Marko Arnautovic emotional: "Vergiss diese Frage!"

 

Im Laufe einer Fußballer-Karriere soll es bisweilen vorkommen, dass man nach der Situation des eigenen Trainers befragt wird, wenn dieser mit dem Rücken zur Wand steht.

Viele Kicker entscheiden sich dann sicherheitshalber für eine diplomatische Antwort oder lassen bestenfalls zwischen den Zeilen ihre Meinung durchblicken.

Marko Arnautovic ist bekanntlich nicht wie die meisten Kicker.

Er will solch eine Frage über Teamchef Franco Foda gleich gar nicht beantworten und geht dabei - wie sonst auf dem Feld - ordentlich in die Offensive (siehe Video).

"Diese Frage stoppe ich gleich, die Frage ist unnötig, wieder irgendwas mit Trainer und letzte Chance, hin und her. Vergiss diese Frage! Die werde ich dir nicht beantworten", unterbricht der ÖFB-Star den Fragesteller gleich im Ansatz der Frage.

Auf Umwegen ("Wie stehst du dazu, dass man jemandem eine Deadline setzt?") wird die Frage dann doch gestellt.

Mehr hat es für Arnautovic nicht gebraucht.

Arnautovic: "Vielleicht gibt es auch für mich eine Deadline"

"Das ist eine Frage gegen den Trainer! Ich habe gerade gesagt, dass ich das nicht beantworte und du machst weiter", wird Arnautovic emotional und vermutet, dass die Frage beauftragt wurde.

"Wir haben ein Spiel am Freitag und ein Spiel am Montag. Mehrere Leute haben schon gesagt, dass wir wieder Selbstvertrauen bekommen und alle zusammen wieder eine Mannschaft werden wollen. Es ist sinnlos, dass ich jetzt über den Trainer reden muss, ob letzte Chance oder Deadline. Vielleicht gibt es auch für mich eine Deadline", ereifert sich der Wiener und führt weiter aus:

"Vielleicht kommt unser neuer Präsident zu mir und sagt: 'Hör zu, Marko, wenn du in den zwei Spielen kein Tor machst, ist es zu Ende für dich. Kann auch sein. Ich habe schon genug Fragen über den Trainer bekommen, genug Leute haben probiert irgendwie draufzuhauen. Lasst es sein! Ich werde es nicht beantworten."

Für Polster interessanter als für Arnautovic

Die Wahrscheinlichkeit, dass Neo-ÖFB-Boss Gerhard Milletich die schillernde ÖFB-Karriere von Arnautovic nach diesem Länderspiel-Doppel gegen Israel und die Republik Moldau beendet, ist logischerweise extremst gering.

Toni Polster traf 44 Mal für Österreich
Foto: © GEPA

Am Freitag zieht der 32-Jährige mit seinem 95. Länderspiel in der ewigen Bestenliste mit Toni Polster gleich. Dies ist gleichbedeutend mit dem Sprung aufs Stockerl. Mehr A-Team-Einsätze haben in der rot-weiß-roten Geschichte nur Andreas Herzog (103 Länderspiele) und Aleksandar Dragovic (96) absolviert.

Auf Polsters Torrekord fehlen jedoch noch einige Treffer. Während Polster 44 Länderspiel-Tore zu Buche stehen hat, hält Arnautovic bei 29. Dazwischen rangiert Hans Krankl mit deren 34.

"Ich habe schon ein paar Mal gehört, dass Toni das schon öfter angesprochen und gemeint hat, er wünscht mir, dass ich dahin komme. Aber ich glaube, dass er sich damit mehr beschäftigt als ich selbst. Ich schaue da nicht drauf", behauptet Arnautovic, "aber es ist natürlich eine Ehre und macht mich stolz, dass ich so viele Länderspiele gemacht und diese Toranzahl erreicht habe. Aber ich schaue nicht darauf, ob ich irgendjemanden einhole."

Es läuft gut, aber es ginge besser

Geht es nach der aktuellen Form, sind weitere Treffer des Serie-A-Legionärs durchaus denkbar. Beim FC Bologna hält der Stürmer bei fünf Saison-Toren, in den vergangenen beiden Liga-Spielen traf er jeweils ein Mal.

