Vereinzelt konnte man auch leise Stimmen nach Reformen im Welt-Fußball vernehmen. Zurufe, die gerne noch etwas lauter werden dürften, denn dringende Baustellen hätten sich bei FIFA und UEFA in den vergangenen Jahrzehnten zur Genüge angehäuft.
Transfer-Summen und Spieler-Gehälter explodierten in für unmöglich gehaltene Höhen, fast alle nationalen Ligen werden seit vielen Jahren von wenigen, wenn nicht sogar einem einzigen Klub dominiert. Serien-Meister sind heutzutage in fast jedem europäischen Land an der Tagesordnung.
Es gäbe meiner Meinung nach vor allem drei Punkte, die für eine bessere (Fußball-)Welt sorgen könnten.
1. Salary Cap plus offene Gehälter
Was in den großen US-Sportligen und vielen anderen Bewerben weltweit seit Jahrzehnten für ausgeglichene Verhältnisse sorgt, wird in Europa vor allem seit Beginn des neuen Milleniums immer öfter gefordert: Ein Salary Cap – also eine Gehaltsobergrenze – soll die Gesamt-Spielergehälter eines Klubs limitieren.
Leistet man sich einen Superstar, hätte man dementsprechend weniger Spielraum für dessen Teamkollegen. Dass eine derartige Regelung Sinn machen würde, darin sind sich eigentlich fast alle einig. Schließlich würde es dann in den jeweiligen Ligen ziemlich viele gleich starke Mannschaften geben, da jeder Verein dieselben Rahmenbedingungen hätte. Auch in der Formel 1 wird ein derartiger Weg seit vielen Jahren verfolgt, um zu verhindern, dass finanzstarke Teams wie Ferrari oder Mercedes eine unmöglich zu brechende Dominanz aufbauen können. Also eine Situation, wie wir sie im Fußball seit einigen Jahren in vielen Ländern bereits haben.
Die G14, der damalige Zusammenschluss der 18 führenden europäischen Fußball-Klubs, hätte sich 2002 sogar schon fast einmal auf eine Lösung bezüglich eines Salary Caps geeinigt. Schlussendlich wurden die Pläne aber wieder ad acta gelegt. Auch in Italien und England verliefen dementsprechende Anstrengungen erfolglos.
Der Hürden gibt es nämlich viele: Sei es das bestehende EU-Recht mit der freien Arbeitswahl, verschiedene Steuersätze in den einzelnen Ländern, die Währungs-Komplikationen mit dem englischen Pfund und mögliche Komplikationen bei einem nationalen Abstieg. Zudem befürchten natürlich auch die dominierenden Groß-Klubs, dass bei einer Einführung des Salary Caps ihre aktuelle Dominanz gefährdet ist und die Konkurrenz größer wird. Eine Vorstellung, die nicht in jeder Chef-Etage gut ankommt.
Schön langsam scheint aber auch wieder Bewegung in die ganze Geschichte zu kommen: Zwei neue Rechtsgutachten haben ergeben, dass eine Deckelung der Spielergehälter auf Geheiß der UEFA durchaus machbar wäre. Würde ein Salary Cap auf UEFA-Ebene eingeführt werden, könnte es dadurch auch im EU-Recht Bestand haben. So zumindest die Meinung der juristischen Experten.
2. Begrenzung der Ablöse-Summen plus mehr Transparenz
Noch wahnwitziger als die Spieler-Gehälter entwickelten sich in den letzten Jahren die Ablöse-Summen. So verpflichtete Paris St. German im Jahr 2017 Superstar Neymar um 222 Millionen Euro und ein Jahr darauf Kylian Mbappe um 160 Millionen Euro.
Während die großen Superstars diese Summen durchaus rechtfertigen könnten, da sie auch dementsprechende Mehreinnahmen auf der Merchandise-Ebene bieten, kann man bei manchen Transfers im Bereich zwischen 30 und 70 Millionen Euro nur mehr den Kopf schütteln. Immer öfter werden diese Beträge für Spieler ausgegeben, die selbst manche Fußball-Experten nicht auf der Liste haben bzw. denen sie fast unbekannt sind. Vor allem in England scheint es, als ob die einzige Begründung - solche Mega-Summen auszugeben - lautet: "Weil ich kann!"
Dieses Wettbieten am internationalen Transfermarkt trägt mittlerweile kuriose Blüten: Der FC Barcelona schreibt in seine Spielerverträge beispielsweise astronomische Summen als Ausstiegsklausel, um möglichen Abwerbe-Versuchen entgegenzuwirken.
Nicht nachvollziehbar ist auch die fehlende Transparenz: Nur mehr in den seltensten Fällen werden die Ablöse-Summen öffentlich bekannt geben. Meist müssen die Medien internen Quellen vertrauen, um die jeweiligen Geldflüsse zumindest schätzungsweise angeben zu können. In jedem Fall werfen derartige Praktiken ein schiefes Licht auf das Gebaren der Vereine.
Limits bei den Ablöse-Summen und öffentliche Bekanntgaben dieser würden für einen ehrlicheren und faireren Transfermarkt sorgen.
3. Begrenzte Spieler-Kader
Elf Spieler stehen in der Startaufstellung, je nach Liga befinden sich maximal 22 Mann im Match-Kader. Trotzdem haben so gut wie alle europäischen Spitzenklubs deutlich mehr Spieler unter Vertrag. 30 Spieler im Gesamtkader, dazu noch 25-40 Spieler im Kader der zweiten Mannschaft, 10-25 Leihspieler und aus der eigenen Jugend rücken ebenfalls zahlreiche Talente nach.
Die Vereine rechtfertigen diese riesige Masse an verfügbaren Athleten dadurch, indem sie auf die hohe Belastung aufgrund der gestiegenen Anzahl der Spiele verweisen. Eine etwas magere Ausrede, schließlich kommen am Ende des Tages ja doch fast immer die gleichen Top-Stars zum Einsatz.
Warum dann trotzdem so maßlos eingekauft wird? Zum einen können vor allem Groß-Klubs dadurch natürlich auch aufstrebende Mittelstständler-Klubs bremsen, indem sie deren Leistungsträger abwerben und diese dadurch schwächen. Ein in fast allen Ligen von den jeweiligen Dominatoren praktizierter Stil. Die "Fehlkäufe" sitzen meist monatelang auf der Bank und werden schlussendlich halbjährlich an neue Vereine verliehen. Manche Spitzenvereine statten dadurch fast die halbe Liga mit ihren jeweiligen Spielern aus. Schließlich werden auch viele jüngere Spieler zuerst einmal verlieren, damit sie wertvolle Spielpraxis in den höheren Ligen sammeln können.
Aber auch mittelständische Ausbildungsvereine langen gerne richtig zu: Oft werden auf gut Glück, fünf bis zehn hoffnungsvolle junge Spieler geholt. Setzt sich am Ende nur einer durch, kann sich das schlussendlich schon für den investierenden Verein rechnen.
Durch derartige Praktiken werden allerdings die Marktpreise der jeweiligen Spieler nur noch weiter hochgetrieben. Der Vergleich mit einem Aktienmarkt bietet sich an. Die Blase wird immer größer, bis sie einmal platzt. Und Corona könnte die Stecknadel gewesen sein.