titel wieder voll auf Kurs.

Die Zukunft des Briten ist noch nicht in Stein gemeißelt, allerdings stehen die Zeichen klar auf Verlängerung. Wolff dementiert bei einem Pressetermin am Red Bull Ring aber Berichte aus Großbritannien, wonach schon alles fix sei.

Während die Gespräche über eine Verlängerung mit beiden Fahrern gut voran gehen, gibt es mit Formel-1-Inhaber Liberty zuletzt keinen Durchbruch beim Austausch über das technische Reglement oder die künftige Geldverteilung.

Zudem spricht Wolff über eine Motoren-Watsch'n für Mercedes, die Zukunft von Lucas Auer und den Wechsel von Red Bull zu Honda.

TOTO WOLFF ÜBER...

...den Stress von drei Formel-1-Wochenenden hintereinander: "Liberty hat schon gesagt, dass sie das so nicht noch einmal machen wollen. Es ist für den Fan vielleicht nicht so relevant, aber für uns als Mannschaft ist es so, dass wir unsere Familien kaum sehen, die Infrastruktur geht direkt von einem Ort zum anderen. Es ist einfach ein 24/7-Job, drei Wochen lang. Wir versuchen natürlich, das Ganze möglichst fehlerfrei durchzustehen. Es ist aber nicht einfach, wenn du drei Wochen on the road bist. Die Autos gehen auch in der Zwischenzeit nicht zurück in die Fabrik. Da können sich schon Fehler einschleichen."

...die Erwartungen von Mercedes für den Grand Prix von Österreich: "Für uns war Spielberg seit 2014 immer ein gutes Pflaster. Das Wetter ist aber nicht klar vorherzusagen und die neue Realität ist, dass Ferrari und Red Bull näher gerückt sind. Ich hätte generell Montreal und Silverstone zu unseren besten Strecken gezählt. Und in Montreal haben wir verloren."

"Ich denke, wir sind von der Motorenleistung her ziemlich gleichauf mit Ferrari. Renault ist ganz knapp dahinter, aber Ferrari hat in der mittleren Beschleunigungsphase, der Traktionsphase, mehr Power."

Über das Kräfteverhältnis in der F1

...das aktuelle Kräfteverhältnis in der Formel 1: "Das hat sich in Montreal verschoben. Wir sind unseren Motor zum siebenten Mal gefahren, während die anderen ein Update bekommen haben. Da hast du gesehen, dass der Motor über sechs oder sieben Rennen eine Watsch'n kriegt. Man kann nicht genau sagen, wie viel es ist. Aber selbst, wenn es nur ein Zehntel ist, und alle anderen ein Zehntel drauflegen mit einem Update, hättest du zwei Zehntel Differenz. Und das wäre schon der Unterschied zwischen Pole Position und nicht Pole Position gewesen. In Frankreich haben wir das Verhältnis wieder in Balance gebracht. Ich denke, wir sind von der Motorenleistung her ziemlich gleichauf mit Ferrari. Renault ist ganz knapp dahinter, aber Ferrari hat in der mittleren Beschleunigungsphase, der Traktionsphase, mehr Power."
 
...Sebastian Vettels Fehler in der aktuellen Saison: "Zwischen ihm und Lewis liegen nicht viele Punkte. Deswegen musst du wahrscheinlich Risiko nehmen. Ich denke, wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er den Fehler lieber nicht machen. Immerhin hat er sein und Valtteris Rennen ruiniert. Von den Fehlern bin ich aber nicht überrascht. Er ist mit Passion bei der Sache, das ist gleichzeitig eine Stärke. Manchmal geht es mit ihm durch, dann kostet es ihm Punkte. Aber dieser Antrieb und dieser Ehrgeiz sind definitiv Gründe dafür, warum er vierfacher Weltmeister ist."
 

"Alles was in England an Summen kolportiert wird (45 Mio. Euro Gehalt, Anm.), sind nur Headlines, aber nicht die Realität."

Über Hamiltons Gehalt

 
...das vorgelegte Vertrags-Angebot für Lewis Hamilton: "Es ist alles immer anders, als es geschrieben wird. Es ist ein guter Vertrag, weil er der amtierende Weltmeister ist. Wir sind in einem sehr fortgeschrittenem Stadium, aber noch nicht so weit, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Alles, was in England an Summen kolportiert wird (45 Mio. Euro Gehalt, Anm.), sind nur Headlines, aber nicht die Realität."
 