"Ich lasse lieber andere Leute einschätzen, wie ich gerade drauf bin oder wie es bei Bologna läuft. Aber wenn ich etwas dazu sagen würde, würde ich sagen: Es läuft gut. Es könnte aber noch besser sein. Für mich war es in meiner Karriere immer so, dass es nie genug war, es geht immer besser", findet Arnautovic.

Dies ist zu einem guten Teil auch körperlich gemeint, weil er immer noch Probleme mit seiner Oberschenkelverletzung von vor der EURO habe, könne er nicht behaupten, bei 100 Prozent zu sein.

Schmerzen bei jedem Spiel

"Ich bin halt nicht davon ausgegangen, dass er so schlimm war und habe wahrscheinlich sehr früh begonnen, weil ich unbedingt bei der EURO dabei sein wollte. Ich hatte jede Minute, bei jedem Spiel und in jedem Training Schmerzen."

Marko Arnautovic

"Deswegen habe ich beim letzten Lehrgang auch abgesagt, weil ich wieder den Schmerz gespürt habe. Ich spüre den Schmerz bei jedem Spiel", verrät der Routinier und präzisiert:

"Vor der EURO hatte ich diesen Muskelfaserriss. Ich bin halt nicht davon ausgegangen, dass er so schlimm war und habe wahrscheinlich sehr früh begonnen, weil ich unbedingt bei der EURO dabei sein wollte. Ich hatte jede Minute, bei jedem Spiel und in jedem Training Schmerzen, aber ich wollte es einfach durchziehen."

Inzwischen seien Fortschritte erkennbar: "Es ist nicht derselbe Schmerz wie bei der EURO. Ich mache natürlich viel Therapie und viele Übungen, um den Muskel zu stärken, denn dort ist eine Narbe, die den Schmerz erzeugt. Aber wie gesagt, es wird besser."

Es zählt nicht nur Arnautovic

In Klagenfurt möchte Arnautovic dem ÖFB-Team wieder auf dem Platz helfen: "Ich will das bringen, was ich immer bringe - und das sind meine Präsenz am Platz, Tore, meine Assists, alles, was eben zu meinem Spiel dazugehört. Aber es zählt nicht nur Arnautovic, es zählt die Mannschaft und wenn diese - nach vorne wie auch nach hinten - zusammenarbeitet, bin ich mir sicher, dass wir diese zwei Spiele für uns entscheiden können."

"Von wem kommt diese Kritik? Von einem der Experten in Anzügen?"

Marko Arnautovic

Nach dem September-Lehrgang ist es übrigens erst der zweite im Rahmen dieser WM-Qualifikation, bei dem der Schlüsselspieler anwesend ist. Im März musste er damals noch als China-Legionär passen, zuletzt im Oktober verletzungsbedingt.

In seinen bisherigen drei Einsätzen steuerte er jeweils in Moldawien und in Israel einen Treffer bei. Große Kampfansagen, speziell gegen seinen langjährigen Weggefährten Willi Ruttensteiner, erspart sich Arnautovic vor dem Rückspiel gegen Israel jedoch:

"Dass ich in Israel keinen Spaß hatte, ist klar. Wobei wir viele Chancen hatten und das Spiel meiner Meinung nach auch easy umdrehen hätten können. Jetzt kommen sie hierher. Ich werde jetzt nicht sagen, wir wollen es dem Willi oder Israel zeigen - wir gehen das mit Respekt, aber mit 100 Prozent an!"

Die Experten im Anzug...

Abseits des Platzes läuft es für den Geschäftsmann Marko Arnautovic übrigens gut, wie er zu berichten weiß. Seine Alkohol-Marken Gin, Wodka und Rum würden sich gut verkaufen, aktuell rüstet er sich gerade für das Weihnachtsgeschäft.

Den Hinweis, dass es auch Kritik daran geben würde, kontert Arnautovic auf seine elegante Art und Weise: "Von wem kommt diese Kritik? Von einem der Experten in Anzügen?"

Mit diversen "Experten im Anzug" hat Arnautovic ungefähr so viel Freude wie mit Fragen nach der Teamchef-Zukunft, wie wir seit einigen Wochen wissen.


VIDEO - Arnautovic nicht zum Urlaub in Bologna:


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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