Hamilton "desillusioniert": Wie geht es weiter?

Hamilton Foto: © GEPA
 

Bei Mercedes hält die Schockstarre nach dem WM-Finale in Abu Dhabi weiter an.

Während Lewis Hamilton nach dem verpassten Titel weiterhin schweigt, stellte sich Teamchef Toto Wolff am Donnerstag erstmals seit Sonntag den Fragen der Medien.

"Das Schweigen ist natürlich da, weil einfach die Worte fehlen", erklärt Wolff, "Lewis und ich sind momentan desillusioniert".

"Wir sind nicht desillusioniert, was den Sport angeht. Wir lieben den Sport. Mit jedem Knochen in unseren Körper. Wir lieben ihn, denn die Stoppuhr lügt nie. Was mir an diesem Sport gefällt, ist die Ehrlichkeit. Die Ehrlichkeit der Stoppuhr. Doch diese Ehrlichkeit war am Sonntag nicht gegeben", sagt Wolff.

Und stellt die Dinge in frage: "Wenn wir das fundamentale Prinzip von sportlicher Fairness und Authentizität brechen, dann ist die Stoppuhr plötzlich nicht mehr relevant. Dann sind wir beliebig getroffenen Entscheidungen ausgesetzt. Es ist klar, dass dir da die Liebe verloren geht und du hinterfragst, ob du all die Arbeit, die du da reingesteckt hast, all der Schweiß, all die Tränen und all das Blut, überhaupt mit Performance auf der Strecke zeigen kannst. Denn es kann dir beliebig weggenommen werden."

Das Erlebte vom Sonntag fühle sich noch immer "surreal" an und es werde eine lange Zeit brauchen, um die Niederlage zu verdauen, gesteht der Mercedes-Boss. "Ich denke nicht, dass wir je darüber hinwegkommen. Das ist unmöglich. Ganz besonders nicht für Lewis als Fahrer."

Ob Hamilton nach seinem verpassten achten WM-Titel nun vielleicht sogar seine Karriere beendet? "Ich hoffe sehr, dass Lewis weiterfährt", sagt Wolff. "Er ist der größte Rennfahrer aller Zeiten. Die letzten vier Rennen hat er dominiert. Es gab an den Sonntagen nicht einmal Zweifel, wer das Rennen gewonnen hat. Daher wäre er ein verdienter Weltmeister gewesen."

Wolff über Hamilton "Ich muss alles tun, um ihm zu helfen"

Bei Mercedes will man sich nun Zeit nehmen und alles analysieren und aufarbeiten. "Aber auf menschlichem Level ist es extrem schwierig, weil es so enttäuschend ist. Wir lieben den Sport und müssen uns jetzt gleichzeitig diese Fragen stellen", erklärt Wolff. Viele Werte und Überzeugungen des Teams und der Beteiligten seien am Sonntag "mit Füßen getreten" worden.

Obwohl Hamilton "schwer verstehen kann, was passiert ist", soll auch er für den Rückzug des Einspruchs plädiert haben. Er wolle nicht am grünen Tisch Weltmeister werden, heißt es in der britischen Presse.

Hamilton gewinnt seine Rennen lieber auf der Strecke - auch deshalb hofft sein Teamchef auf die Fortsetzung der Karriere. "Ich denke, als Rennfahrer wird sein Herz sagen, ich muss weitermachen, denn er ist auf dem Höhepunkt seines Könnens."

Hamilton, mit dem Wolff täglich in Kontakt steht, müsse den Schmerz überwinden. Sein Teamchef will ihm dabei helfen: "Ich muss einfach alles tun, was ich kann, um ihm zu helfen, diese aktuellen Gefühle zu überwinden, damit er im nächsten Jahr gestärkt zurückkehren kann - mit der Liebe zum Sport und dem Vertrauen in die Entscheidungsfindung des Sports. Wir wünschen uns sehr, dass dies der Fall sein wird."

Trotz der großen Enttäuschung dürfe man aber auch nicht das "große Ganze aus dem Blick verlieren", sagt Wolff. "Das ist nur die Formel 1. Es ist nur ein Sport. Da draußen passieren viel schlimmere Dinge. Und wir sollten nicht in die Falle tappen und denken, dass dies die wichtigste Sache der Welt ist."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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