Scharner "wurde als Nestbeschmutzer beschimpft"

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Das demütigende "Pastern" fand nicht nur im Skigymnasium Stams statt. Paul Scharner erlebte 2001 als Jungprofi bei der Wiener Austria das Aufnahmeritual selbst und sprach es auch in seiner Autobiografie 2015 an - größtenteils ohne Konsequenzen.

"Ich wurde sogar als Nestbeschmutzer beschimpft, weil ich ein System kritisierte, in dem junge Persönlichkeiten gebrochen werden sollen. Es hieß, das muss man aushalten", so der 37-Jährige im "Standard".

Das Einschmieren seines Gesäßs mit Schuhcreme hat ihn "brutal geprägt. Ich wäre am nächsten Tag Amok gelaufen, wenn mich mein Karrierebetreuer nicht dazu angehalten hätte, ruhig zu bleiben."

Es überwog die Angst, sich die eigene Karriere zu verbauen. "Als Reaktion habe ich mich in meinen Kokon zurückgezogen, weder nach links noch nach rechts geschaut und Karriere gemacht. Menschliche Beziehungen konnte ich im Fußballumfeld nur mehr schwer aufbauen", offenbart der 40-fache ÖFB-Teamspieler die Auswirkungen dieses "Rituals".

Jeder Teamsport biete aber im Grunde ein problematisches Umfeld. "Da geht es leider hauptsächlich um die Hierarchie in der Mannschaft. Im Fußball haben die Trainer und Betreuer vom "Pastern" gewusst, es gab aber keine Konsequenzen."

"System muss sich wandeln"

Der Fall eines 15-jährigen GAK-Nachwuchsspielers, dem 2002 eine Klobürste anal eingeführt wurde, habe aber zumindest zu einem Umdenken geführt: "Da hat der Fußballbund reagieren müssen. Daher ist im österreichischen Fußball mehr Bewusstsein für die Problematik entstanden. Ich glaube, dass das Exerzieren der Riten sicher weniger geworden, aber leider noch nicht verschwunden ist."

"Ich habe das Gefühl, das Thema wird noch immer kleingeredet. In Österreich herrscht eine eigenartige Mentalität vor. Es ist eine Kultur der Verharmlosung wie beim Alkohol. Drei Bier am Tag, das ist eh nicht schlimm. Oder die aktuelle Debatte um das Rauchverbot. "Pastern" bedeutet menschliche Erniedrigung."

Nicola Werdenigg habe die längstfällige Debatte losgetreten. "Die Frage ist nur: Was prangern wir an? Nur einzelne Personen? Dann ändert sich nichts. Das System dahinter muss sich wandeln und von oben verordnet werden."


Textquelle: © LAOLA1.at

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