Formel-E-Boss kritisiert deutsche Hersteller

Formel-E-Boss kritisiert deutsche Hersteller Foto: © getty
 

Die Formel E erfreute sich eines großen Andrangs von Herstellern, doch dann war die "deutsche Bundesliga des Motorsports" durch die Ausstiege von Audi und BMW sowie dem baldigen von Mercedes schon wieder vorbei.

Ob es nun bergab geht oder doch nicht? Serienchef und Gründer Alejandro Agag (im Bild rechts neben F1-Legende Emerson Fittipaldi) nahm dazu am Rande der "Autobest"-Gala in Straßburg, bei der er mit dem "Sportbest Award" ausgezeichnet wurde, Stellung, ehe die WM am Samstag in Marrakesch fortgesetzt wird.

Er bleibt trotz Turbulenzen Optimist – auch wenn die Pandemie der Serie finanziell schwer zusetzte, wie er im Gespräch mit LAOLA1 bekannte.

LAOLA1: Ist die Zukunft der Formel E weiter rosig oder doch getrübt?

Alejandro Agag: Ich denke, die Formel E ist in sehr gutem Zustand. Vielleicht hatten wir sogar zu viele Hersteller. Aber jetzt heißen wir Maserati und McLaren willkommen. Bei den deutschen Herstellern denke ich mir: Wenn etwas verboten wird, willst du vorher eine letzte Party feiern. Und sie feiern die letzte Party mit Verbrennermotoren. Ich bin auch ein Petrol Head, aber die Deutschen lieben Rennen mit Verbrennern noch mehr und ziehen das durch. Der Weg der Industrie ist aber vorgegeben.

LAOLA1: Ein Vorteil der Formel E war immer der große Kreis der Sieganwärter. Stimmt das noch?

Agag: Ja, auf jeden Fall. Für viel Spannung brauchst du ein System, in dem Kundenteams auch mit limitierten Budgets gewinnen können. Venturi bewies das. Die Deutschen gaben wohl zu viel Geld aus.

LAOLA1: Daher wird es auch in der Formel E bald ein Budgetlimit geben…

Agag: Wir führen das jetzt nach Absprache mit der FIA definitiv ein. 15 Millionen Euro pro Team und Saison, vermutlich inklusive der Fahrergehälter. Aber es gibt noch einige Details zu klären. Wir planen die Einführung für Saison neun, also 2023, aber das ist noch nicht ganz fix.

LAOLA1: Was erwartest Du vom neuen Gen3-Auto?

Agag: Eine gewaltige Leistungssteigerung. Das wird ein großer Schritt. Wir werden dadurch in den Rennen auch Anpassungen machen müssen. Und wir werden noch schnelleres Laden als interessantes Detail haben.

LAOLA1: Das wird wohl in der gesamten Branche der E-Mobilität aufmerksam verfolgt werden?

Agag: Ja, da gibt es großes Interesse, auch bei unserem Partner ABB.

LAOLA1: Wer ist heuer dein Titelfavorit?

Agag: Wahrscheinlich Jaguar-Pilot Mitch Evans, der sehr stark fährt. Und Stoffel Vandoorne (Mercedes). Es wird wohl zwischen den beiden entschieden werden.

LAOLA1: Was kann man vom Einstieg von McLaren erwarten?

Agag: Mit Antriebspartner Nissan denke ich, dass das Team von Anfang an in sehr starker Position sein wird.

LAOLA1: Ist die Rückkehr von Abt ab 2023 wichtig, vor allem aus deutscher Sicht?

Agag: Sehr wichtig. Abt war eines unserer Gründerteams. Ihre Rückkehr hat Bedeutung. Und ich bin überzeugt: Ein deutscher Hersteller wird auch noch in die Formel E zurückkehren!

LAOLA1: Wie sehr traf die Pandemie die Formel E, vor allem beim Konzept der Stadtrennen?

Agag: Sehr. Rennen durchzuführen während der Pandemie war für uns richtig schwierig. Die Formel 1 hatte den Vorteil der permanenten Rennstrecken, die gut kontrollierbar sind. In den Städten war die Situation für uns ganz anders. Aber ich hoffe, wir haben das hinter uns.

LAOLA1: Wie groß war der finanzielle Verlust der Formel E durch die Pandemie?

Agag: Zwischen 50 und 100 Millionen Euro.

LAOLA1: Nächstes Jahr soll es mit Vancouver, Sao Paulo, Hyderabad und Kapstadt neue Schauplätze geben. Werden die alle wirklich stattfinden? Der FIA-Weltrat hat diese Woche noch nicht alle bestätigt.

Agag: Vancouvers kurzfristige Absage in diesem Jahr war eine große Enttäuschung. Man wird sehen, was passiert. Hyderabad wird stattfinden, Sao Paulo auch, und wir werden nach der heurigen Premiere nach Seoul zurückkehren. Auch Jakarta wird bleiben, das Rennen war kürzlich ein großer Erfolg.

LAOLA1: Welche Zahl an Schauplätzen und Rennen wäre für dich ideal?

Agag: Wahrscheinlich 12 Städte mit 15 oder 16 Rennen. Berlin und London sollen Fixpunkte bleiben.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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