Wie ein Hühnerhaufen

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So wurde Österreich von Serbien ausgetrickst

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Normalerweise gilt Marcel Koller als Trainer, der sich akribisch auf das nächste Spiel vorbereitet und seine Mannschaft dementsprechend gut auf den nächsten Gegner einstellt.

Bei der 2:3-Niederlage gegen Serbien klappte dies jedoch überhaupt nicht. Österreich bekam das 3-4-2-1-System des Gegners nie in den Griff.

Teilweise präsentierte sich die Defensive wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Serbien war einfach das cleverere Team und fuhr letztendlich einen verdienten Sieg ein.

Fore-Checking der Österreicher spielt Serben in die Hände

Hauptverantwortlich für die Gefährlichkeit der Gastgeber zeichneten Dusan Tadic und Filip Kostic. Mit den beiden offensiven Mittelfeldspielern kam das ÖFB-Team nicht zurecht.

Im Gegensatz zum 2:2 gegen Wales attackierte Österreich relativ hoch. Nicht erst die Sechser, sondern schon die Innenverteidiger sollten unter Druck gesetzt werden. Das spielte den Serben in die Hände.

Denn dadurch fehlte der Koller-Elf die Kompaktheit. Zwischen Abwehr und Mittelfeld bot sich Tadic und Kostic viel Platz. Durch ihre großflächigen Bewegungen sorgten die beiden für zusätzlich Verwirrung, zogen sie Österreichs Verteidiger doch immer wieder aus der Position.

Naive Österreicher

Dasselbe Spielchen spielte auch Mittelstürmer Aleksandar Mitrovic. Vor seinem ersten Treffer verfolgte ihn Martin Hinteregger bis in die gegnerische Hälfte. Dadurch entstand ein Loch, das die österreichische Defensive nicht mehr schließen konnte.

Von Kompaktheit war in dieser Szene keine Spur (siehe Bild). Weder Dragovic noch Klein (beide blau markiert) rückten rechtzeitig nach, um den voreiligen Vorstoß des Augsburgers (gelb markiert) abzufedern. Österreich lief blindlinks in die Falle der Serben.

Auch beim zweiten Gegentor waren Abstimmungsprobleme zwischen den Abwehrspielern zu beobachten. Anstatt auf einer Linie zu verteidigen, ließ sich Hinteregger fallen und hob damit die Abseitsstellung von Tadic auf.

Probleme mit Rukavina

Die defensive Naivität, die Österreich an den Tag legte, war aber auch dem serbischen System geschuldet. Vor allem in der Breitenstaffelung, also den Abständen zwischen Außen- und Innenverteidigern, kam das ÖFB-Team mit dieser Formation nicht zurecht.

Florian Klein und Kevin Wimmer verschoben oft weit nach innen, weil die serbischen Zehner Tadic und Kostic so zentral agierten.

Das bot aber wiederum den Außenverteidigern große Räume an den Seiten. Antonio Rukavina sorgte so über seine rechte Flanke für viel Schwung. Beim dritten Gegentor wäre der Villarreal-Profi am langen Eck völlig frei gewesen, Tadic schloss den Angriff aber selbst zum Siegtor ab.

Serbische Umstellung stört Spielaufbau

Österreich konnte die Defensiv-Probleme vor allem in der Anfangsphase mit den eigenen Stärken im Spielaufbau überdecken. Die beiden Sechser David Alaba und Julian Baumgartlinger spielten ihre Pässe geschickt in die Räume zwischen Innen- und Außenverteidigern der serbischen Fünferkette.

Über Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer übte Österreich so in den ersten 30 Minuten viel Druck aus. Auch in diesem Punkt behielt der serbische Teamchef Slavoljub Muslin jedoch letztlich die Oberhand.

VIDEO: Die Highlights des Spiels

 

Mitte der ersten Hälfte wies der 62-Jährige seine Spieler an, die Österreicher früher zu pressen. Daraufhin hatten Alaba und Baumgartlinger weit weniger Zeit am Ball. Teilweise waren sie von fünf Gegnern umstellt, da Serbien mit den Sechsern Fore-Checking betrieb und sich die drei Offensiv-Spieler ebenfalls im Dunstkreis der zentralen Mittelfeldspieler bewegten.

Damit gelang es den Gastgebern, Österreichs Spielaufbau massiv zu stören. Jene Kontrolle, die das ÖFB-Team in der ersten halben Stunde ausübte, erreichte man in den 60 Minuten danach nicht mehr. Koller hatte auf diese Umstellung der Serben keine Antwort parat.

Kritik an Koller

Der Teamchef muss sich nach dieser Auswärtsniederlage viel Kritik gefallen lassen. Seine Defensive fiel in alte Verhaltensmuster zurück und ließ Kompaktheit vermissen. Auf die Rochaden der serbischen Offensivspieler schien man nicht gut genug vorbereitet zu sein.

Zudem fehlte nach der Pause auch ein alternativer Plan, um in der Offensive frische Impulse zu setzen. Die Einwechslung von Alessandro Schöpf, der den Zwischenlinien Raum zwischen serbischer Abwehr und Mittelfeld gut zu nutzen wusste, brachte zwar etwas Schwung rein, doch letztlich war dies nicht genug.

Im nächsten Spiel gegen Irland stehen Koller und Co. nun schon stark unter Druck. Gut möglich, dass sich der Schweizer dann auch taktisch etwas Neues einfallen lässt. Die Dreierkette könnte eine Option sein.

 

Jakob Faber

 

VIDEO: Jankos kurioses Tor - war es Abseits?


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