Und leicht wurde im Angesicht aller Probleme, die das Rennen auf sich vereint, der Ruf nach einer ersatzlosen Streichung dieses Sports laut.
Schwarz und weiß gibt es nur bei der karierten Flagge
Auffallend ist dabei, wie eindimensional geprägt die Debatte ist. Auch in Zeiten der multiplen Krisen gibt es nicht nur schwarz und weiß, komplett richtig und komplett falsch.
Selbst in diesen Krisenzeiten führt der Ansatz, das gesamte Denken und Handeln nur mehr den Krisen unterzuordnen, mittelfristig auch in eine Sackgasse.
Nicht umsonst fühlt sich die relative Normalität im Jahr 2022 nach den Entbehrungen der Coronakrise für den Großteil wie eine unglaubliche Erleichterung, wie eine Rückkehr ins Leben an. So notwendig diese Entbehrungen gewesen sein mögen.
Die Formel 1 möchte sich ändern
Doch selbst wenn die Sinnfrage ins Zentrum gestellt wird: Wo fängt Sinnhaftigkeit an, wo hört sie auf? Wenn es als Sinn schon nicht reicht, dass ein Formel-1-Rennen vielen Menschen einfach Freude bereitet?
Klar: Einen schlanken Fuß macht der Verbrenner-Motorsport nicht mehr. Und das wird sich nur mehr ins Schlimmere verstärken.
Aber dieses Fakts sind sich alle Beteiligten sehr bewusst. Und haben sich auf die Fahnen geheftet, schnellstmöglich etwas daran zu ändern.
Erst vor kurzem hat die Formel 1 ihr Projekt vorgestellt, bis 2030 absolute CO2-Neutralität zu erreichen. Ein hehres Ziel, zu dem auch noch viel fehlt.
Und daran ist nicht einmal das Geschehen auf der Strecke selbst schuld. Dass alle 20 Autos über alle 22 Rennwochenenden zusammen weniger Sprit verbrauchen, als für einen einzigen Langstreckenflug von Wien nach Tokio nötig ist, wurde zuletzt schon zum überstrapazierten Vergleich.
Logistik, Fan-Anreise, das Rundherum: An diesen Dingen spießt es sich noch. Und es wird Arbeit genug, Besserungen zu bewerkstelligen.
Symbolik zu wenig? Mehr wäre auch eine Abschaffung nicht
Aber: Entweder die Formel 1 schafft diese Mammutaufgabe. Dann hat sie einen wertvollen Beitrag geleistet, um aufzuzeigen, wie heute schwer klimaschädliche Vorgänge besser gestaltet werden können. Denn es sind Probleme, die der Motorsport nicht exklusiv hat.
Oder es bleibt bei einer symbolischen Ansage, die zumindest als PR-Bemühen abgehakt werden kann. Die zeigt, wie ernstgenommen Nachhaltigkeitsthemen werden müssen, wenn sogar der Benzinsport zur 180-Grad-Wende ansetzt.
Wird die bloße Symbolik zum Vorwurf, so könnte dieses Argument auch den Rufen nach einer Absage entgegengestellt werden, denn viel mehr als ein symbolischer Akt wäre auch eine solche im großen Gesamtbild der CO2-Problematik nicht.
Angenommen, die Ziele werden erreicht. War das dann im Sinne des Klimaschutzes nicht die größere Errungenschaft, die ein positives Signal sendet: Die Wende ist zu schaffen? Die im Idealfall gleich Lösungen für andere Bereiche erarbeitet hat?
Klar: Die Bringschuld liegt bei der Formel 1. Aber hier muss auch Zeit für Entwicklungen einberaumt werden.
Kosten-Nutzen? Eine ganze Region profitiert
Bis Ergebnisse zu sehen sind, muss sich die Kosten-Nutzen-Frage anderen Bereichen zuwidmen. Doch auch dem hält der Grand Prix von Österreich stand.
Denn es lebt eine ganze Region von den wenigen Events, die am Red Bull Ring steigen.
Es mag die Wertschöpfungskette der Klimakrise gegenüber nicht unangefochtene Priorität genießen dürfen, aber letzten Endes ist jede beruflich notwendige Fahrt mit dem Privat-PKW auch nichts anderes als das - in einer viel kleineren Größenordnung: Eine Abwägung zugunsten der eigenen (Überlebens-)Ökonomie und gegen die unmittelbare CO2-Einsparung.
Der Ruf, darauf zu verzichten, fällt von außen leichter.
Dazu hat die Formel 1 ihre Aufgabe als Innovationstreiber auch abseits der Nachhaltigkeitsfrage noch nicht abgelegt. Erst vor einer Woche bewies uns wieder ein schwerer Crash mit unverletztem Fahrer, welche Standards auf der Sicherheitsebene mittlerweile herrschen.
Einige der Errungenschaften, die Guanyu Zhou in Silverstone das Leben retteten, sind noch keine fünf Jahre alt. Warum sollte so eine schnelle Entwicklung nicht auch im Antriebsbereich möglich sein?
Denn es mögen Verbrenner im Heck sein: Es sind dennoch die effizientesten Verbrenner des Planeten. Und die aktuelle Motorenformel ist gerade einmal acht Jahre alt.
Wer weiß, wo es in acht weiteren Jahren hingehen kann. Womit vielleicht ein Beitrag zur Lösung des gesamten Automobil-Problems geleistet wird. Die Hersteller stürzen sich wieder darauf, ein Teil der Formel 1 zu sein.
Schnell in einem Kreis fahren? Leider geil
Wenn alles an Pro-Argumenten nicht reicht: Vielleicht, aber nur vielleicht darf die Vernunft auch 2022 immer noch einmal ein Wochenende ruhen. Vielleicht darf es alleiniger Sinn sein, Freude und Emotionen bei den Fans zu stiften.
Denn was eigentlich übrig bleibt, wenn alle weniger klugen, aber aufregenden, erfüllenden und erhellenden Sachen gestrichen werden (müssen) - das konnten wir alle jetzt zwei Jahre lang im Ansatz spüren. Gefallen hat es niemandem.
Auch nicht denjenigen, die diese Forderungen stellen. Und sich dabei selbst oft noch in einem Aufwisch attestieren, ohnehin kein Interesse an der Formel 1 als niedere Form der Unterhaltung zu hegen.
Dann gehen solche Forderungen leicht über die Lippen und Tastaturen. Allerdings liegt auch die Befürchtung nahe, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema zu eindimensional gewesen sein könnte.
Es muss sich auch in Zukunft niemand für die Formel 1 interessieren, der das bis heute nicht tut - aber eine genauere Betrachtung zur Meinungsbildung, als das oft geschriene "im-Kreis-fahren ist blöd", wäre in diesen Fällen ein Fortschritt.
Denn es werden sich ohnehin bei jedem von uns kleinere und größere Klimasünden im eigenen Handeln und in den eigenen Interessen finden.
Und die Formel 1 hat sich zumindest auf die Fahnen geheftet, einen Beitrag für die Zukunft leisten zu wollen. Es muss "nur mehr" geliefert werden. Gelingt das, wäre es ein großer Beitrag.
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