...Details, die es noch zu klären gilt: "Verträge sind mittlerweile sehr komplex geworden, weil es um viele Details geht, die du diskutieren musst. Es geht um Markenrechte, die Anzahl an PR-Tagen und so weiter. Gerade wenn jemand so eine globale Marke geworden ist wie Lewis, muss man das auch richtig machen. Wir waren in den letzten Monaten aber auch so stark im Tagesgeschäft, sowohl er als auch wir als Team, dass wir oftmals keine Zeit hatten, um uns in Ruhe hinzusetzen. Es geht jetzt alles ordentlich voran, aber ich kann noch nicht sagen, wann die Sache unterschrieben wird. Wir sind guter Dinge."
 
...die Länge des neuen Vertrages: "Generell habe ich den Eindruck, dass langfristige Verträge nicht mehr aktuell sind. Was heute gilt, kann morgen schon anders sein. Sowohl für ihn als auch für uns ist es wichtig, mit freiem Kopf an die Sache heranzugehen und sich nicht auf alle Ewigkeit zu binden."
 
...die Vertragssituation von Valtteri Bottas: "Die Verhandlungen laufen parallel mit jenen von Lewis. Auch bei ihm wollen wir zeitnah eine Entscheidung treffen. Er ist ein Garant dafür, dass das zweite Auto schnell fährt und dass beide Fahrer in der Entwicklung gemeinsame Wege gehen. Am Ende des Tages ist er ein weiterer Stabilitätsfaktor."
 
...den Stand der Verhandlungen mit Liberty über das Reglement ab 2021: "Es ist alles noch nicht ganz klar. Beim Motorenreglement soll es nächste Woche in der Strategiegruppe weitere Diskussionen oder vielleicht sogar eine Entscheidung geben. Was die Politik und den Sport bzw. das technische Reglement betrifft, gibt es keine News. Es ist auch noch nicht ganz dringend notwendig. Wir haben noch zweieinhalb Saisonen zu fahren, bevor das Reglement greift. Bis Ende März 2020 sollten wir ein Reglement für 2021 haben. Also theoretisch haben wir noch jede Menge Zeit."
 
...die neuen Aerodynamik-Regeln ab dem nächsten Jahr: "Das Reglement ist eigentlich fix, es geht nur noch darum, das genaue Wording zu definieren. Alle Teams wissen aber schon ziemlich genau, was sie machen müssen. Es ging dabei darum, mit dem Auto nicht mehr so ein großes Loch in die Luft zu schlagen, sondern dass man ermöglicht, dass der Hintermann mehr Luft auf den Frontflügel bekommt und weniger "Dirty Air" hinterlässt, dass du näher ran fahren kannst und den Reifen nicht überhitzt. Die Linie ist richtig, daher haben wir das auch unterstützt."

"Red Bull hat einen ziemlich guten Überblick, wie groß die Lücke nach vorne ist. Wenn sie zu groß gewesen wäre, hätten sie die Entscheidung nicht getroffen."

Über Red Bulls Honda-Entscheidung

...die Entscheidung von Red Bull, ab 2019 mit Honda-Motoren zu fahren: "Ich verstehe, warum sie das gemacht haben. Weil der Weg zum Titel wahrscheinlich nur über einen Werksstatus führt. Sie werden genau wissen, dass es kurzfristig ein bisschen Kummer bereiten kann. Aber langfristig ist es eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. Aktuell hat Honda definitiv noch einiges aufzuholen, aber nächstes Jahr kann alles anders sein. Die Motoren laufen auch auf den Prüfständen von Red Bull. Und sie haben einen ziemlich guten Überblick, wie groß die Lücke nach vorne ist. Wenn sie zu groß gewesen wäre, hätten sie die Entscheidung nicht getroffen."
 
...die Probleme bei seinem Ex-Team Williams: "Es macht keinen Spaß, denen zuzuschauen. Sie haben sich in eine unheimlich schwierige Situation manövriert. Das Auto ist extrem schwierig zu fahren, das sieht man an den Onboard-Aufnahmen. Das Problem ist, dass es nie eine einzelne Lösung gibt, die alle Probleme behebt. Es ist immer eine Aneinanderreihung von positiven oder negativen Effekten, dass das Auto funktioniert oder nicht. Es ist nicht so einfach, diesen gordischen Knoten zu lösen."
 
...die Gegenwart und Zukunft von Lucas Auer: "Ich habe immer ein Auge auf ihn, weil er ein Leistungsträger in der DTM ist und zur Mercedes-Familie gehört. Wir wissen noch nicht, was er nächstes Jahr macht. Wir sind noch nicht in der Mitte der Saison in der DTM. Er muss sich darauf konzentrieren. Aber Lucas macht sich einen guten Namen in der Branche. Wir müssen schauen, dass ein vernünftiges Programm für ihn herauskommt. Fakt ist, dass alle jetzigen DTM-Fahrer auf der Liste für ein mögliches Formel-E-Engagement sind. Aber wir haben noch keine Entscheidungen getroffen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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