Die neue ÖFB-U21-Familie: Supervisor, Leader, Neue

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„Die Pflicht haben wir erledigt, jetzt kommt die Kür“, sagt Werner Gregoritsch.

Die neue ÖFB-U21 ist mit dem 3:1 in Andorra und dem 4:0 in Albanien ideal in die EM-Qualifikation gestartet.

Nun warten das Heimspiel gegen die Türkei (Fr., 20:30 Uhr, in Ritzing) und England (Di., 20:45 Uhr, in Milton Keynes). „Um zur EM zu fahren, müssen wir gegen beide gewinnen. Unser Ziel sind sechs Punkte!“, gibt Dario Maresic die Marschroute vor.

Dass die neu zusammengestellte Mannschaft gleich von Anfang an so gut funktioniert hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Aufgrund von Problemen bei der Reise von Albanien nach Andorra konnte seltener als geplant trainiert werden.

Das Vermitteln der Werte

Barnsley-Legionär Patrick Schmidt berichtet: „Der erste Lehrgang war nicht so leicht, weil wir ja eine komplett neue Mannschaft sind. Aber es hat gleich von Anfang an super funktioniert, wir sind eine richtige Partie geworden. Das haben wir auch am Feld gezeigt. Mental war das schon eine Herausforderung, weil der Anspruch groß ist, alle von zwei Pflichtsiegen gesprochen haben.“

Vor allem jene Kicker, die schon zuvor bei der ÖFB-U21 mit von der Partie waren, sind in der Anfangsphase besonders gefragt – etwa Kevin Danso, Dario Maresic und die nun zum A-Team hochgezogenen Marco Friedl und Maximilian Wöber. „Es ist wichtig, dass die Spieler, die schon da waren, den Neuen viele Dinge vermitteln. Sie wissen, worauf ich Wert lege“, sagt Gregoritsch.

Maresic berichtet: „Wir, die schon länger dabei sind, wissen ganz genau, was der Trainer von uns will. Es gibt schon öfter Situationen, wo wir als erfahrene Spieler zu den Neuen hingehen und ihnen erklären, was der Trainer verlangt. Das funktioniert ganz gut.“

"Es kommen Spieler von total funktionierenden Systemen im Verein und als Teamchef musst du ihnen klarmachen, dass wir unser Spiel spielen, nicht Red Bull oder der LASK sind"

Werner Gregoritsch

Außerdem kennt man sich ja sowieso. Sei es aus früheren Nachwuchs-Auswahlen, aus den Akademien, aus der Bundesliga. „Jeder hat den gleichen Schmäh, als Fußballer versteht man sich schnell. Auch der Trainer ist sehr dahinter, dass wir eine Gemeinschaft werden“, meint Schmidt.

Auf die Führungsspieler im neuen Jahrgang angesprochen, sagt der Coach: „Wöber ist ein absoluter Schlüsselspieler, Danso auch. Friedl war vor einem Jahr nirgends, galt als Talent, hat sich jetzt etabliert. Baumgartner hat im Jahrgang 1999 alle Nationalteams als Kapitän geführt, war überragend. Raguz ist auch ein absoluter Führungsspieler – er ist für mich die Überraschung schlechthin, ist explodiert, er kann die Mannschaft in vieler Hinsicht führen.“

Die Hilfe der Akademien

Die gestiegene Qualität in der Nachwuchsarbeit der Vereine erleichtert seine Aufgabe, erklärt Gregoritsch: „Die konzeptionelle Jugendarbeit, die mit den Akademien begonnen hat, hilft extrem. Wenn das durchgängig ist, ist das auch fürs Nationalteam gut. Wenn du Pressing, Ballbesitzspiel oder Anlaufen trainierst, läuft das sehr gut ab, weil viel von den Vereinen schon erarbeitet wird. Das ist sehr positiv. Früher war das oft vogelwild.“

Der Teamchef weiter: „Die einzige Problematik: Es kommen Spieler von total funktionierenden Systemen im Verein und als Teamchef musst du ihnen klarmachen, dass wir unser Spiel spielen, nicht Red Bull oder der LASK sind. Seit sechs Jahren gibt es bei mir diese Mischung aus einem 4-2-3-1-System, variiert mit einem 4-3-3. Diese kleinen kosmetischen Korrekturen sind aber im Training leicht zu erarbeiten.“

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Hinzu kommt die Einstellung der Talente. Gregoritsch berichtet erfreut: „Die Spieler, die kommen, sind sehr professionell. Wir hatten am Montag zwei Trainings, am Dienstag hatten wir nur am Vormittag Training, der Nachmittag war frei – da haben wir aber ein freiwilliges Training mit dem Konditionstrainer angeboten, und es waren zwölf von 20 Spielern dabei! Die Spieler sind hungrig, sie wissen, was Erfolg ausmacht.“

Wer die ÖFB-U21 während eines Lehrgangs besucht, dem entgeht nicht, dass der Betreuerstab inzwischen wesentlich größer ist, als noch vor ein paar Jahren.

