Stunde Null nach der Nullnummer

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Nach der Watschn von Rio hilft nur der Reset-Knopf

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Schluss mit lustig! Nach der Nullnummer von London droht Österreich vier Jahre später der nächste sportliche Supergau bei Sommerspielen. Auch aus Rio wird das ÖOC – falls nicht die Segler im allerletzten Moment doch noch in die Spur finden - wohl mit leeren Händen nach Hause reisen.

Sei's drum. Auch eine oder bestenfalls zwei Medaillen machen das Kraut nicht mehr fett.

Olympia ist definitiv der nächste harte Schlag für den heimischen Sport. Nach dem kollektiven Versagen und der Enttäuschung bei der Fußball-EM in Frankreich, setzt es auch in Brasilien eine ordentliche Watsch'n.

Sich nachher wieder zusammen zu setzen, zu analysieren, Konzepte zu schreiben, Arbeitspapiere zu verteilen und neue Projekte aufzusetzen, können sich die Verantwortlichen ersparen. Forget it! Das ist der Öffentlichkeit bereits nach Peking 2008 – als Österreich ohne Goldene blieb - als Weisheit letzter Schluss verkauft worden. Den Worten sind keine Taten gefolgt.

Nach dem Desaster in London ist Ski-Zampano Peter Schröcksnadel als Heilsbringer und möglicher Wunderwuzzi zu Hilfe geeilt. Mit dem Projekt Rio und zusätzlichen 20 Millionen Euro Förderung hätte der Karren aus dem Dreck gezogen werden sollen. Denkste!

Raus gekommen ist ein noch größerer Verwaltungsapparat mit zum Teil abenteuerlichen Förderungs- und Abrechnungs-Formalitäten. Warum braucht "Golf-Millionär" Bernd Wiesberger 40.000 Euro für ein Putting Green in seinem Heimatklub? Wie sind 1,4 Millionen Euro an Unterstützung für Beachvolleyball zu verantworten? Weshalb bekommt ein Fechter 10.000 Euro, um auf Sizilien einen Aktivurlaub zu machen und Facebook-Postings aus dem Swimming-Pool zu schicken? Und, und, und.

Österreichs Sport steckt weiter tief im Sumpf. Es gibt viel zu viele Organisationen, die sich um den Spitzensport kümmern wollen. Die Dachverbände mischen immer noch mit und verpulvern das Geld im aufgeblähten Verwaltungsapparat. Bei den Fachverbänden klafft die Schere zwischen eh halbwegs professionell und dilettantisch amateurhaft immer weiter auseinander, wobei Vorzeigeverbände an einer Hand abzuzählen sind.

Seit gestern gibt es eine neue Idee. Wir drücken den Reset-Knopf!

Richtig gehört. Bei Österreichs völlig verkrusteten Sport-Systemen, den zahlreichen Organisationen und Fördervereinen soll der Stecker gezogen werden. Nicht einmal, sondern neun Mal, da jede Organisation auch auf Landesebene ihr eigenes Süppchen kocht.

ÖOC-Präsident Karl Stoss hat völlig recht, wenn er ein "Zero-Base-Budgeting" fordert. Wenn schon Nullnummer, dann richtig. Soll heißen, dass nach Rio bei der "Stunde Null" begonnen wird. Es soll zukünftig von Grund auf eine neue Sport-Strategie verfolgt werden. Was will Österreich? Welche Sportarten machen Sinn? Welche Persönlichkeiten nehmen das Projekt in die Hand? Wer sagt der Politik, dass sie außen vor ist und kein Mitspracherecht mehr besitzen soll?

Klingt richtig gut! Aber wer hat den Mut, den Föderalismus zu reduzieren? Wer getraut sich endlich die Strukturen aufzubrechen und eine klare Langfrist-Strategie zu formulieren?

Stoss schwebt dabei ein nicht-österreichischer Weg vor und der Vorarlberger erklärt völlig richtig: "Bei uns sucht man für jemanden einen Posten und dann wird etwas einzementiert, was wir seit 1945 kennen."

Stimmt! Damit MUSS nach Rio Schluss sein.

Österreichs Funktionärs-Riege gleicht einem Karnevals-Verein mit wechselnden Faschingsprinzen und - Prinzessinnen. Ab sofort müssen alle ihre Masken ablegen und dürfen ihre Pappnasen nicht mehr in den Spitzensport stecken, von dem sie eh nur in den seltensten Fällen bzw. nur vom Hörensagen eine Ahnung haben.

Am notwendigen Geld für den Sport und auch an der Infrastruktur (Stichwort: Olympia-Zentren) - wie viele behaupten - fehlt es nicht. Wobei, anlässlich einer "Stunde Null" all die Millionen in den Nachwuchs- und die Jugend-Förderung zu investieren, wäre auch keine verkehrte Idee.

Vielleicht kann mit diesem "System neu" ja dann auch der eine oder andere arrivierte Athlet des Olympia-Kaders aus seiner Wohlfühloase gelockt werden.

Rio sollte selbst den letzten Träumern die Augen geöffnet haben, dass Österreichs Sport so nicht weiterwursteln kann und darf. Es ist längst fünf nach zwölf und die geforderte "Stunde Null" dringender denn je.

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