Der Teamchef als Supervisor

Das verändert auch Gregoritschs Arbeit: „Als Trainer wirst du immer mehr zum Supervisor. Fachleute betreiben ihre Sparten – etwa das Trackingsystem, die Video-Analyse, den Konditionsbereich, den taktischen Bereich. Das muss nur alles abgestimmt sein. Beispiel LASK: Glasner geht und eigentlich spielen sie so weiter. Der Trainer hat Mitarbeiter, die alles können, und er muss nur clever sein und das mit seiner Persönlichkeit so führen und leiten, dass es in gute Bahnen geht. In Wahrheit ist es im Nationalteam auch so.“

Die Richtung, in die es letztlich gehen soll, ist die neuerliche EM-Teilnahme. Danso winkt ab, als er gefragt wird, ob er den Neuen vom Turnier in Italien erzählt habe: „Wir brauchen niemandem etwas von der EM erzählen, die haben sie eh alle geschaut. Jeder weiß, was das für eine Bühne ist. Wenn das jeder im Kopf hat, kommen wir sehr weit.“

Die kommenden Aufgaben

Der nächste Schritt ist eben das Heimspiel gegen die Türkei. Die Türken haben einen schlechten Start erwischt, nach vier Spielen nur vier Zähler am Konto, stehen in Ritzing schon mit dem Rücken zur Wand. Unterschätzt werden sie deswegen freilich nicht. Schmidt berichtet: „Die Ergebnisse der Türken waren schlechter als ihre Leistungen. Sie haben die Punkte ein wenig unglücklich hergeschenkt.“

Danach wartet mit dem Auswärtsspiel in England das, was Maresic als „Highlight“ bezeichnet. Die Engländer wollen mit ihrer „Goldenen Generation“ für Furore sorgen. „Wir sind krasser Außenseiter“, sagt Gregoritsch im Hinblick auf die Partie.

Schmidt ergänzt: „Die Engländer sind schon brutal stark. Da sind schon große Spieler dabei. Es ist schön, sich mit solchen Kickern zu messen. Aber wir dürfen nicht zu viel Respekt zeigen. Wir wollen dort was holen!“

Auch Danso glaubt an die Chance: „Die Engländer haben viele gute Einzelspieler. Da müssen wir gut dagegenhalten. Ich glaube aber, wir können mit jedem Gegner mithalten.“

Die neue U21-Generation steht vor ihren ersten echten Prüfsteinen. Das Herz ihres Trainers hat sie jetzt schon erobert: „Mir gefällt an dieser Generation, dass sie ein vernünftiges Selbstbewusstsein und eine sehr professionelle Einstellung hat. Zudem imponiert mir ihre Spielfreude, sie suchen im Ballbesitz Lösungen.“


Der Kader:

Tor: Fabian Ehmann (Aris Saloniki), Christopher Giuliani (Sturm), Ammar Helac (BW Linz)

Abwehr: Alexandar Borkovic (Austria), Kevin Danso (Southampton), , Leonardo Lukacevic (Admira), Lukas Maliscek (Horn), Dario Maresic (Stade Reims), Julian Gölles (Tirol), Emanuel Aiwu (Admira), Luca Meisl (St. Pölten)

Mittelfeld: Kelvin Arase (Rapid), Christoph Baumgartner (Hoffenheim), Vesel Demaku (Austria), Dominik Fitz (Austria), Christoph Halper (Mattersburg), Michael John Lema (Sturm), Sandi Lovric (Lugano), Valentino Müller (LASK)

Angriff: Nicolas Meister (LASK), Marko Raguz (LASK), Patrick Schmidt (Barnsley), Marco Grüll (Ried)

Auf Abruf: Johannes Handl (Austria), Arnel Jakupovic (Domzale), Christoph Klarer (Southampton), Tobias Lawal (LASK), Patrick Obermüller (Hartberg), Thomas Sabitzer (LASK), Stephan Schimandl (Mattersburg), Alexander Schmidt (WAC), David Schnegg (LASK), Lukas Sulzbacher (Rapid), Michael Svoboda (Tirol), Manuel Thurnwald (Altach), Vincent Trummer (Sturm), Nicholas Wunsch (Rapid)

Textquelle: © LAOLA1.at

Drei Änderungen im Kader der ÖFB-U21

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